Jugendkriminalität: Brutale Gang überfiel Juso-Chefs
Aktualisiert

JugendkriminalitätBrutale Gang überfiel Juso-Chefs

Eine jugendliche Gang hat in Zürich über 20 Überfälle verübt. Zu den Opfern gehören auch die Juso-Politiker Ursula Näf (22) und Fabian Molina (22). Heute stehen die brutalen Täter vor Gericht.

von
Marco Lüssi
Sie wurden Opfer einer Räuberbande, die am Dienstag vor Gericht steht: Die Juso-Politiker Ursula Näf und Fabian Molina.

Sie wurden Opfer einer Räuberbande, die am Dienstag vor Gericht steht: Die Juso-Politiker Ursula Näf und Fabian Molina.

Die zehn jungen Männer zwischen 15 und 19 Jahren hatten ein spezielles Wochenendprogramm: Sie fuhren jeweils aus dem Aargau in die Stadt Zürich, um dort auf Raubzüge zu gehen. Erst nach drei Monaten, im Dezember 2011 endete die Serie mit der Festnahme der Täter. Die traurige Bilanz: 21 Überfälle, 38 Opfer, darunter 14 Verletzte.

Auffällig sei, dass die Täter brutal vorgegangen seien und von Vornherein dreingeschlagen hätten, sagt Jugendanwalt Hansueli Gürber, der die Minderjährigen unter den Tätern befragt hat. Heute Dienstag stehen vier Mitglieder der Bande vor Gericht – der heute 20-jährige tschetschenische Haupttäter, sowie ein Schweizer (20) und zwei Türken (19 und 21).

Überfall passierte auf dem Heimweg von einer Wahlparty

Zu den Opfern der Bande gehören auch zwei Jungpolitiker: Ursula Näf (22), Co-Präsidentin der Juso des Kantons Zürich, und Fabian Molina (22), damals ebenfalls Juso-Co-Präsident, liefen den Tätern am 22. Oktober 2011 um 2.45 Uhr morgens auf dem Mattensteg im Kreis 5 über den Weg. Molina erinnert sich: «Es war der Vortag der Nationalratswahlen, wir waren auf dem Rückweg von einer Wahlparty von Juso und Jungen Grünen am Sihlquai und in guter Stimmung.»

Damit war es schlagartig vorbei: «Plötzlich wurden wir von drei maskierten jungen Männern umstellt, zwei von ihnen hielten Messer in der Hand», berichtet Näf. Während sie den Tätern weismachen konnte, dass sie ihr Handy am Vortag verloren habe, nahmen sie Molina sein Mobiltelefon und 50 Franken Bargeld ab. Dem Jungpolitiker gelang es noch, die Räuber davon zu überzeugen, ihm die Sim-Karte des Handys und das geleerte Portemonnaie zurückzugeben.

Täter waren nervös

Man habe gemerkt, dass die Räuber sehr jung und selber nervös gewesen seien, so Molina. «Es ist nicht schön, Opfer einer solchen Tat zu werden – doch im ersten Moment nahm ich die Tragweite des Vorfalls gar nicht wahr, vielleicht auch, weil ich vorher an der Party ein paar Bier getrunken hatte», so Molina.

Der wirkliche Schock sei erst gekommen, als er später erfahren habe, dass dieselbe Bande gegen andere Opfer viel brutaler vorgegangen war und es zahlreiche Verletzte gegeben hatte. «Da wurde mir klar, dass es noch viel schlimmer hätte enden können.» Noch am selben Tag, an dem sie die Jungpolitiker ausgeraubt hatten, hatten die Täter bei einem weiteren Überfall ihr Opfer mit einem Stock auf die Nase geschlagen und es mit einem Messer an der Hand und am Oberschenkel verletzt.

«Räuber haben ein Recht auf ein faires Verfahren»

Ein Lob gibt es von den Juso-Politikern für Polizei und Staatsanwaltschaft: «Wir wurden über alle Schritte informiert, und man hat uns mehrfach Opferhilfe angeboten», sagt Näf.

Genauso korrekt, wie man sich ihnen als Opfer gegenüber verhalten habe, müsse man auch bei den Tätern handeln: «Sie haben ein Recht auf ein faires Verfahren», so Molina. Er sei aber sehr froh, dass die Räuberbande aus dem Verkehr gezogen worden sei. «Es ist klar, dass so etwas in unserer Gesellschaft nicht geht.» Es sei gut, dass solche Fälle schnell und gewissenhaft aufgeklärt würden. «Schockierend ist aber, dass bei grossen Fischen wie bei Steuerbetrügern und Wirtschaftskriminellen oft weggesehen wird. Kriminalität wird mit verschiedenen Ellen gemessen.»

Eine Ausschaffung der ausländischen Täter, wie sie rechtsbürgerliche Politiker fordern würden, ginge für die Juso-Politiker zu weit. Näf: «Kriminalität hat nichts mit der Herkunft zu tun, sondern mit dem sozialen Hintergrund.»

Staatsanwalt verlangt mehrjährige Freiheitsstrafen

Für den Haupttäter fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, für die anderen drei Angeklagten, die heute Dienstag vor Gericht stehen, Freiheitsstrafen von zweieinhalb bis drei Jahren.

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