Aktualisiert 09.05.2018 19:31

Adam QuadroniBündner Whistleblower reicht Strafanzeigen ein

Adam Quadroni soll von der Kapo Graubünden misshandelt worden sein. Jetzt reicht er gegen die Behörde Strafanzeige ein. Unter anderem.

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Natanael Wildermuth (rechts) will Whistleblower Adam Quadroni mittels Crowdfunding unterstützen. «Quadroni hat alles verloren, ausser seiner Ehrlichkeit und seiner Aufrichtigkeit», sagt Wildermuth.

Natanael Wildermuth (rechts) will Whistleblower Adam Quadroni mittels Crowdfunding unterstützen. «Quadroni hat alles verloren, ausser seiner Ehrlichkeit und seiner Aufrichtigkeit», sagt Wildermuth.

Natanael Wildermuth
Quadroni deckte ein Baukartell im Unterengadin auf. Er sass bei den Preisabsprachen am Tisch und entschied sich 2006, auszusteigen. Aufgrund seiner Informationen büsste die Wettbewerbskommission sieben Firmen jüngst mit insgesamt 7,5 Millionen Franken.

Quadroni deckte ein Baukartell im Unterengadin auf. Er sass bei den Preisabsprachen am Tisch und entschied sich 2006, auszusteigen. Aufgrund seiner Informationen büsste die Wettbewerbskommission sieben Firmen jüngst mit insgesamt 7,5 Millionen Franken.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Den Preis, den er dafür bezahlte, war hoch: Er erhielt keine Aufträge mehr und ging in Konkurs. Dazu kam Streit um das Besuchsrecht für seine Töchter, nachdem seine Frau ausgezogen war.

Den Preis, den er dafür bezahlte, war hoch: Er erhielt keine Aufträge mehr und ging in Konkurs. Dazu kam Streit um das Besuchsrecht für seine Töchter, nachdem seine Frau ausgezogen war.

Keystone/Gaetan Bally

Der Bündner Whistleblower Adam Quadroni hat am Mittwoch Strafanzeige gegen die Kantonspolizei Graubünden eingereicht. In der Anzeige, die der «Rundschau» vorliegt, fordert er, dass ein Polizeieinsatz gegen ihn im Juni 2017 von einer ausserkantonalen Staatsanwaltschaft untersucht wird. Zusätzlich reichte der ehemalige Bauunternehmer Strafanzeige gegen den früheren Gemeindepräsidenten von Scuol, Jon Domenic Parolini, ein. Ihm wirft Quadroni vor, ehrverletzende Äusserungen gemacht und eine Amtsgeheimnisverletzung begangen zu haben.

Bei der Anzeige gegen die Verantwortlichen der Kapo Graubünden geht es konkret um eine Intervention der Polizei am 15. Juni vergangenen Jahres. An jenem Tag nahm eine Sondereinheit Quadroni mit Nebelpetarden- und Gummischroteinsatz im stehenden Auto fest. Wegen Aussagen seiner Ex-Frau, die sich mit ihm zerstritten hatte und die Gefahr geltend machte, er könnte sich und andere töten, waren vermummte Polizisten eingeschritten.

Vier Tage in der Psychiatrie eingeliefert

«Sie haben mich geschlagen und mich an Haaren und Kleider aus dem Auto gerissen», erzählt der Bündner im Interview mit der «Rundschau». Die Festnahme endete nach Quadronis Angaben mit blutigen Lippen, Schürfungen und Blutergüssen.

Die Beamten brachten ihn zunächst nach Scuol, wo er nackt von einem Amtsarzt untersucht wurde. Gefesselt und mit verbundenen Augen wurde er dann in die psychiatrische Klinik nach Chur gefahren. Vier Tage später entliessen ihn die Ärzte, weil sie ihn als nicht gefährlich einstuften.

Dr. Markus Mohler, Polizeirecht-Experte und ehemaliger Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt hält einen solches Vorgehen — sechs Tage nach einem Ehestreit – für übertrieben.

Man hätte Quadroni einfach anhalten und ihm erklären können, dass man genauer überprüfen müsse, was los ist aufgrund dieser Gefährdungsmeldung», ist Mohler der Meinung.

«Probleme mit dieser Person»

Die zweite Strafanzeige, jene gegen Jon Domenic Parolini, betrifft eine Aussage, die der BDP-Regierungsrat vergangenen Sonntag in einem Interview in der RTR-Sendung Cuntrasts machte. Darin äusserte sich Parolini über Quadroni und meinte, es habe noch andere «Probleme und Gespräche mit der Person» und auch grosse Diskussionen über die Glaubwürdigkeit Quadronis gegeben.

Adam Quadroni liess das Unterengadiner Baukartell, das sich über Jahre Aufträge in Millionenhöhe zu überhöhten Preisen zugeschanzt hatte, auffliegen. Er selbst hatte sich einst an den illegalen Absprachen beteiligt. Doch 2012, einige Jahre nach seinem Ausstieg, brachte er die Untersuchung der Wettbewerbskommission Weko ins Rollen. Seither hat er alles verloren.

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.55 Uhr.

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