US-Studie: Brutale Games machen doch aggressiv

Aktualisiert

US-StudieBrutale Games machen doch aggressiv

Lange wurde ein Zusammenhang bestritten, nun melden US-Forscher nach der Durchsicht unzähliger Studien: Brutale Games sind doch schädlich.

von
Ill-FiL
1 / 23
Achtung: Diese Bildstrecke enthält Bilder, die Gewalt darstellen und gemäss dem Alterseinstufungssystem Pegi («Pan European Game Information») erst ab 18 Jahren freigegeben sind.

Achtung: Diese Bildstrecke enthält Bilder, die Gewalt darstellen und gemäss dem Alterseinstufungssystem Pegi («Pan European Game Information») erst ab 18 Jahren freigegeben sind.

Pegi
Denkt man an Gewalt verherrlichende Games, kommen einem unweigerlich Titel wie «Grand Theft Auto», ...

Denkt man an Gewalt verherrlichende Games, kommen einem unweigerlich Titel wie «Grand Theft Auto», ...

Rockstar Games
... die «Call of Duty»-Serie (im Bild: «CoD 3» aus dem Jahr 2003) ...

... die «Call of Duty»-Serie (im Bild: «CoD 3» aus dem Jahr 2003) ...

Infinity Ward

Die Frage polarisiert die Gameszene spätestens seit 1992, als mit «Wolfenstein 3D» der erste Egoshooter erschien: Machen gewaltverherrlichende Videospiele aggressiv oder nicht? Jetzt haben US-Psychologen zahlreiche Studien dazu ausgewertet und kommen zum Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen dem Spielen brutaler Games und aggressivem Verhalten existiert.

Für ihre Auswertung haben die Psychologen Studien aus den vergangenen zehn Jahren zum Thema begutachtet, wie der «Independent» schreibt. Dass Titel wie «Call of Duty» oder «GTA» Aggressionen fördern hiesse aber nicht, dass man dadurch auch kriminell werde. Dafür gebe es bisher zu wenige Beweise, so die Wissenschaftler. Gewaltgames zu spielen, reiche allein noch nicht, um einen Menschen grundsätzlich aggressiver zu machen. Dazu müssten noch andere Risikofaktoren hinzukommen, so die US-Psychologen.

«Ein Verbot wäre nicht angemessen»

Obwohl es auch Studien gibt, die zum Schluss kommen, dass Gewalt-Games keine Gewalttäter erzeugen, fordert die Vereinigung der Amerikanischen Psychologen (American Psychological Association (APA)), dass Eltern besser darauf achten, ob ihre Kinder brutale Games spielen.

Das sieht auch Medienpsychologe Daniel Süss von der ZHAW so: «Kinder und Jugendliche bis 13 Jahre sind besonders stark von möglichen Wirkungen betroffen.» Erst mit zunehmendem Alter und daraus resultierender Selbstreflexion und Impulskontrolle könnten Spielende mit derartigen Titeln umgehen. Für Süss sind deshalb Alterskontrollen, wie von der APA gefordert, sinnvoll, «ein Verbot wäre aber nicht angemessen».

Diese Menschen sind am meisten gefährdet

Für Süss sind vor allem Menschen, die auch ohne zu daddeln eine hohe Aggressivität haben, sowie solche, die in ihrem Alltag wenig Erfolgserlebnisse haben, besonders durch Gewalt-Games gefährdet: «Wer in einer Familie oder Gruppe lebt, welche Gewalt befürwortet, der ist durch Mediengewalt auch eher beeinflussbar.» Auch wer selbst Opfer von Gewalt geworden sei, werde eher selber aggressiv, sofern er keinen Weg sehe, sich durchzusetzen oder seinen Selbstwert wiederherzustellen, so der Medienpsychologe.

Dass es mehr als nur das Spielen eines brutalen Games braucht, damit ein Mensch tatsächlich aggressiv wird, davon ist auch der Medienpsychologe überzeugt.

Gamer-Vereinigung sieht Studie kritisch

Auch Thomas Riediker, Präsident der unabhängigen Konsumentenorganisation der erwachsenen Schweizer Gamer GameRights, sieht keine Lösung im Verbot derartiger Spiele. Es sei verfehlt, aufgrund solcher Studien Verbote und weitere Restriktionen zu verlangen. «In der Schweiz besteht mit Pegi («Pan European Game Information», siehe Bildstrecke) seit vielen Jahren ein stabiles, wirkungsvolles und ehrliches Bewertungssystem für Games», so Riediker.

Für ihn liegt die Lösung des Problems in einem objektiven, ehrlichen Diskurs über den Umgang mit einem modernen Medium und nicht «in blinden, naiven und aktionistischen Verbotsforderungen». Riediker sieht in den Studienresultaten die Ansichten seiner Organisation bestätigt: «Spiele ab 18 sollen im Handel nicht in Kinderhände gelangen; dies sagen wir seit unserer Gründung.»

Eltern, die sich über Pegi und Medienkompetenz informieren möchten, finden im Non-Profit-Projekt GameAgents.ch eine Online-Anlaufstelle.

In der Bildstrecke finden Sie eine Auswahl von Games, die wegen ihres gewaltverherrlichenden Inhalts in die Schlagzeilen geraten sind. Welches Spiel hat Sie mit seiner Brutalität schockiert?

Thomas Riediker ist Präsident von GameRights, der unabhängigen Konsumentenorganisation der erwachsenen Schweizer Gamer.

Daniel Süss ist Professor für angewandte Psychologie an der ZHAW mit Spezialisierung auf dem Gebiet Medienpsychologie.

Deine Meinung