Kuhpocken: Bub fängt sich Krankheit aus 18. Jahrhundert ein
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KuhpockenBub fängt sich Krankheit aus 18. Jahrhundert ein

Eine Krankheit, die einst unter Melkerinnen verbreitet war, hat bei einem 15-Jährigen ein seltenes Comeback gegeben.

von
jcg
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Weil er Kälbchen fütterte, infizierte sich ein Junge aus Wales mit Kuhpocken.

Weil er Kälbchen fütterte, infizierte sich ein Junge aus Wales mit Kuhpocken.

iStock/Jodie777
Die Krankheit, die früher bei Melkerinnen verbreitet war, kommt heute nur noch extrem selten vor.

Die Krankheit, die früher bei Melkerinnen verbreitet war, kommt heute nur noch extrem selten vor.

Wikimedia Commons/Wellcome Collection gallery/CC BY 4.0

Die Krankheit ist so selten, dass die meisten Ärzte noch nie mit ihr konfrontiert wurden: die Kuhpocken. In Wales trat die Krankheit nun nach über 10 Jahren erstmals wieder auf. Betroffen war ein 15-jähriger Junge, der auf der Farm seiner Eltern Kälbchen gefüttert hatte. Kurz danach stellte sich bei ihm ein juckender, schmerzhafter Ausschlag ein und es bildeten sich mit Eiter gefüllte Geschwüre an Händen, Füssen und Armen.

Früher steckten sich Melkerinnen und Melker beim Kontakt mit Hausrindern mit Kuhpocken an. Seit kaum noch von Hand gemolken wird, ist die Viruserkrankung so gut wie verschwunden (siehe Box). Heute sind es vor allem verwilderte Katzen und Ratten, bei denen sich Menschen anstecken können. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

Einige Narben blieben

Dem Jungen, der darauf bestand, anonym zu bleiben, war die Infektion offenbar ziemlich peinlich, wie seine Mutter der BBC sagte. «Es sah ziemlich übel aus, die Geschwüre waren nicht schön und es war nicht sehr angenehm für ihn», so die Mutter weiter. Es habe viele Wochen gedauert, bis die Krankheit vorbei war; an seinen Händen habe er noch immer einige Narben.

Infiziert wurde der Junge, weil die Kälber beim Füttern auch an seinen Händen geknabbert hatten. Durch die resultierenden Schürfungen konnte das Virus ins Blut des Jungen gelangen.

Extrem selten

Der Fall des 15-Jährigen wurde bekannt, als ihn seine behandelnde Ärztin Aysha Javed am Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Dermatologie (ESPD) vorstellte. Für sie war es der erste Fall von Kuhpocken, den sie in ihrer Karriere je behandelt hatte. Sie sagte der BBC, dass es den Jungen wahrscheinlich stark gejuckt habe, es für ihn aber nicht sonderlich schmerzhaft gewesen sei.

Für Javed war es wichtig, ihre Berufskollegen auf den seltenen Fall aufmerksam zu machen. Wenn etwas plötzlich wieder auftrete, sollten die Gesundheitsbehörden darüber informiert werden, erklärte Javed. «Wir sehen eigentlich nie mehr Kuhpocken. Es ist eine dieser Krankheiten, die verschwunden sind.»

Ein Vertreter der britischen Dermatologenvereinigung erklärte, dass es sehr wichtig sei, dass Ärzten und der Öffentlichkeit bewusst sei, dass gewisse historische Krankheiten zurückkehren könnten. Die Rückkehr der Kuhpocken hält er allerdings nicht für besonders beunruhigend, da sie bei gesunden Leuten im Normalfall gutartig verlaufen.

Kuhpocken und das Impfen

Im 18. Jahrhundert erkrankten Melkerinnen häufig an Kuhpocken. 1796 bemerkte der englische Arzt Edward Jenner, dass von der Krankheit genesene Melkerinnen später nicht mehr an den deutlich gefährlicheren Pocken erkrankten. Die Pocken töteten damals etwa jede fünfte erkrankte Person.

Jenner spritzte daraufhin dem achtjährigen James Phipps Flüssigkeit aus einem Geschwür einer Melkerin, die Kuhpocken hatte. Wenig später verabreichte er dem Jungen Pockenviren. Der Bub wurde nicht krank. Die Immunisierung hatte funktioniert.

Jenner gilt heute als einer der Väter des Impfens. Er schuf die Grundlagen dafür, dass die Pocken 1980 von der WHO als erste und bisher einzige Infektionskrankheit für weltweit ausgerottet erklärt werden konnte – dank konsequenten Impfungen.

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