Späte Rettung: Bub von riesigem Splitter im Auge befreit
Aktualisiert

Späte RettungBub von riesigem Splitter im Auge befreit

Nach einem Unfall lebte ein elfjähriger Inder zwei Jahre lang mit einem zehn Zentimeter grossen Holzsplitter im Auge. Erst jetzt entfernten Spezialisten den Fremdkörper, der auch das Gehirn des Buben verletzt hatte.

von
rre

Endlich vom Fremdkörper befreit: Rahul Devi.

Erst jetzt zeichnet sich ab, welches Glück Rahul Devi hatte. Beim Spielen mit Freunden rammte sich der damals Neunjährige aus dem indischen Bundesstaat Kaschmir einen Stock ins linke Auge, dabei blieb ein etwa zehn Zentimeter grosser Holzsplitter stecken. Sofort brachten ihn die Eltern in ein nahegelegenes Spital: «Die Ärzte dort sagten, sie könnten den Splitter nicht entfernen», erzählte Rahuls Mutter Ratna Devi dem britischen Online-Portal «dailymirror.co.uk» und ergänzte: «Wir nahmen ihn wieder mit nachhause und hofften, der Splitter käme irgendwann von allein wieder heraus.

Ganze zwei lange und schmerzvolle Jahre sollte der Bub mit dem Fremdkörper im Auge leben, bis ihn sein Vater und seine Mutter ins All India Institute of Medical Sciences (AIIMS) in Delhi brachten.

«Ich bekam eine Gänsehaut ...»

Mediziner Sarat Chandra war von Rahuls Anblick sehr berührt: «Ich bekam eine Gänsehaut: das Holz ragte aus seinem linken Auge heraus», erinnert sich der Privatdozent an seine erste Begegnung mit dem Elfjährigen.

Besonders beeindruckt war Chandra von Rahuls Unbefangenheit: «Dass das Kind bereits seit zwei Jahren mit dem Splitter lebte, war schockierend. Anmerken liess es sich das aber nicht: Rahul spielte, ging zur Schule oder zum Schwimmen und kletterte auf Bäume, als sei nie etwas geschehen.»

«Wichtige Bereiche des Gehirns waren beeinträchtigt»

Wie ernst es während dieser zwei Jahre um den Buben aber tatsächlich stand, fanden die Mediziner erst durch einen Scan des Schädels heraus: Das Bild zeigte, dass sich der Splitter bis ins Gehirn hineinbohrte. Betroffen war ein Areal, das sich sowohl für das Sprach-, als auch für das Sehvermögen verantwortlich zeichnet. «Wichtige Bereiche des Gehirns waren durch das Stückchen Holz beeinträchtigt - trotzdem kam es nicht zu Beeinträchtigungen. Das grenzt schon nahezu an ein Wunder», freut sich A. K. Mahaptra, leitender Arzt der Neurochirurgie am AIIMS.

Während einer sechsstündigen Operation konnte Rahul vom Fremdkörper befreit werden - ein schwieriger Vorgang, denn bereits der kleinste Fehler hätte für den Elfjährigen drastische Folgen haben können. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen - schon bald darf Rahul wieder mit Freunden herumtollen und auf Bäume klettern. An das Sehen mit nur einem Auge hatte er sich ohnehin schon vor zwei Jahren gewöhnt.

Deine Meinung