Aktualisiert 04.02.2004 13:38

Brutale Mordserie aufgeklärt

Wie die Bochumner Polizei mitteilte, wurden sechs Dealer aus dem Ruhrgebiet unter dem dringenden Tatverdacht verhaftet, in nur fünf Wochen fünf Personen erschossen zu haben. Ein Tatverdächtiger ist flüchtig.

Hintergrund der Hinrichtungen waren nach den Ermittlungen der Polizei finanzielle Streitereien, der Raub von Betäubungsmitteln und interne Rivalitäten.

Bei den 20 bis 30 Jahre alten Tätern handelte es sich nach Angaben der Polizei überwiegend um Russlanddeutsche. Der Bochumer Polizeipräsident Thomas Wenner sagte, die Täter hätten eine Gewaltbereitschaft gezeigt, «die mehr asiatisch ist». Die Verbrechen seien ein Fanal für das Scheitern einer «deutschstämmigen Einwanderungspolitik». «Das ist eine Kulturfremde, die sich durch Volkstümelei nicht überwinden lässt.» Hier sei eine Wende nötig, die «die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung» berücksichtigt.

Die Bande hatte nach Angaben der Polizei seit mehreren Monaten die Drogenszene in Bochum, Herne und Düren kontrolliert. Die Mordserie begann in der Nacht zum 13. Dezember vergangenen Jahres, als die Täter nach den Ermittlungen der Polizei einen 32-jährigen Düsseldorfer Immobilienmakler auf einem Brachgelände in Herne mit mehreren Kopfschüssen hinrichteten, weil ein noch flüchtiger 30-Jährige offenbar aus einem Immobiliengeschäft finanzielle Forderungen an das Mordopfer stellte.

Dann eskalierte die Gewalt. Am 17. Januar erschossen die Täter nach Angaben der Polizei in Rotterdam bei einem Drogendeal drei niederländische Staatsangehörige. Tatmotiv sei wahrscheinlich der Raub von Betäubungsmitteln und Differenzen bei einem zurückliegenden Drogendeal gewesen.

Oberlandesgericht setzte Haupttäter auf freien Fuss

Am 23. Januar gab es dann einen internen Streit in der Bande um die Vorherrschaft beim Drogenhandel in Düren. Dabei sei ein 29-Jähriger - selbst Mittäter beim ersten Mord - von seinen Komplizen mit mehreren Kugeln niedergeschossen worden. Dem Opfer sei zwar noch die Flucht aus der Wohnung gelungen. Der Mann habe sogar noch versucht, mit seinem Auto die Polizeiwache Düren zu erreichen. Auf dem Weg dorthin habe er jedoch auf Grund seiner schweren Verletzungen die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und sei gegen einen Ampelmast geprallt. Kurze Zeit später erlag er seinen Schussverletzungen.

Führender Kopf der überwiegend arbeitslosen, aber dennoch auf grossem Fuss lebenden Rauschgifthändler war nach den Ermittlungen der Polizei ein 20-Jähriger. «Obwohl er der Jüngste war, spielte er eine absolut dominierende Rolle und steuerte die kriminellen Aktivitäten», sagte der Leiter der Ermittlungen, Friedhelm Althans. Der gebürtige Kasache war laut Polizei auch als Einziger bei allen Morden beteiligt.

Dabei sass er zwischen dem ersten und dem zweien Mord zeitweise sogar in Untersuchungshaft, weil eine Jugendstrafkammer in einem Verfahren wegen schwerer räuberischer Erpressung bei ihm Flucht- und Verdunklungsgefahr bejaht hatte. Doch hob das Oberlandesgericht Hamm auf Antrag der Verteidigung diese Entscheidung auf und setze ihn auf freien Fuss. Wenige Tage später kam es zum Blutbad in Rotterdam.

Bei der Festnahme der Täter in Herne, Bielefeld und Düren kamen Spezialeinsatzkommandos zum Einsatz. In der Wohnung des mutmasslichen Haupttäters entdeckte die Polizei ein Waffenlager mit zahlreichen Pistolen und Gewehren, Schalldämpfern und anderem technischen Zubehör sowie Munition und Betäubungsmittel. (dapd)

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