Zürich: Bub zwingt Hort-Gspänli zu sexuellen Handlungen
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ZürichBub zwingt Hort-Gspänli zu sexuellen Handlungen

In einem Hort in Zürich kam es kürzlich zu einem Vorfall. Eine Mutter erzählt, dass ein Bub gegenüber ihrem Sohn übergriffig wurde. 

von
Thomas Obrecht
Monira Djurdjevic
Chantal Gisler
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Wie eine Mutter erzählt, wurde ihr Sohn in einem Hort einer Stadtzürcher Schule, von einem Gspänli zu sexuellen Handlungen gezwungen. Die Frau hat Anzeige erstattet. (Symbolbild)

Wie eine Mutter erzählt, wurde ihr Sohn in einem Hort einer Stadtzürcher Schule, von einem Gspänli zu sexuellen Handlungen gezwungen. Die Frau hat Anzeige erstattet. (Symbolbild)

Tamedia/ Urs Jaudas
Bei der Stadtpolizei Zürich bestätigt man den Eingang einer Anzeige.

Bei der Stadtpolizei Zürich bestätigt man den Eingang einer Anzeige.

20 Minuten

Darum gehts

Eine Mutter (33) aus Zürich ist besorgt. Wie die Frau sagt, wurden Kinder in einem Hort einer Stadtzürcher Schule, bestehend aus Kindergärten und Primarschulklassen, von einem Gspänli zu sexuellen Handlungen gezwungen: «Mitte Mai hat der Bub ein Kind aufgefordert, seine Hosen runterzulassen und ihm mit Schlägen gedroht, wenn er dies nicht tue. Zudem sagte er: ‹Ich stecke mein Ding rein›.» Rund einen Monat später habe er unter Gewaltandrohung auch ihren Sohn (6) zu sexuellen Handlungen aufgefordert, während andere Kinder zuschauen mussten. «Er sagte zu meinem Sohn, er soll sein ‹Pfiffeli abschlecken› und zwang ihn dazu.»

Auch wenn ihr die Schulleitung versichert habe, dass der gleichaltrige Bub den Hort vorübergehend nicht besuchen werde, mache sie sich Sorgen: «Er kommt ja irgendwann zurück. Zudem darf er weiterhin in den Kindergarten.» Dass ihre Tochter nach den Sommerferien in den gleichen Hort gehen wird, mache die Situation nicht besser. Sie fordert, dass etwas unternommen wird. In der Zwischenzeit habe sie eine Anzeige bei der Polizei eingereicht.

Bei der Stadtpolizei Zürich bestätigt man den Eingang einer Anzeige. Beim Schul- und Sportdepartement hat man Kenntnis vom Vorfall im Juni. «Alle Kinder werden weiterhin beschult. Die beiden betroffenen Buben sind aber nicht im gleichen Kindergarten. In Absprache mit den Eltern besucht zudem ein Kind für zwei Wochen die Betreuung nicht», sagt Sprecher Marc Caprez. Der Vorfall werde schulintern noch geklärt und das weitere Vorgehen besprochen. Die Aufarbeitung geschehe in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Eltern und den entsprechenden Fachstellen. Eine allfällige Kommunikation an die anderen Eltern sowie die Aufarbeitung mit den Kindern werde gemeinsam mit den Fachstellen abgesprochen. Weitere Vorfälle seien nicht bekannt.

«Das Problem muss erkannt und ernst genommen werden»

Laut Kinder- und Jugendpsychologe Philipp Ramming könne hinter so einem Verhalten ein Verlangen nach Aufmerksamkeit stecken. Ein konkretes sexuelles Interesse bei Kindern in diesem Alter schliesst er aus. «Kinder sehen oftmals das Verhalten der Erwachsenen, verstehen es aber nicht oder können es nicht richtig einordnen. So verwenden sie beispielsweise böse Wörter, ohne zu wissen, was diese bedeuten», erklärt Ramming. Was Kinder erlernen, sei oft auf ihr soziales Umfeld und die Erziehung zurückzuführen. Sexualisiertes Verhalten könnten sie demnach bei den Eltern und älteren Geschwistern abschauen. «Im schlimmsten Fall haben Kinder, die ein solches Verhalten an den Tag legen, selbst grenzüberschreitendes Verhalten erlebt», so Ramming.

Laut Ramming sind in solchen Situationen neben der Schule auch die Eltern gefragt: «Das Problem muss erkannt und ernst genommen werden. Es braucht eine Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Eltern, um dem fehlgeleiteten Buben zu helfen und ihn zu begleiten.» Dabei müssten die Eltern mit ihm sprechen und ihm klarmachen, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung ist. «Vor allem sollten sie ihm zeigen, wie er auf eine andere Art und Weise Aufmerksamkeit bekommen kann», so Ramming.

Ein Schulwechsel müsse dabei nicht unbedingt erfolgen. «Solange eine Besserung des Verhaltens in Sicht ist, sollte das Kind im gewohnten Umfeld bleiben.» Bei einer Verschlimmerung des Verhaltens werde professionelle Hilfe nötig. Auch die anderen Eltern sollten das Gespräch mit ihren Kindern suchen und erklären, was passiert ist. «Man muss sie ernst nehmen und altersgerecht informieren», so Ramming. 

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