Aktualisiert 13.01.2014 13:33

Krieg in MexikoBürger erobern Drogen-Hochburg

Im mexikanischen Drogenkrieg nehmen vermehrt bewaffnete Bürger das Recht in die Hand: Nun haben sie eine Kleinstadt erobert - doch die Einwohner sind mehr als skeptisch.

Bürgerwehren haben im mexikanischen Bundesstaat Michoacán die Hochburg eines Drogenkartells eingenommen. Hunderte bewaffnete Zivilisten lieferten sich in der Stadt Nueva Italia Feuergefechte mit Mitgliedern des Tempelritter-Kartells.

Es gelang den schwer bewaffneten Milizen, das Rathaus zu erreichen und den zentralen Platz unter ihre Kontrolle zu bringen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Die Auseinandersetzung am Sonntag habe etwa eineinhalb Stunden gedauert, sagte der Anführer einer der Bürgerwehren der Nachrichtenagentur AFP. Zwei zivile Kämpfer seien verletzt worden.

In der Nähe der Stadt wurden später zwei Leichen entdeckt, die an einer Brücke hingen. Zunächst war nicht klar, ob dieses Verbrechen, das die Handschrift der Drogenkartelle trägt, mit dem Kämpfen in Nueva Italia zusammenhängt. Die Bürgermilizen rückten unterdessen auf Apatzingán vor, um die Tempelritter auch aus dieser strategisch wichtigen Stadt zu vertreiben.

Bevölkerung wehrt sich

Die Einwohner von Nueva Italia begrüssten laut einem AP-Korrespondenten ihre «Befreier» zunächst. «Vivan los autodefensas», riefen die Leute – «die Bürgerwehr lebe hoch!» Doch als die Feuergefechte die Stadt zu einem Schlachtfeld machten, verflog die Begeisterung rasch. Im nahen Paracuaro zündeten Bewohner aus Protest mehrere Autos und Busse der Milizen an, die zur «Befreiung» in den Ort gekommen waren. Denn hartnäckig halten sich Gerüchte, die Milizen seien vom rivalisierenden Kartell der Neuen Generation unterwandert, die mit den Tempelrittern im Krieg um Territorien liegen.

Armee im Drogenkrieg

Die mexikanische Bundesregierung hatte im Mai tausende Soldaten und Polizisten nach Michoacán entsandt, um gegen die rivalisierenden Drogenbanden vorzugehen. Die Eskalation der Gewalt führte in mehreren Städten zur Bildung bewaffneter Bürgerwehren, die auf eigene Faust für Ruhe und Ordnung sorgen wollen.

In den vergangenen Wochen eroberten sie die Kontrolle über mehrere Gemeinden. In Mexiko wurden in den vergangenen Jahren im Drogenkrieg landesweit mehr als 77'000 Menschen getötet. (sda)

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