Aktualisiert 25.10.2015 20:24

Porsche BoxsterBubi spiele, Bubi Freud

Mittelmotor, Heckantrieb, Handschaltung, 375 PS und 1315 Kilo Leergewicht machen den Porsche Boxster Spyder zum ultimativen Spielzeug für Erwachsene.

von
Nina Vetterli

Wer mit Kindern zu tun hat, kennt das vielleicht: Dieses heimliche Bedürfnis, Playmobil zu spielen. Ein Plastik-Pony über den Tisch trappeln zu lassen. Eine Lego-Stadt aufzubauen. Oder einer Barbie einen neuen, steilen Look zu verpassen. Und zwar dann, wenn die Kids weg sind – macht ja sonst keinen Spass. Wem das zu peinlich ist: Kein Problem, dafür gibt's ja jetzt den Porsche Boxster Spyder, das ultimative Spielzeug für Erwachsene.

Mittelmotor, Heckantrieb, Handschaltung, 20 Millimeter Tieferlegung, 3,8-Liter-Boxer aus dem 911 Carrera S, 375 PS, 420 Nm und aufgrund der spartanischen Ausstattung und knappen Stoffverdecks nur 1315 Kilo Leergewicht – besser kann man sich's im Süssigkeitsladen nicht aussuchen. Dahinter steckt zwar seriöse Ingenieurskunst und der Zweisitzer fährt sich durchaus erwachsen, aber es lässt sich nicht verhindern: Versunken in den kindersitzartigen Karbonschalen, mit den Händen am Mini-Lenker, dem Brumm-Brumm im Nacken und gelegentlichen Knallfrosch-Lauten bei geöffneten Auspuffklappen wird man einfach zum Kindskopf.

Das agile Fahrverhalten erinnert an einen Autoscooter (freilich ohne das Bedürfnis, die vom Cayman GT4 stammende Front zu beschädigen). Das manuelle Verdeck zu öffnen ist wie im Garten ein Indianerzelt aufzubauen (man muss hier ebenfalls Papi rufen, weil man's selber nicht hinkriegt). Die an klassische Spyder erinnernden Höcker hinter den Kopfstützen eignen sich bestens für Rollenspiele (im Angebot: James Dean). Dass keine Parkpiepser und Rückfahrkamera beim Rückwärtsfahren helfen regt indes die Fantasie an (man muss sich vorstellen, was hinter dem Auto sein könnte, sehen tut man's nicht).

Andere Autos sind wie Computerspiele: Man sitzt passiv da, lässt die Elektronik arbeiten. Im Spyder ist man gefordert – und wird dafür mit dem stärksten, leichtesten und spassigsten Boxster aller Zeiten belohnt. Der Preis dafür? Stolze 97'600 Franken. Aber jetzt bitte nicht gleich losflennen, wie alt sind Sie eigentlich?

Porsche Boxster Spyder

Modell: 2-türiger Roadster mit 2 Plätzen.

Motor: 3,8-Liter-6-Zylinder-Boxermotor mit 375 PS (276 kW).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 290 km/h.

Verbrauch: 9,9 L/100 km, 230 g CO2/km (offizielle Werksangabe).

Preis: Ab Fr. 97'600.

Marktstart: Ab sofort.

Infos: www.porsche.ch

Alltag

Das Verdeck ist umständlich, die Sicht nach hinten gleich null und man fährt nur zu zweit. Aber den Spyder wird sich ja wohl kaum einer als Erstwagen zulegen.

✭✩

Geld

Fast 100'000 Franken für einen so spartanischen Sportwagen scheinen übertrieben. Doch weniger ist mehr – nicht nur preislich sondern auch beim Fahrerlebnis.

✭✭✩

Sexappeal

Die bullige Front, die Höcker auf der Heckklappe und die nach hinten gespannten Finnen geben den Spyder auf Anhieb als Ausnahme-Boxster zu erkennen.

✭✭✭✭✭

Spass

Der Boxster, kein richtiger Porsche? Sagt nur, wer den Mittelmotorsportler nie gefahren ist, und mit dem Carrera-S-Triebwerk geht der Spass erst richtig los.

✭✭✭✭✭

Umwelt

Effizient ist der Motor alleweil, doch sparsam geht natürlich anders. Sportlich bewegt, gönnt sich der 3,8-Liter-Boxer weit über 10 Liter auf 100 Kilometer.

✭✭✩

Gesamt

Zurück zu den Wurzeln: Mit dem Boxster Spyder hat Porsche ein modernes Auto mit dem traditionellen Roadster-Konzept kombiniert – und das Ergebnis macht Laune.

✭✭✭✩

«Andere Autos sind wie Computerspiele: Man sitzt passiv da und lässt die Elektronik arbeiten. Im Spyder ist man gefordert – und wird mit purem Fahrspass belohnt.»

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