Schneemangel: Bündner Bergbahnen wollen Kurzarbeit
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SchneemangelBündner Bergbahnen wollen Kurzarbeit

Der fehlende Schnee wird ein Fall für die Arbeitslosenversicherung. In Graubünden hat ein Dutzend Unternehmen Kurzarbeit angemeldet.

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lin/sda

Weil der grosse Schnee bisher ausgeblieben ist, haben bislang 12 Unternehmen, die meisten davon Bergbahnen, gegenüber dem Bündner Amt für Arbeit, Industrie und Arbeit (Kiga) in Chur Ausfälle infolge «wetterbedingter Kundenausfällen» geltend gemacht, wie der stellvertretende Leiter, Jörg Guyan, sagt. Und Guyan rechnet angesichts fehlender Niederschläge mit weiteren Gesuchen. In den Kantonen Wallis und Bern sind von Seiten der Bergbahnen bisher keine solche Gesuche eingegangen, wie diese auf Anfrage mitteilen.

Klassische Betriebe im Tourismus wie Bergbahnen oder -restaurants können Kurzarbeit aus Schneemangel der Arbeitslosenversicherung melden. Es handelt sich um das gleiche Prinzip wie bei der Schlechtwetterentschädigung in der Baubranche. Betroffene Betriebe melden Arbeitsausfälle der Arbeitslosenversicherung, welche die Löhne der Angestellten zu 80 Prozent zahlt.

Mehrere Bedingungen müssen erfüllt sein

Allerdings ist eine Auszahlung dieser speziellen Form von Kurzarbeitsentschädigung gleich an mehrere Bedingungen geknüpft. Ein Arbeitsausfall ist nur dann anrechenbar, wenn er auf einen ungewöhnlichen Wetterverlauf zurückzuführen ist, der den Betrieb stilllegt oder erheblich einschränkt.

Erheblich eingeschränkt ist ein Betrieb nach Auffassung des Gesetzgebers, wenn der Umsatz der betreffenden Abrechnungsperiode, beispielsweise im Dezember, 25 Prozent des Umsatzes der fünf vorangegangen Jahre nicht übersteigt. Entschädigt wird nicht die Umsatzeinbusse, sondern der zeitliche Arbeitsausfall. Die rechtliche Grundlage bildet die vom Bundesrat auf Anfang 1992 in Kraft gesetzte Verordnung für eine «Schneemangelentschädigung».

Laax verkraftet 12'000 Leute

Praktisch Vollbeschäftigung herrscht bei der grössten Bündner Bergbahn, der Weissen Arena in Laax, mit ihren rund 1000 Angestellten. Laut Bergbahn-Chef Reto Gurtner sind fast alle Transportanlagen in Betrieb. Doch eingeschränkt wegen des fehlenden Schnees ist das Pistenangebot.

Immerhin erlaubten es die Wetterbedingungen Ende November, die Schneeanlagen eine gewisse Zeit auf vollen Touren laufen zu lassen, so dass die Talabfahrt nach Flims hergerichtet werden konnte. «Wir können aktuell bis zu 12'000 Personen ins Gebiet lassen», sagt Gurtner. Unter normalen winterlichen Bedingungen verkraftet das Gebiet bis 20'000 Wintersportler.

Über fehlenden Andrang während der Festtage dürfte sich der Branchenprimus nicht beklagen, zumal kleinere Bahnen in Nordbünden wie auch im Engadin überhaupt keinen Schnee haben. Gurtner plant deshalb, die Transportanlage am Morgen früher fahren zu lassen und eine Halbtageskarte einzuführen. Diese Karte könnte am späteren Vormittag gegen Erstattung eines Teils des Kaufpreises zurückgegeben werden.

Trottinett statt Ski

Weil Skifahren oder Snowboarden vielerorts nur eingeschränkt möglich ist, bieten einige Gebiete Sommeraktivitäten an. Im Unterengadin stehen etwa geführte Wanderungen oder Trottinettfahren auf dem Programm. Aufgrund des Schneemangels werden auch am Niederhorn im Berner Oberland die Trottistrecken wieder geöffnet. Ebenso am Hasliberg, wo ab dem 25. Dezember zudem der Zwergenweg offen ist.

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