Raumkühlung: Bruthitze – Schweizer stürzen sich auf Ventilatoren und Klimageräte
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RaumkühlungBruthitze – Schweizer stürzen sich auf Ventilatoren und Klimageräte

Schweizerinnen und Schweizer kaufen gerade wie wild Ventilatoren und Klimaanlagen. Bei einem Händler ist der Absatz in einer Woche um bis zu 450 Prozent gestiegen.

von
Marcel Urech
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Die Verkaufszahlen von Geräten für die Raumkühlung sind stark nach oben geschnellt, wie die Händler Fust, Brack, Jumbo, Digitec Galaxus und Coop auf Anfrage bestätigen.

Die Verkaufszahlen von Geräten für die Raumkühlung sind stark nach oben geschnellt, wie die Händler Fust, Brack, Jumbo, Digitec Galaxus und Coop auf Anfrage bestätigen.

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Besonders beliebt sind Klimaanlagen …

Besonders beliebt sind Klimaanlagen …

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… und Ventilatoren.

… und Ventilatoren.

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Darum gehts

Die Schweiz leidet unter der Hitzewelle: Nachbarn zanken sich öfter, Wassersparen wird zum Thema und sogar Hunde und Katzen leiden bei 35 Grad im Schatten. Nun versuchen die Menschen im Land, ihre Wohnungen kühl zu halten und setzen dabei auf Rollläden, abgedunkelte Räume und geschlossene Fenster.

Doch das reicht vielen nicht: Schweizerinnen und Schweizer kaufen auch wie wild Ventilatoren und Klimaanlagen. Die Verkaufszahlen von Geräten für die Raumkühlung sind stark nach oben geschnellt, wie die Händler Fust, Brack, Jumbo, Digitec Galaxus und Coop auf Anfrage bestätigen.

Ventilatoren sind besonders gefragt

Fust sagt, dass es im Bereich Ventilatoren und Klima einen «deutlichen Anstieg im Absatz» gebe. Es sei absehbar, dass die Temperaturen auch in der Nacht nicht mehr weit unter 20 Grad fielen und die Nachfrage darum weiter steige, heisst es auf Anfrage. Jumbo teilt mit, dass sich Standventilatoren am besten verkauften.

Hast du in deiner Wohnung eine Klimaanlage?

Laut Coop hat die Nachfrage nach Ventilatoren zwischen dem 13. und 19. Juni «signifikant zugenommen». Alle angefragten Firmen sagen, dass sowohl Ventilatoren als auch Klimaanlagen gut verfügbar seien. Der Nachschub sei sichergestellt und leere Regale drohten nicht. Vereinzelt könne es Lieferschwierigkeiten geben, aber die Hersteller und Zwischenhändler hätten noch genug Geräte auf Lager, heisst es bei Digitec Galaxus.

+450 Prozent bei Digitec Galaxus

Auch bei Digitec Galaxus ist der Absatz in nur einer Woche stark rauf: Bei den Ventis um 300 Prozent, bei den Klimaanlagen um 450 Prozent. Die Kundinnen und Kunden achteten beim Ventilatoren-Kauf besonders auf die Qualität. Bei den Klimaanlagen seien mobile Geräte gefragt, die man wieder wegräumen kann, wenn die Hitzewelle vorbei ist. Und es gebe weitere Produkte, deren Absatz wegen der Hitze hochschnelle (siehe Box). 

Diese Produkte boomen gerade

Die Preise seien bisher «höchstens punktuell» rauf. «Das liegt daran, dass wir noch Geräte vom letzten Jahr in unseren Lagern haben», sagt Manuel Wenk von Digitec Galaxus. Weil in den letzten Monaten viele Hersteller ihre Preise erhöht haben, würden Ventilatoren und Klimaanlagen Ende Sommer wohl mehr kosten als derzeit.

Einzelne Modelle sind ausverkauft

«Im Mai und Juni haben wir bisher mit Ventilatoren und Klimaanlagen einen siebenmal so hohen Umsatz erzielt wie im März und April», heisst es bei Brack auf Anfrage. Der erste Peak sei mit den steigenden Temperaturen Mitte Mai gekommen, der zweite letzte Woche und am Wochenende.

Sehr viele Modelle seien ab Lager lieferbar. Wie lange der Vorrat reiche, hänge von den Temperaturen ab. Ausverkaufte Geräte gebe es nur vereinzelt. Einige seien nicht lieferbar, der Nachschub sollte «gegen Ende Monat» kommen. Ein Versorgungsmangel, wie es ihn 2015 und 2019 gab, sei aber nicht zu erwarten.

Auch Migros bestätigt, dass die Nachfrage gestiegen sei, nennt aber keine Zahlen. Bei Do it + Garden seien Klimageräte häufiger gefragt. Preiserhöhungen seien keine geplant.

Firmen kämpfen mit hoher Nachfrage

Die Badener Firma Klimavent, die auf die Realisierung und den Unterhalt von Lüftungs- und Klimaanlagen spezialisiert ist, bestätigt den Run auf Klimaanlagen. «Wir könnten unser Team verdreifachen und es würde immer noch nicht reichen, um die Nachfrage zu befriedigen», heisst es auf Anfrage.

Die Firma Keller Klima mit Hauptsitz in Wichtrach BE berichtet Ähnliches: «Die Anfragen an uns haben sich fast verdreifacht.» Jeden Tag riefen rund zehn Privatpersonen an und bäten um eine Offerte. Ein Grund dafür sei, dass die Menschen bei der Hitze schlechter schlafen.

Um die Aufträge zu bewältigen, arbeite man nun mit Partnern und temporären Angestellten zusammen. Die hohe Nachfrage sorge zudem dafür, dass man mehr ausrücken müsse, da deutlich mehr Störungsmeldungen eingingen als vor der Bruthitze, so Keller Klima. 

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