Thurgau: Bücher angezündet und ins Weihwasser gepinkelt
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ThurgauBücher angezündet und ins Weihwasser gepinkelt

Vandalismus in Thurgauer Kirchen: Von Zigaretten, Bierdosen und Präservativen in der Kirche Stettfurt bis zu geraubten Rosenkränzen und Urin im Weihwasser in Kreuzlingen.

von
jeh
Der Dorfkern in Stettfurt mit der betroffenen Kirche.

Der Dorfkern in Stettfurt mit der betroffenen Kirche.

In Zukunft wird die evangelische Kirche in Stettfurt nachts geschlossen, da sie wiederholt verwüstet worden ist. Besonders schlimm war es am Karfreitag: Als Patrizia Hug, Messmerin von Stettfurt, in die Kirche kam, traf sie schier der Schlag. Auf dem Boden fanden sich nebst Zigarettenstummel, Bierdosen und einer leeren Wodkaflasche auch Präservative. Zudem waren die Sitzkissen herausgerissen und die Bänke voller Guetzlikrümel.

Gefahr eines Feuers

Wie Bruno Winkler, Kirchenpräsident von Stettfurt gegenüber der «Thurgauer Zeitung» sagt, verstehe er durchaus, dass man sich in der Kirche trifft, wenn es draussen kalt ist. Aber alles hat seine Grenzen. Die Kirchenbehörde hat die Situation fast ein Jahr lang beobachtet. Fazit: Etwa zehnmal fand sie Spuren, die auf Saufgelage hindeuteten. Einmal seien Gesangbücher auf dem Vorplatz angezündet worden, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt.

«Wir haben auch abgebrannte Kerzen gefunden», sagt Winkler. Die Angst, dass aus Versehen ein Feuer in der Kirche entfacht wird, ist gross. Allein die Orgel ist laut Winkler 300'000 Franken wert. «Wenn Alkohol im Spiel ist, wird es gefährlich», so Winkler.

Für Winkler sei es aber keine Option die Kirche ganz zu schliessen. Die Kirchenvorsteherschaft will jetzt einen Mechanismus einbauen lassen, der die Tür abends automatisch schliesst.

Auch andere Kirchen betroffen

Nicht nur die Kirche in Stettfurt wurde Opfer von Vandalen, sondern auch in Kreuzlingen kam es schon zu Zwischenfällen. So sind laut Benno Müller, Präsident der Messmervereinigung Thurgau, vor einer Woche fast alle Rosenkränze von den Gräbern in Kreuzlingen gestohlen worden. Zuvor hatte Müller zwei Männer überrascht, die den Opferstock aufbrechen wollten und mehrmals habe jemand ins Weihwasser uriniert.

Auch Weinfelden klagt über ähnliche Probleme: «Die Kirche wird nicht mehr als sakraler Raum wahrgenommen», so Helmut Wiegisser, evangelischer Kirchenpräsident von Weinfelden. Seitdem man aber Securitas- Mitarbeiter patrouillieren lässt, habe sich die Lage laut Wiegisser verbessert.

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