Toronto-Trash: Bürgermeister wegen Crack-Clip unter Druck
Aktualisiert

Toronto-TrashBürgermeister wegen Crack-Clip unter Druck

Medien haben Fotos von Torontos Bürgermeister zugespielt bekommen, die diesen beim Crack-Rauchen zeigen. Die Presse sammelt Geld, um das Video zu kaufen. Nun ist der Informant verschwunden.

von
phi
Steht in der Mitte des rechten Bildes ein Bürgermeister neben dem getötetem Anthony Smith (mit erhobenem Mittelfinger)? Rob Ford (ganz links) dementiert.

Steht in der Mitte des rechten Bildes ein Bürgermeister neben dem getötetem Anthony Smith (mit erhobenem Mittelfinger)? Rob Ford (ganz links) dementiert.

Rob Ford ist ein konservativer Knochen. Einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Einer, der Asiaten als «Orientalen» beschimpft, die langsam das Land übernehmen. Einer, der seinen Wähler sagt, sie müssten sich nicht den Kopf über Aids zerbrechen. «Wenn Sie keine Nadeln benutzen und nicht schwul sind, bekommen sie Aids wahrscheinlich nicht.»

Kein Wunder, dass sich Journalisten des «Toronto Star» und der US-Website Gawker die Augen rieben, als ihnen Fotos zugeschickt wurden, die Politiker bei Straftaten zeigen – darunter ein Mann, der wie Ford aussieht und im Kreise somalischer Dealer Crack raucht. Ein Erzkonservativer, der harte Drogen konsumiert? Stoff für einen handfesten Skandal.

Die Bilder stammen angeblich von einem Video, das für 200'000 Dollar zum Verkauf steht. Die «Gawker»-Bertreiber haben zwar nicht die Mittel, aber dafür eine zündende Idee: Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter fordern sie die Leser auf, für den Enthüllungsclip zu spenden, um ihn veröffentlichen zu können. Zuvor haben sich sowohl «Gawker»- als auch «Toronto Star»-Journalisten den Clip zeigen lassen, um seine Echtheit zu prüfen.

Breiter Bürgermeister ruft Spender auf den Plan

Der Informant hat das Video im vergangenen halben Jahr gedreht und ist sich sicher, dass Bürgermeister Ford Crack geraucht hat. Redaktoren des «Toronto Star» können sogar noch weitere, in Kanada bekannte Personen, auf dem Video identifizieren: Liberalen-Führer Justin Trudeau, der in einer Szene von Ford als «Schwuchtel» tituliert wird, und den Football-Coach einer High School.

Einen Tag nach der Veröffentlichung der Crack-Anschuldigungen dementierte Rob Ford, doch das schien die offenen Fragen der Wähler nicht zu beantworten. Im Gegenteil: Nachdem TV-Moderatoren wie Jon Stewart den beleibten Kanadier aufs Korn nehmen, stieg die Spendenbereitschaft. Am 22. Mai war das Ziel erreicht: In fünf Tagen sind 200'000 Dollar zusammengekommen.

Jon Stewart am 21. Mai über Rob Ford (ab 1.20 Minuten). Quelle: YouTube/ nervouss

Jimmy Kimmel hat das Thema ebenfalls auf der Agenda. Quelle: YouTube/ JimmyKimmelLive

Ford gab erneut eine Pressekonferenz, auf der er seine Unschuld beteuerte. Doch statt ihm Glauben zu schenken bohrten Journalisten weiter. «Toronto Globe and Mail» fand heraus, dass Drogen in der Familie des konservativen Politikers Tradition haben. Bruder Doug verhökerte in den 1980ern Haschisch, Bruder Randy wurde wegen Kindnapping im Zusammenhang mit Drogenvergehen geschnappt, Schwester Kathy griff im Drogenkontext zur Waffe.

Das PR-Debakel ist angerichtet – was auch immer an den Anschuldigungen dran ist. Ford hat inzwischen mehrere Mitarbeiter entlassen – sofern die nicht selbst ihren Hut genommen haben wie etwa sein Sprecher und dessen Stellvertreter. Inzwischen interessiert sich die Polizei für die Beziehungen des Bürgermeisters zur Unterwelt: Auf dem Foto, das bisher das einzige Beweisstück ist, steht Ford neben Anthony Smith. Der 21-Jährige wurde im März in einem Club in Toronto erschossen.

Den Ermittlern könnte das geheimnisvolle Video helfen. Das Problem: Der Informant ist wie vom Erdboden verschluckt. Das gibt der Geschichte vom vermeintlichen Crack-Konsum des Bürgermeisters natürlich einen noch bittereren Beigeschmack.

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