Brutalofoul im Plauschhockey
Aktualisiert

Brutalofoul im Plauschhockey

In einem Spiel der Plauschmeisterschaft hat ein kräftiger Regensdorfer Eishockey-Crack mit seinem Stock einem gegnerischen Spieler das rechte Auge zerstört. Jetzt stand er vor Gericht.

von
Attila Szenogrady

«Wir spielen immer noch Eishockey und nicht Softball», wehrte sich der heute 34-jährige Angeklagte aus Regensdorf am Mittwoch vor dem Zürcher Obergericht. Der Hüne forderte einen vollen Freispruch und bezeichnete sich als unschuldig. Anders hatten es sowohl die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland als auch das Bezirksgericht Dielsdorf gesehen. Das Landgericht hat den gelernten Maurer bereits vor einem Jahr wegen fahrlässiger Körperverletzung mit schwerer Schädigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Mit Hockeystock Auge ausgestochen

Der schwere Vorwurf ging auf den 13. März 2005 zurück. Damals fand im Rahmen der Zürcher Eishockey Plauschmeisterschaft in der Sportanlage Erlen in Dielsdorf eine Partie zwischen den Buchs North Stars und dem EHC Eisbrecher statt. Im letzten Drittel lag der Angeklagte mit seinen North Stars 1:2 zurück. Fünf Minuten vor Schluss wurde der kräftig gebaute Beschuldigte von einem Gegenspieler von hinten bedrängt. Worauf er plötzlich den Stock hochnahm und dem Geschädigten durch den Gitterhelm in das Gesicht schlug. Die Folgen waren für den heute 39-jährigen Zürcher Unterländer fatal. Er wurde am rechten Auge so schwer verletzt, dass er das Augenlicht verlor. Die Staatsanwaltschaft leitete darauf eine Untersuchung gegen den Regensdorfer Spieler ein.

Gerechtfertigte Abwehr geltend gemacht

Vor Obergericht machte der Angeklagte geltend, dass er sich bloss gewehrt habe. So habe ihm der Geschädigte zuerst gegen den Rücken geschlagen. Der Verteidiger erklärte dazu, dass das Opfer dazu neige, sein eigenes Verhalten zu beschönigen. Der im Eishockey-Sport versierte Gerichtspräsident Peter Marti brachte den Angeschuldigten allerdings wiederholt in einen Erklärungsnotstand. So machte der Vorsitzende klar, dass im heutigen Plausch-Hockey eine Null-Toleranz-Regelung herrsche. Demnach seien jegliche Körperkontakte untersagt.

Nicht zuletzt wurde der Angeschuldigte durch mehrere Zeugen negativ belastet. Demnach soll er im fraglichen Spiel bereits vor dem Vorfall durch sein äusserst aggressives Auftreten sowie mehrere Fouls gegenüber seinen Kontrahenten negativ aufgefallen sein.

Es geht um viel Geld

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Wobei klar wurde, dass es um viel Geld geht. Das Bezirksgericht Dielsdorf hatte den Angeklagten infolge des Schuldspruchs verpflichtet, dem Geschädigten ein Schmerzensgeld von 45 000 Franken zu entrichten. Zudem zu einem grundsätzlichen Schadenersatz in noch unbekannter Höhe und zu einer Prozessentschädigung für die Gegenseite von 10 000 Franken. Dem Angeklagten wurden auch die Gerichtskosten von über 13 000 Franken auferlegt. Bei einem Freispruch wäre alles wieder anders. Das Obergericht wird den spannend erwarteten Entscheid demnächst schriftlich zustellen.

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