Aktualisiert 07.05.2019 15:06

Gehässige Kommentare

Bürger werfen Operation Libero Arroganz vor

Die Bewegung Operation Libero sei arrogant und besserwisserisch, lautet die Kritik. Sie müsse ihren Stil anpassen, sagt ein Politologe.

von
B. Zanni

Im Nu stieg die Operation Libero von einer kleinen Studentengruppe zur einflussreichen Bewegung auf. Aus ihren Kämpfen in den härtesten Abstimmungsschlachten wie der Durchsetzungsinitiative, No Billag oder der Selbstbestimmungsinitiative ging sie als Siegerin hervor. Schnell wurden die Aushängeschilder Flavia Kleiner und Laura Zimmermann zu Shootingstars der Politszene. Die Operation Libero eroberte die Herzen vieler Studenten, Schreiner, Rentner, Unternehmer und Medien.

Inzwischen jedoch weht ihr ein rauer Wind entgegen. Bürger und politische Konkurrenten stören sich an ihren Kampagnen. Jüngstes Beispiel ist die Kampagne für die Verschärfung des Waffenrechts unter dem Motto «I ♥ Schengen – Ja zum Waffenrecht».

Kritik an «wohlstandsverwöhnten Leuten»

Gerichtet an die Gegner sagt Co-Präsidentin Laura Zimmermann in einem Video: «Wer sich in eine solche Lage bringt, dem ist einfach wirklich nicht mehr zu helfen. Ich habe einfach das Gefühl, dass die Leute so wohlstandsverwöhnt sind, dass sie gar nicht mehr checken, was abgeht.» Sie spricht von einem «toxischen Mix aus Ignoranz und Sorglosigkeit: «Man geht einfach selbstverständlich davon aus, dass es schon irgendwie gut kommt.»

«Selbstverliebt wie Trump»

Auf Twitter reagierten zahlreiche User mit gehässigen Kommentaren. «Operation Liberallalla: arrogant, unsympathisch und besserwisserisch», schreibt Alain Schwald, FDP-Präsident des Bezirks Affoltern ZH. Ein User bezeichnet Zimmermann als «selbstverliebt wie Trump» und fragt, ob Überheblichkeit und Narzissmus eine Voraussetzung für «eure sektiererische Spasstruppe» sei.

Ein weiterer User findet: «Bei der Operation Hipstero brennen schon die ersten Sicherungen durch.» Und Silvan Amberg, Vorstandsmitglied der Unabhängigkeitspartei UP! Schweiz, droht, bis zu den Abstimmungen nicht mehr Twitter zu konsultieren. «Jedes Mal, wenn ich die App öffne, schreit mich ein quengelnd-elitäres Wesen von Operation Libero an.»

«Sympathischen Aussenseiter-Bonus verloren»

Auch der Politologe Michael Hermann stellt fest, dass sich der Wind gedreht hat. «Nach ihren Abstimmungserfolgen hat die Operation Libero ihren sympathischen Aussenseiterbonus verloren», sagt er. Sie habe sich als einflussreiche Bewegung etabliert und deshalb Neider auf sich gezogen. «Da ihre Vertreter wie Laura Zimmermann immer noch sehr kämpferisch auftreten und sich auch nicht scheuen, sich mit Christoph Blocher oder Roger Köppel anzulegen, kann die Bewegung als arrogant rüberkommen.»

Will die Bewegung mehrheitsfähiger werden, müssten sich ihre Mitglieder laut Hermann überlegen, ihren Stil anzupassen.«Man kann auch unerschrocken und kämpferisch sein, ohne ins Besserwisserische und Arrogante zu kippen.»

«Wir machen mit Herzblut Politik»

GLP-Präsident Jürg Grossen hingegen ist der Ansicht, dass die Operation Libero auf dem richtigen Dampfer sei. «Sie ist nicht zu Unrecht zu einer wichtigen Organisation geworden, denn sie hält der Politik auch mal den Spiegel vor», sagt er. Da sie eine Bewegung und kein politischer Akteur sei, habe sie die Freiheit zur Polemik und pointiertem Denken. «Für Parteien hingegen ist dies oft schwieriger.»

Den Vorwurf der Arroganz weist die Operation Libero zurück. «Ich finde nicht, dass wir arrogant sind. Wir machen einfach mit Herzblut Politik», sagt Co-Präsidentin Laura Zimmermann. Dazu gehöre, seine Standpunkte manchmal auch mit Emotionen zu verteidigen und seinem Ärger Luft zu verschaffen.

Sei nicht despektierlich gemeint

«Das Video sollte man zudem im Gesamtkontext der Kampagne betrachten. Dann merkt man schnell, dass es nicht despektierlich gemeint ist.»

Seit ihrer Gründung versuchten Menschen, die Bewegung «auf den richtigen Weg zu führen» und einzuordnen, sagt Zimmermann. «Währenddessen machen wir einfach unser Ding und ecken dabei auch an.» Aus der Luft gegriffen seien ihre Statements nie. «Wir arbeiten immer faktenbasiert.» Wer sich über die Posts der Operation Libero so stark aufrege, könne sie auf Social Media auch einfach ignorieren.

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