Kanton Luzern in der Kritik: Buchrain bedauert Aus für seine Asylunterkunft
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Kanton Luzern in der KritikBuchrain bedauert Aus für seine Asylunterkunft

Buchrain kritisiert den Kanton Luzern wegen der Schliessung des Asylzentrums. Damit gehe eine erfolgreiche Integrationsgeschichte zu Ende. Zudem verschleudere man Geld.

von
Sandro Bucher
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Die vorzeitige Schliessung eines Asylzentrums in Buchrain sorgt in der Gemeinde für Unmut.

Die vorzeitige Schliessung eines Asylzentrums in Buchrain sorgt in der Gemeinde für Unmut.

Keystone/Anthony Anex
«Der Kanton soll künftig nicht nur auf den wirtschaftlichen, sondern erst auf den menschlichen Aspekt schauen», sagt  Sandra Gerber, Sozialvorsteherin von Buchrain.

«Der Kanton soll künftig nicht nur auf den wirtschaftlichen, sondern erst auf den menschlichen Aspekt schauen», sagt Sandra Gerber, Sozialvorsteherin von Buchrain.

zVg

Der Luzerner Regierungsrat hat Anfang dieses Jahres wegen anhaltendem Unterbringungsnotstand in seinen Zentren entschieden, den Gemeinden fixe Zahlen an Asylsuchenden zuzuweisen. Nun werde dieses Regime per Ende Jahr aufgehoben, teilte das Gesundheits- und Sozialdepartement am Mittwoch mit. Der Kanton behalte sich aber vor, es bei einem markanten Anstieg der Asylgesuche erneut auszulösen.

Das sorgt in Buchrain für rote Köpfe. Dies, weil die Gemeinde Anfang Jahr eine Zivilschutzanlage an der Moosgasse als Asylunterkunft zur Verfügung gestellt hat, die nun wieder geschlossen werden muss. Der Kanton begründet die Schliessung mit weniger neuen Asylsuchenden und wirtschaftlichen Aspekten. «Es ist in Zeiten von finanziellen Engpässen mehr als verwunderlich, dass neue Projekte eröffnet und bestehende aufgegeben werden. Als würde Geld keine Rolle spielen», sagt Sandra Gerber, Gemeinderätin und Sozialvorsteherin von Buchrain. «Wir bedauern die vorzeitige Schliessung der Asylunterkunft und sind skeptisch gegenüber der neuen Strategie des Kantons.» Der Kanton investierte rund 100'000 Franken in den Umbau der Zivilschutzanlage, die nun nach knapp neun Monaten wieder geschlossen wird.

«Der Kanton liess nicht mit sich diskutieren»

Ebenso bedenklich findet Gerber, dass über den Entscheid des Kantons nicht verhandelt werden konnte. «Wir haben erst zwei Wochen vor der offiziellen Mitteilung der Schliessung einen Anruf bekommen und dann hiess es, dass es jetzt einfach so sei. Wenn wenigstens eine Diskussion möglich gewesen wäre, wäre der Unmut nicht so gross.»

Gerber fordert, dass der Kanton künftig nicht nur auf den wirtschaftlichen, sondern erst auf den menschlichen Aspekt schaue. «Bei uns gab es nie Zwischenfälle, die Asylunterkunft war vor der Bevölkerung akzeptiert. Generell eignen sich Zentren für Asylsuchende viel besser als einzelne Wohnungen, da die Betreuung grösser ist und sie sich so besser integrieren können.» Die Mitteilung schliesst mit den Worten: «Eine erfolgreiche Integrationsgeschichte im Asylbereich ist zu Ende gegangen.»

«Kurzfristige Entscheide lassen sich nicht vermeiden»

Simon Gerber, Leiter der Administration und Koordination des Asyl- und Flüchtlingswesens im Kanton, nimmt Gerbers Kritik zur Kenntnis. Die einzelnen Punkte würden nun intern überprüft: «Der Betrieb der besagten Asylunterkunft in Buchrain war allerdings von Anfang an nur eine temporäre Lösung zur Bewältigung der akuten Unterbringungssituation», sagt er. «Ebenso handelte sich hierbei um eine unterirdische Unterkunft. Da weitere oberirdische Objekte eröffnet werden konnten, die schon länger geplant waren, wird die Nutzung der Unterkunft in Buchrain hinfällig.» Zudem seien oberirdische Projekte flexibler, da in ihnen auch Familien und Kinder untergebracht werden, die nicht unterirdisch einquartiert werden sollten.

Dass die Gemeinden nur kurzfristig über solche Entscheide informiert werden, sei nicht anders möglich: «Die Entwicklungen im Asylwesen verändern sich schnell», sagt Simon Gerber. «Die kurzfristige Öffnung und Schliessung von Anlagen lässt sich daher nicht vermeiden.»

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