Aktualisiert 29.10.2007 17:39

Brutaler Privat-Sheriff: Therapie statt Knast

Ein gewaltbereiter Privatpolizist hat seine hochschwangere Freundin mit Fusstritten traktiert. Eine andere Partnerin hat er in seinem Auto eingesperrt und geschlagen. Am Montag stand er in Zürich vor Gericht.

Eigentlich wollte der heute 31-jährige Angeklagte richtiger Polizist werden. Als er aber nicht aufgenommen wurde, ernannte er sich kurzum selber zum Ordnungshüter. Er gründete eine Sicherheitsfirma und nahm «böse Fremdgeher und Verbrecher» ins Visier. In einem Zeitungsartikel erklärte er, dass er nur Personen mit einem sauberen Leumund und Vorstrafenregister anstellen werde. Der Schönheitsfehler: Der Chef hatte schon selber einiges auf dem Kerbholz.

Wegen Melanie Winiger gerast

So beispielsweise als gefährlicher Raser. So fuhr er einmal mit 169 km/h bei Glattbrugg über die Autobahn. Um rechtzeitig zu einem Treffen mit der Ex-Miss Schweiz Melanie Winiger zu kommen. Bei einer anderen Gelegenheit raste der Schweizer Staatsagenhörige in einem gemieteten Ferrari 355 GTS mit 134 Stundenkilometern durch den Milchbucktunnel. Um den Motor des Rennflitzers so richtig gut zu hören.

Fusstritte gegen Hochschwangere

Am Montag stand der Sicherheitsbeamte für seine neusten Vergehen vor Gericht. So hat er im August 2005 in seiner Wohnung in Rümlang seine im achten Monat schwangere Freundin brutal attackiert. Dabei stiess er den Kopf der heute 23-jährigen Mutter mit der flachen Hand zur Seite und versetzte ihr zwei Fusstritte. In das Hinterteil und zwischen die Beine der Geschädigten. Dann stellte er ihr in Aussicht, sie von der Terrasse zu werfen oder ihr die Kehle durchzuschneiden. Glücklicherweise kamen Mutter und Kind mit dem Schrecken davon.

Im Auto eingesperrt

Im März 2006 kam eine zweite Freundin an die Reihe. Nach einem Streit sperrte der Angeklagte seine Partnerin in seinen Personenwagen ein und fuhr sie gegen ihren Willen mitten in der Nacht von Zürich in ein dunkles Waldstück nach Aathal. Als das Opfer zu weinen begann, drückte er dessen Kopf auf den Boden und schlug es auf den Hinterkopf. Der Privatpolizist liess die heute 26-jährige Frau erst nach einigen Stunden wieder laufen.

Laut Anklage hat sich der Angeschuldigte auch als Kantonspolizist aufgespielt und in Zürich ein Fahrzeug einer «Verkehrskontrolle» unterzogen. Wobei er den Fahrzeuglenker am Hals gepackt haben soll.

Therapie statt Freiheitsstrafe

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den teilgeständigen Angeklagten wegen Freiheitsberaubung, Tätlichkeiten sowie mehrfacher Drohung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie 1000 Franken Busse. Vom Vorwurf der Amtsanmassung wurde er aufgrund von Ungereimtheiten in den Aussagen der Belastungszeugen freigesprochen. Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher sprach von einem erheblichen Verschulden. Besonders bedenklich sei die Attacke gegen die hochschwangere Freundin gewesen, sagte der Vorsitzende.

Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens hatte der Privatpolizist dennoch Glück. So wurde die Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme für psychisch gestörte Personen aufgeschoben. Laut Aeschbacher eine letzte Chance. Ansonsten werde der Angeklagte das nächste Mal anders an die Kasse kommen.

Attila Szenogrady

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