Bizarrer Dank: Buben melden Leiche - Eltern müssen blechen
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Bizarrer DankBuben melden Leiche - Eltern müssen blechen

Sein Sohn fand einen Erhängten in einem Wald bei Vevey und alarmierte die Rettungskräfte. Nun muss Vater Carlos Cabral deswegen eine teure Rechnung bezahlen.

von
ann
Ein Krankenwagen der Star Ambulance fuhr in den Wald bei Vevey. Die drei Jungs wurden von der Polizei gezwungen, darin ins Krankenhaus zu fahren.

Ein Krankenwagen der Star Ambulance fuhr in den Wald bei Vevey. Die drei Jungs wurden von der Polizei gezwungen, darin ins Krankenhaus zu fahren.

«Soll ich meinem Sohn von nun an beibringen, anderen nicht mehr zu helfen?», fragt Familienvater Carlos Cabral enttäuscht in der Westschweizer Zeitung «Le Matin». Vor zwei Wochen lag der Brief mit dem Entscheid des Friedensrichters in seinem Briefkasten. Der Lastwagenchauffeur aus Vevey mit bescheidenem Einkommen ist erbost darüber. Einschliesslich der Bussen für verspätetes Zahlen und den Kosten für den Friedensrichter muss er nun eine Rechnung von 725 Franken berappen. Und das alles, weil sein Sohn Pedro sich vorbildlich verhalten hat.

Im Herbst 2010 war der damals 14-Jährige mit zwei Freunden durch den Wald von Gilamont bei Vevey gestreift. Dort finden sie per Zufall einen Mann, der sich an einem Baum aufgehängt hat. Die Teenager alarmieren sofort die Polizei über die Rufnummer 144. Schnell ist auch eine Ambulanz der privaten Firma Star Ambulance vor Ort. Die Polizisten zwingen die drei Jungs, mit der Ambulanz zur Untersuchung ins Spital zu fahren.

«Warum hat man uns Eltern nicht informiert?»

«Sie wollten gar nicht, weil sie nicht das Gefühl hatten, traumatisiert zu sein», sagt Carlos Cabral. Der Assistenz-Arzt, der sie nach über einer Stunde Warten kurz untersuchte, bestätigte dies. Für die Eltern hingegen kam der Schock zwei Wochen später, als die Rechnung für den Krankenwagen über 521 Franken ins Haus flatterte. Die Star Ambulance verrechnete ihnen den fixen Tarif, der in einer Vereinbarung zwischen den Organisationen und den Versicherungen festgelegt worden war. Dahinter steckt eine etwas komplizierte Regelung des Kantons mit zahlreichen Ambulanzfirmen.

«Dass ein Arzt unseren Sohn nach dieser grausigen Entdeckung untersucht, ist richtig. Aber warum hat man uns nicht informiert? Wir hätten unseren Sohn doch sofort selbst ins Spital gebracht. Ausserdem finde ich es eine Frechheit, dass wir für korrektes staatsbürgerliches Verhalten noch bezahlen müssen!»

Happy End in Sicht

Cabral weigerte sich darum lange, die umstrittene Rechnung zu bezahlen und schrieb zahlreiche Briefe an die Zuständigen. Ohne Erfolg. «Unsere Sanitäter sind auf Anordnung eines Arztes aufgeboten worden. Es ist nicht an ihnen, diese zu hinterfragen», sagt Esther Seira, Direktorin von Star Ambulance. «Selbst wenn wir diese Rechnung gern stornieren würden, dürfen wir dies nicht. Das liegt in der Verantwortung des kantonalen Gesundheitsamtes.»

Für Georges Vittoz, verantwortlich für medizinische Notfälle im Kanton, ist es ungewöhnlich, dass diejenige Person, die die Nummer 144 ruft, die Rechnung bezahlen muss. Darum wird er nun versuchen, doch noch ein Happy End für die Familie zu ermöglichen: «Das Amt für Gesundheitswesen wird die nötigen Schritte einleiten, um eine gütliche Lösung für die Abwicklung dieser Rechnung zu finden.»

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