29.11.2017 10:28

Nach Messerattacke

Bürgermeister hat Mitleid mit seinem Angreifer

Andreas Hollstein, Bürgermeister der Kleinstadt Altena, wurde am Montag mit einem Messer am Hals verletzt. Die wahre Schuld sieht er aber nicht beim Täter.

von
nk

Lokalpolitiker Andreas Hollstein hat nach der Messerattacke auf ihn Mitleid mit dem Täter. «Er hat sein Leben verpfuscht», sagte er der «Passauer Neuen Presse». Die wirklichen Täter seien aber «die Brunnenvergifter, die man auch aus den sozialen Netzwerken kennt. Es gibt eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft». Trotzdem betonte der CDU-Politiker: «Ich mache weiter.»

Hollstein war am Montag in einem Döner-Laden in Altena von einem 56-jährigen, arbeitslosen Maurer am Hals verletzt worden. Am Dienstagabend haben viele Menschen mit einer Lichterkette in der norddeutschen Kleinstadt ihre Solidarität mit ihrem Bürgermeister bekundet, schreibt der «Spiegel». Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich «entsetzt über den Messerangriff».

«Von Hass durchtränkte Mails» bekommen

Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen von einem fremdenfeindlichen Motiv aus, der Angreifer soll unmittelbar vor der Tat gesagt haben: «Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena.» Die Staatsanwaltschaft sieht aber bisher keine Verbindungen zur organisierten rechten Szene. Sie ermittelt wegen versuchten Mordes.

Hollstein ist besonders für sein Engagement für Flüchtlinge bekannt, weswegen er wiederholt «von Hass durchtränkte anonyme Mails» erhalten habe, sagte der Politiker. Auch am Tag nach dem Messerattentat habe er Mails bekommen von Absendern, «die die Tat für richtig halten».

«Politiker-Stalking» soll strafbar werden

Der Bürgermeister fordert ein strengeres Vorgehen gegen solche Täter. «Der Staat muss wehrhafter sein», sagt er. «Wir sind nicht rechtzeitig eingeschritten und haben in dieser liberalen Gesellschaft nicht früher Grenzen gezogen. Wenn man Politiker anpöbelt und bedroht, ist das kein Kavaliersdelikt. Wer hetzt, gafft und Rettungskräfte angreift, muss auch mit saftigen Strafen rechnen.»

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund will sogar einen neuen Straftatbestand einführen. «Der geltende Stalking-Paragraf sollte um den neuen Straftatbestand des ‹Politiker-Stalkings› ergänzt werden», sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Ansonsten würden Führungspositionen in Politik und Verwaltung immer unattraktiver. Landsberg: «Hasskriminalität bedroht die staatlichen Ämter.»

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