Aktualisiert 02.10.2012 06:10

630 Minuten zu Null

Bürki holt Rekord und verschenkt Handschuhe

GC-Keeper Roman Bürki ist seit sieben Spielen ungeschlagen – Super-League-Rekord. Die erste Gratulation kam von seinem Vater Martin. Der stand 15 Jahre lang im Tor beim FC Münsingen.

von
Eva Tedesco

GC-Goalie Roman Bürki ist seit 630 Minuten ungeschlagen. Das ist Super-League-Rekord. (Video: 20 Minuten Online)

In der 72. Minute war es soweit: Auf der Videowall im Letzigrund wird gross die GC-Nummer 1 Roman Bürki eingeblendet. Der Speaker gratuliert Roman Bürki zum Rekord und die Fans skandieren den Namen des Berner Schlussmannes des Grasshopper Clubs. «Ich habe es kurz gesehen, als ich beim Abstoss gewesen bin. Aber das Spiel ist ja trotzdem weiter gelaufen und eine Minute später kommt dann der Penalty... Gut kommt der jetzt, hab ich mir noch gedacht.»

Das haben sich wohl die meisten der 14 400 Zuschauer in Zürich gedacht. Den bisherigen Rekord von Luzern-Keeper Zibung (611 Minuten) hatte Bürki da zumindest schon geknackt. Sieben Spiele zu Null – würde St. Gallens Oscar Scarione die Serie von Bürki beenden, der sich den Ball zum Strafstoss gelegt hat? Doch Scarione machte einen Schritt zurück. Pa Modou kam aus dem Hinterhalt an der Strafraumgrenze angelaufen und schoss – Bürki genau in die Handschuhe. «Ich war auch überrascht, wie der Penalty geschossen wurde», so Bürki nach dem Schlusspfiff.

Kuriose Penalty-Szene

Der GC-Keeper schildert diese kuriose Szene aus seiner Sicht: «Scarione setzt sich den Ball. Ich habe im Videostudium gesehen, dass Scarione meist in die rechte Ecke schiesst, ausser beim letzten Mal gegen uns, wo er den Ball gechipt hat. Dann macht er aber rückwärts einen Schritt gegen aussen, Richtung Strafraum. Komisch, habe ich gedacht und sehe aus dem Augenwinkel noch Pa Modou, wie der angerannt kommt. Rein vom Gefühl her bin ich dann auch rechts gegangen und zum Glück hat er auch dahin geschossen.»

«Es ist ein sehr schönes Gefühl», konnte sich Bürki, als er die restlichen Minuten im Spitzenkampf auch noch schadlos überstanden hat, endlich freuen. «Wenn mir das jemand vor der Saison gesagt hätte, dann hätte ich ihm geantwortet: Du spinnst. Aber es ist auch ein grosser Verdienst der Mannschaft und es war ein überwältigendes Gefühl, wie mich die Fans gefeiert haben.»

Der ganze Stolz des Vaters

Der erste Gratulant war aber Vater Martin, der mit seiner Frau im Stadion war und seinen Sohn direkt nach Schlusspfiff angerufen hat. «Er ist unheimlich stolz auf mich», so Bürki fast ein bisschen verlegen. Wer aber nun denkt, dass die «Rekord-Goalie-Handschuhe» als Erinnerung in einer Vitrine im Haus Bürki aufbewahrt werden, sieht sich getäuscht.

«Ich habe sie direkt nach dem Spiel verschenkt», verrät der Berner, dessen Leihvertrag (er gehört YB) im Sommer bei GC ausläuft. «Ich glaube nicht so dran, dass ich nun diese Handschuhe immer tragen muss, denn irgendwann gehen die kaputt.» Neben der Erinnerung bleibt dem GC-Goalie aber auf sicher ein Eintrag in den Fussball-Geschichtsbüchern. Als der Tormann mit der (vorderhand) längsten Zu-Null-Serie in der Super League.

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