PRS-600: Bücher laden

Aktualisiert

PRS-600Bücher laden

Sony bringt hierzulande seinen zweiten eBook-Reader auf den Markt. Der Vorgänger hatte mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Ob sie kuriert wurden, zeigt der Kurztest von 20 Minuten Online.

von
Henning Steier

Wie 20 Minuten Online kürzlich berichtete, will Sony in den USA Amazons Lesegerät Kindle mit seinem neuen Gerät namens «Daily Edition» angreifen, das mit einem UMTS-Modul ausgestattet ist. Auf dem Gerät wird eine Applikation installiert sein, mit deren Hilfe ein Nutzer eine öffentliche Bibliothek in der Nähe seines aktuellen Standortes finden kann. Unterstützt die Bibliothek elektronisches Ausleihen, kann er auf deren eBook-Bestände zugreifen und gratis einen Text auf sein Gerät laden. Das digitale Buch wird nach drei Wochen auf dem Reader gelöscht. Noch vor Weihnachten soll «Daily Edition» für umgerechnet etwa 413 Franken in nordamerikanischen Geschäften erhältlich sein. Einen Marktstart für die Schweiz nannte Sony bislang nicht.

Hierzulande ist aber mit dem PRS-600 nun die aufgebohrte Version des seit Frühjahr erhältlichen PRS-505 in die Läden gekommen. Sie kostet rund 450 Franken. Angeboten wird der neue Reader auch unter dem Namen Touch Edition, wodurch sein wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zum Vorgänger bereits benannt ist: Sonys Gerät kommt nun mit Touchscreen zum Kunden. Diesen im Test des PRS-505 von 20 Minuten Online aufgezeigten Mangel hat der Hersteller damit also behoben. Und der berührungsempfindliche Bildschirm reagierte im aktuellen Test präzise bei Benutzung der Finger. Sony liefert aber auch einen Stift mit, der sich zum Beispiel anbietet, wenn man schmutzige Finger hat. Denn das 6-Zoll-Display verschmutzt leicht und lässt sich nur schwer reinigen.

Netzteil wird vermisst

Im Lieferumfang fehlt uns aber nach wie vor ein Netzteil zum Aufladen des Readers. Das funktioniert zwar auch über das in der Box liegende USB-Kabel. Allerdings braucht man dazu einen Rechner. Und die Ladezeit ist über USB etwa doppelt so lang. Die von Sony genannten zwei (Netzteil) beziehungsweise vier Stunden (USB) waren bei drei Ladevorgängen allerdings nicht zu schaffen. Es ergaben sich Ladezeiten, die jeweils rund 25 Minuten darüber lagen. Sony gibt überdies an, dass eine Akkuladung für bis zu 7500 Seiten reichen soll. Wir kamen immerhin auf 7000. Verglichen mit dem Vorgänger hat sich im Design kaum etwas geändert. Naturgemäss hat der PRS-600 nun wegen des Touchscreens weniger Tasten, ist aber mit knapp 290 Gramm nach wie vor zu schwer. Der interne Speicher wurde immerhin auf 512 Megabyte erweitert. Wer mehr braucht, muss sich Karten kaufen.

Wer mag, kann nun Notizen in seine eBooks einfügen. Wir mussten im Test aber kurz überlegen, wie das wohl funktioniert. Denn Sony setzt nicht nur hierbei auf eine Kombination von Touchscreen und Tasten bei der Bedienung: Optionen lassen sich über die gleichnamige Taste aufrufen, die Anmerkungen dann aber nur über den Touchscreen erstellen und editieren. Trotz langsam geschriebener Druckbuchstaben hatte der Reader leider zu oft Probleme bei der Erkennung unserer Notizen. Nachteil des Touchscreens ist ein schlechterer Kontrast, so dass nun die Bedingungen bestens sein müssen, damit man seine Bücher gut am Bildschirm lesen kann. Auch die Anzeige von Bildern enttäuscht folglich. Dafür funktionierte das neu eingebaute Wörterbuch tadellos: Wer auf ein englisches Wort tippt, erhält eine Definition in dieser Sprache. Hier wäre eine Übersetzung allerdings erfreulicher gewesen.

Fazit

Sonys Nachfolger des PRS-505 hat bei der Performance zugelegt; so werden beispielsweise die Seiten nun viel schneller umgeblättert. Andere Mängel hat der japanische Hersteller allerdings nicht zufriedenstellend beseitigt: Was nützt ein Touchscreen, wenn er so viel schlechtere Bildqualität liefert? Auch die Notizfunktion ist praktisch, in der Ausführung allerdings noch mangelhaft. Am leichtesten wäre allerdings der Mangel des fehlenden Netzteils zu beheben gewesen. Zwar ist das Laden neuer Bücher über die mitgelieferte, leicht zu installierende Software sehr einfach. Doch Komfort-Fans warten wohl lieber auf den eingangs erwähnten Reader mit UMTS-Modul, der drahtloses Besorgen der Lieblingsschmöker möglich macht.

Deine Meinung