Industrie: Bucher findet langsam wieder Tritt
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IndustrieBucher findet langsam wieder Tritt

Bucher Industries, Hersteller von Landwirtschafts- und Kommunalfahrzeugen sowie Industriemaschinen, erholt sich langsam von der Wirtschaftskrise. Im ersten Halbjahr nahm der Gewinn um 3,6 Prozent auf 43,3 Mio. Fr. zu.

Der Maschinen- und Fahrzeugbauer Bucher Industries erholt sich langsam von der Wirtschaftskrise. Nach dem Einbruch im Vorjahr ist der Bestellungseingang im ersten Semester 2010 wieder angeschwollen und die Gewinne gestiegen. Fürs Gesamtjahr zeigt sich der Konzern vorsichtig.

In den ersten sechs Monaten habe sich die Nachfrage in den wichtigsten Märkten vom sehr tiefen Niveau des Vorjahres erholt, teilte der Hersteller von Landmaschinen, Strassenkehrfahrzeugen, Schneepflügen oder Weinproduktionsanlagen am Dienstag in einem Communiqué mit. Der Auftragseingang sei um fast ein Viertel auf 1,01 Mrd. Fr. geklettert.

Diese Verbesserung wirkt sich naturgemäss erst mit Verzögerung auf die Verkäufe aus, so dass der Umsatz nochmals um 11,7 Prozent auf 1,04 Mrd. Fr. sank. Dank der Sparmassnahmen, denen im Vorjahr rund 1400 Stellen zum Opfer fielen, legte der Betriebsgewinn (EBIT) aber wieder um gut ein Fünftel auf 71,2 Mio. Fr. zu.

Unter dem Strich vermochte Bucher Industries den Reingewinn lediglich um 3,6 Prozent auf 43,3 Mio. Fr. zu erhöhen. Schuld an der geringen Steigerung ist das Finanzergebnis, das wegen Währungsverlusten in die roten Zahlen rutschte.

Entspannung beim Personal

Dank der Erholung der Nachfrage konnte der Konzern die Kurzarbeit fast um 90 Prozent reduzieren. Derzeit seien noch 26 Angestellte in Kanada und Italien auf Kurzarbeit. Ein Jahr zuvor seien es noch etwa 220 Beschäftigte gewesen, die man dank der Kurzarbeit im Konzern habe halten können, sagte Bucher-Chef Philip Mosimann in einer Telefonkonferenz.

Mit Festanstellungen sei Bucher aber noch vorsichtig. Vorerst wolle man die gestiegenen Volumina mit Temporärkräften bewältigen, sagte Mosimann. Ende Juni zählte der Konzern 7687 Vollzeitstellen. Das sind 41 mehr als vor einem Jahr.

Die Schuldenkrise verschiedener europäischer Staaten und die angekündigten Sparmassnahmen der Regierungen bremse das Geschäft mit Kommunalfahrzeugen (Bucher Municipal) noch nicht, sagte Mosimann. Der harte und lange Winter habe das Geschäft mit Salzstreuern und Schneepflügen begünstigt. Während der Spartenumsatz leicht sank, kletterte der Betriebsgewinn um über 40 Prozent.

Bauern vorsichtig mit Investitionen

In der grössten Division, der Landwirtschaftsmaschinen-Sparte Kuhn Group, tauchte der Umsatz um 17,2 Prozent auf 497,2 Mio. Franken. In Europa sei die Kaufbereitschaft der Bauern von sinkenden Einnahmen und der Unsicherheit über staatliche Sparanstrengungen gebremst worden. Dagegen sei in Nordamerika der Tiefpunkt zu Beginn des Jahres durchschritten worden.

Die beiden grössten Sparten erzielten ebenso wie das Hydraulikgeschäft (Bucher Hydraulics) einen Betriebsgewinn. Demgegenüber fielen Emhart Glass und Bucher Specials in die roten Zahlen.

Das Ergebnis von Emhart Glass, die Maschinen zur Herstellung von Glasbehältern baut, wurde durch die Kosten für die Schliessung eines Werks in Italien und die Verlagerung der Produktion nach Malaysia belastet. Bucher Specials litt unter einem starken Rückgang bei den Fruchtsaftanlagen.

Für das Gesamtjahr hielt Mosimann an der bisherigen Prognose fest: Bucher Industries dürfte Umsatz und Gewinn in der Grössenordnung des Vorjahres erzielen, wenn die Wertminderungen von 86 Mio. Fr. für 2009 ausgeklammert würden.

Trotz positiver Kommentare der Analysten sank die Aktie an der leicht tieferen Schweizer Börse um 3,2 Prozent auf 131,60 Franken. (sda)

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