Aktualisiert 01.10.2010 10:59

18 Monate bedingt

Brutaler FCZ-Fan strenger bestraft

Ein betrunkener FCZ-Fan hat bei Ausschreitungen einen Zürcher Polizeibeamten brutal verprügelt. Jetzt hat das Obergericht die Strafe erhöht – der Staatsanwalt ist aber nicht zufrieden.

von
Attila Szenogrady

Am 28. Oktober 2009 kam es nach dem Fussballspiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel beim Bahnhof Altstetten zu massiven Ausschreitungen. Zürcher Fans veranstalteten dabei eine regelrechte Hetzjagd auf versprengte Basler Anhänger.

Zu den aggressiven Zürchern gehörte auch der heute 26-jährige Angeklagte. Der kräftige Bohrarbeiter legte sich mit einigen zivilen Polizeibeamten an. Auch mit einem heute 38-jährigen Hooligan-Spezialisten, der dem betrunkenen Angeschuldigten eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht sprühte. Allerdings ohne Erfolg. Im Gegenteil: Der Täter nahm wie von Sinnen die Verfolgung des Polizisten auf und brachte diesen zu Fall. Dann prügelte er auf den am Boden liegenden Beamten ein. Ein weiterer FCZ-Fan versetzte dem Opfer zusätzliche Fusstritte. Dieses erlitt schwere Prellungen am Hinterkopf und Verletzungen am Oberkiefer. Glücklicherweise konnten einige Berufskollegen des Geschädigten eingreifen und schlimmere Folgen verhindern. Der Bohrarbeiter verschwand für neun Tage in der Untersuchungshaft und wurde im letzten März vom Bezirksgericht Zürich wegen Körperverletzung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt.

Täter sollte hinter Gitter

Für den zuständigen Staatsanwalt war das erste Urteil viel zu milde ausgefallen. Er legte Berufung ein und verlangte am Freitag vor dem Zürcher Obergericht eine deutliche Straferhöhung auf 24 Monate Freiheitsentzug. Davon sollte der FCZ-Fan zehn Monate hinter Gitter absitzen.

Der Verteidiger konterte mit einem Gegenantrag auf acht Monate bedingt und lastete dem verletzten Polizeibeamten einen missglückten Pfefferspray-Einsatz an. Erst dadurch sei sein Klient derart in Wut geraten, plädierte er.

Strafe erhöht, Bewährungschance bestätigt

Das Obergericht schlug einen Mittelweg ein. Es kam es mit einer neuen Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu einer deutlichen Erhöhung der Sanktion. Einerseits wegen der aussergewöhnlichen Brutalität des Angriffs. Andererseits liess es die schwere Angetrunkenheit des Täters nur leicht strafmindernd in den Entscheid einfliessen. Zudem sei er es gewesen, der den Einsatz mit Pfefferspray provoziert habe.

Im Gegenzug gaben die Oberrichter dem aus dem Kanton Aargau stammenden Beschuldigten eine letzte Bewährungschance, indem sie die gesamten 18 Monate bedingt festlegten. Dem Angeklagten kam dabei entgegen, dass er bisher noch nie als Gewalttäter aufgefallen war und heute beruflich sowie sozial gut integriert ist. Die Hälfte der Berufungskosten wurde dem Fussballfan auferlegt.

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