Aktualisiert 23.08.2010 08:45

Online-Game

Bürgerliche prügeln auf Gewerkschafter ein

Der Kampf um die Renten-Abstimmung geht in die heisse Schlussphase. Das Ja-Komitee lanciert ein Online-Game, in dem die Spieler auf Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner einschlagen müssen. Sie wollen so die Jugendlichen für die Abstimmung mobilisieren.

von
Lukas Mäder
Räuber im Kinderzimmer: Linke und Gewerkschafter wollen dem Kind an das Sparschwein. Nur Faustschläge können das verhindern, beispielsweise gegen Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner (links). (Bild: pd)

Räuber im Kinderzimmer: Linke und Gewerkschafter wollen dem Kind an das Sparschwein. Nur Faustschläge können das verhindern, beispielsweise gegen Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner (links). (Bild: pd)

Der Kampf wird mit harten Bandagen geführt: Im Abstimmungskampf um die Senkung des Renten-Umwandlungssatzes lanciert das Pro-Komitee ein Online-Spiel, in dem geprügelt werden muss. Um das Sparschwein eines Kindes zu retten, müssen die Spieler böse Gewerkschafter und Linke abwehren — mit Pfefferspray oder der «ehrlichen Faust», wie es in der Anleitung martialisch heisst. Und wie es sich für echte Männer gehört, schlagen sie keine Frauen, «nicht mal böse Frauen». Ansonsten gibt es einen Punkteabzug. Zu den Gegnern im Spiel gehört unverkennbar Paul Rechsteiner, SP-Nationalrat und Präsident des Gewerkschaftsbundes. Er geht nach drei Faustschlägen unter Schmerzensschreien zu Boden.

«Wir haben sicher keine Beisshemmungen, um das Thema auf den Punkt zu bringen», sagt Kampagnenleiter Adrian Michel. Die Gegner hätten ebenfalls personalisiert, und Paul Rechsteiner habe sich als Gewerkschaftspräsident dafür angeboten. Michel spielt auf ein Online-Game der SP an, in dem Rentner vor den gierigen Greifarmen von wahlweise Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer, von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder oder von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter geschützt werden müssen.

Angegriffener nimmt Spiel mit Humor

Das Nein-Lager unter Führung der Gewerkschaft Unia nimmt den jüngsten Schachzug der Befürworter sportlich, wie Mediensprecherin Julia Gerber sagt. «Das ist eine weitere Verzweiflungstat der Economiesuisse.» Schliesslich sehe es nicht gut aus für das Ja-Komitee, sagt Gerber. «Offensichtlich befürchten die Befürworter am Abstimmungssonntag einen schlimmen K.O.-Schlag und müssen deshalb noch austeilen.» Auch das Ziel der virtuellen Prügel-Attacke, Paul Rechsteiner, lacht nur, als er davon hört. «Die Versicherungsgesellschaften haben unglaublich viel Geld, aber keine Argumente», sagt er. Das sei ein hilfloser Versuch, den Stimmbürgern ein Produkt anzudrehen, das mit schweren Mängeln behaftet sei.

Dass beide Lager im Abstimmungskampf auf Online-Games setzen, ist kein Zufall. «Das Internet ist für uns wichtig, weil wir junge Stimmberechtigte erreichen wollen», sagt Michel vom Ja-Komitee. Und diese Altersgruppe spreche nicht mehr auf herkömmliche Kampagnenmittel wie Zeitungsinserate an. Und gerade die Jungen sind für die Befürworter wichtig. «Mit dem heutigen System werden vor allem die Jungen abgezockt», argumentiert Michel. Deshalb sei eine grosse Mobilisierung dieser Altersgruppe ein Erfolgsfaktor. «Wir werden in der VOX-Analyse nach der Abstimmung sehen, wie stark wir bei den Jungen mobilisieren konnten.»

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