Bündner verprügelt Behinderten: Vier Jahre Haft
Aktualisiert

Bündner verprügelt Behinderten: Vier Jahre Haft

Ein junger Bündner, der vor drei Jahren in Chur einen Behinderten auf brutalste Weise zusammengeschlagen hat, muss definitiv für vier Jahre ins Zuchthaus.

Der junge Mann war am 4. Dezember 2003 um 2.00 Uhr morgens beim Alexanderplatz in Chur auf den 48-jährigen, geistig schwer behinderten Mann getroffen. Das spätere Opfer nannte wiederholt den Namen eines Heims. Der alkoholisierte Täter hielt dies für ein Ausländerheim und das spätere Opfer für einen Ausländer.

Gegen Kopf getreten

Der heute 22-jährige Mann schlug den Behinderten in einem Hauseingang zunächst mit der Faust gegen den Kopf. Danach stiess er den Kopf des Opfers gegen eine Betonwand. Schliesslich trat er mit dem Fuss mehrere Male heftig gegen das Gesicht des Wehrlosen.

Er entfernte sich kurz, fürchtete dann aber, von seinem Opfer später erkannt zu werden und kehrte zurück. Er stampfte mit dem Fuss mehrmals auf den Kopf des Mannes, um sein «Gedächtnis zu löschen» und ergriff schliesslich die Flucht.

Weil er befürchtete, das Opfer könnte sterben, benachrichtigte er über seine nicht registrierte Handy-Nummer die Sanität. Der behinderte Mann erlitt schwere Schädelverletzungen.

«Unfreundlich behandelt»

Das Bündner Kantonsgericht verurteilte den Täter im vergangenen Januar wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie schwerer Körperverletzung zu vier Jahren Zuchthaus. Das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun bestätigt und die Beschwerden des Verurteilten abgewiesen.

Der junge Mann hatte unter anderem beanstandet, dass er vor dem Kantonsgericht nicht begrüsst und mit mangelnder Freundlichkeit behandelt worden sei. Darin ist laut Bundesgericht jedoch weder eine Verletzung der Menschwürde noch der Unschuldsvermutung zu erblicken.

Tod in Kauf genommen

Weiter bestätigten die Lausanner Richter die Auffassung des Kantonsgerichts, dass er den Tod des Opfers zumindest in Kauf genommen habe. Er habe ernsthaft damit rechnen müssen, dass die Tritte gegen den Kopf des Opfers zu seinem Tod hätten führen können, auch wenn dies nicht sein eigentliches Ziel gewesen sei.

Schliesslich ist gemäss Bundesgericht die Strafe nicht übertrieben streng ausgefallen. Die Alkoholisierung des Täters, sein jugendliches Alter sowie die gezeigte Reue und Einsicht seien ausreichend berücksichtigt worden, ebenso wie die Tatsache, dass er selber die Ambulanz gerufen habe.

(sda)

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