Aktualisiert 15.12.2010 15:22

Domat/EmsBündner Grosssägerei geht in Konkurs

Die grösste Sägerei der Schweiz in Domat/Ems im Bündner Rheintal geht nach dreieinhalb Jahren Betrieb in Konkurs. Die Schuld liegt für die österreichischen Besitzer beim Kantonsparlament.

Wie befürchtet geht die Sägerei in Domat/Ems konkurs.

Wie befürchtet geht die Sägerei in Domat/Ems konkurs.

Die österreichischen Besitzer Mayr-Melnhof haben am Mittwoch die Bilanz des Sägewerks deponiert, wie sie in Chur bekannt gaben. Durch die Schliessung des Betriebs verlieren rund 130 Beschäftigte ihren Job. Obwohl die meisten noch bis Ende Woche Kurzarbeit leisten, bekommen sie keinen Lohn ausbezahlt. Die Gelder sind durch den Insolvenzantrag eingefroren.

«Wir haben eine Lösung gehabt», betonte Mayr-Melnhof-Chef Josef Dringel. Der negative Entscheid des Grossen Rates des Kantons Graubünden habe sie aber scheitern lassen.

Das Parlament hatte letzte Woche einen Beitrag von 6,75 Millionen zum Bau eines Pelletswerks mit zwei Stimmen Differenz abgelehnt. Die Pelletsproduktion wäre zentral für die Neuausrichtung der Sägerei gewesen. Der negative Parlamentsentscheid machte eine Vereinbarung der Regierung mit Mayr-Melnhof über das gesamte Rettungspaket des Kantons in Höhe von 40 Millionen Franken nichtig.

Keine neuen Investoren gefunden

Es sei innerhalb der kurzen Frist nicht möglich gewesen, einen neuen Partner zu gewinnen, sagte Unternehmenschef Dringel. Mayr- Melnhof habe mit mehreren Parteien Gespräche geführt, zu ernsthaften Verhandlungen sei es aber nicht gekommen.

Wie es nun weitergeht, ist völlig offen und hängt vom Entscheid des Konkursrichters ab. Der Kanton habe finanziell keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen, sagte der Bündner Volkswirtschaftdirektor Hansjörg Trachsel zur Nachrichtenagentur SDA. Dass ein Bündner Unternehmen die Sägerei übernimmt, glaubt Trachsel nicht.

Wenig Verständnis für den Konkursgang zeigt der Sektionssekretär der Gewerkschaft Unia Graubünden, Vitus Locher: «Der Gesamtkonzern macht 230 Millionen Euro Reingewinn und stellt Büezer vor Weihnachten auf die Strasse.» Die Unia spricht in einem Communiqué von einer «riesengrossen Schweinerei».

Bündner Waldwirtschaft ist Verliererin

Der Verband der Bündner Wald- und Holzwirtschaft, Graubünden Holz, befürchtet nun nicht nur den Verlust der Arbeitsplätze, sondern auch negative Auswirkungen auf die gesamte Bündner Holzwirtschaft. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit müssen wir mit einem Markteinbruch beim Rundholz und mit grossen Preissenkungen rechnen», sagte Verbandspräsident Markus Fischer der Nachrichtenagentur SDA.

Es sei ein schwarzer Tag für die Bünder Waldwirtschaft, hielt die BDP Graubünden fest. Verlierer seien neben den Angestellten die Gemeinden. Wegen des erwarteten Preiszerfalls werde der Aufwand für die Waldpflege jährlich um mehrere Millionen Franken ansteigen. Die CVP Graubünden fordert die Regierung auf, mit vollem Engagement für ein Fortbestehen der Grosssägerei zu kämpfen. (sda)

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