Machtübernahme der Taliban - Bündner Fotograf flieht in letzter Sekunde aus Afghanistan
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Machtübernahme der TalibanBündner Fotograf flieht in letzter Sekunde aus Afghanistan

Der Engadiner Hobbyfotograf Dominik Täuber bereiste Afghanistan – wenige Tage bevor das neue Regime an die Macht kam. Er berichtet, wie die Situation vor Ort war.

von
Christina Pirskanen
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Rund eine Woche lang reiste der Bündner Dominik Täuber durch Afghanistan. Kurz nach seiner Ankunft habe sich die Situation in der Hauptstadt zugespitzt.

Rund eine Woche lang reiste der Bündner Dominik Täuber durch Afghanistan. Kurz nach seiner Ankunft habe sich die Situation in der Hauptstadt zugespitzt.

Dominik Täuber
Die Erinnerungen der letzten Herrschaft der Taliban seien bei der Bevölkerung noch sehr präsent – sie fürchteten sich und wüssten nicht, was sie machen sollen. 

Die Erinnerungen der letzten Herrschaft der Taliban seien bei der Bevölkerung noch sehr präsent – sie fürchteten sich und wüssten nicht, was sie machen sollen.

Dominik Täuber
Junge Menschen seien durch die Strassen Kabuls gezogen und haben gegen die Taliban demonstriert. Diese Wand ziere laut Täubers Guide der Schriftzug «Die Frauen sind die Ehre von Afghanistan».

Junge Menschen seien durch die Strassen Kabuls gezogen und haben gegen die Taliban demonstriert. Diese Wand ziere laut Täubers Guide der Schriftzug «Die Frauen sind die Ehre von Afghanistan».

Dominik Täuber

Darum gehts

  • Dominik Täuber aus Scuol GR war kurz vor der Machtübernahme der Taliban noch in Afghanistan.

  • In Kabul sei es ganz in seiner Nähe zu Explosionen und Schüssen gekommen.

  • Der Bündner war mit drei einheimischen Guides unterwegs.

  • Er konnte Afghanistan sicher verlassen.

Nur fünf Tage vor der Machtübernahme der Taliban befand sich Dominik Täuber (37) aus Scuol GR noch in Afghanistan. Rund eine Woche reiste der deutschstämmige Hobby-Fotograf mit drei einheimischen Guides durchs Land. Doch schon während seines Aufenthalts spitzte sich die Lage in der Hauptstadt Kabul zu.

Herr Täuber, Sie waren bis am 11. August noch in Afghanistan. Konnte man schon ahnen, was in den nächsten Tagen passieren würde?

Dominik Täuber: Es war eine zunehmend angespannte Atmosphäre. Der Flugverkehr hatte extrem zugenommen die Menschen versuchten, zu flüchten. In Kabul kamen immer mehr Flüchtlinge aus den umkämpften Regionen an. Die Bevölkerung fürchtete sich. Die Erfahrung der ersten Herrschaft der Taliban sitzt den Menschen in Afghanistan immer noch tief in den Knochen.

Bei meiner Ankunft in Kabul sagten mir einige Leute, dass die Taliban schon längst hier seien. Es wurden Flyer verteilt, auf denen sich die Taliban als neue Regierung vorstellte. Anfangs konnte ich noch normal durch Kabul laufen, gegen Ende meines Aufenthalts dort hatte sich die Situation schon so verschärft, dass ich nur noch mit einem Halstuch verschleiert unterwegs war.

Sie waren insgesamt eine Woche lang in Kabul. Kam es zu Zwischenfällen?

Es gab schon furchteinflössende Situationen, ich hörte regelmässig Schüsse. Kurz nachdem ich in Kabul ankam, gab es unweit meiner Unterkunft einen Bombenanschlag auf den Verteidigungsminister. Etwa eine halbe Stunde lang fielen Schüsse. Ich wusste nicht, wie laut so eine Autobombe ist, das hat mich schon psychisch angeschlagen.

Am selben Abend marschierten junge Menschen durch die Strassen und demonstrierten gegen die Taliban. Sie hatten den Ruf der Terrorgruppe für sich reklamiert und schrien «Allahu Akbar» im Protest. Es war ein absolutes Gänsehauterlebnis, das so nah mitzubekommen und zu spüren, dass die Mehrheit der Leute mit den Taliban nicht einverstanden sind. Das sind vor allem junge Studenten und Familien, die wollen nicht mit Waffen gegen die Taliban vorgehen.

Hatten Sie keine Angst, zu so einer Zeit in Afghanistan zu sein?

Doch, natürlich hatte ich Angst. Drei Tage vor meiner Heimreise war ich sehr nervös und habe das auch mit meinen Eltern offen besprochen. Ich war mir von Anfang an dem Risiko bewusst aber wir dachten, es würde noch drei Monate gehen, bis die Taliban an der Macht sind.

Von meinen Guides habe ich bei der Ankunft ein Sicherheitsbriefing erhalten. Für den Worst Case haben die Guides Handfeuerwaffen dabei. Sie selbst gingen ein grosses Risiko ein, mich in Afghanistan herumzuführen: Ich bin Europäer und Nicht-Muslim, es hätte sehr gefährlich werden können, wären sie von Talibans mit mir gesehen worden.

Wie konnten Sie aus Afghanistan ausreisen?

Ich hatte extrem Glück mit dem Rückflug. Als ich für die Rückreise den Corona-PCR Test machte, sagte mir der Arzt in der Klinik: Sie haben es geschafft. Das war schon sehr traurig, weil ich wusste, dass viele es nicht aus dem Land schaffen würden.

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