Aktualisiert 21.11.2017 18:11

Pascal Zuberbühler«Bürki muss egoistischer werden»

Ex-Nationalgoalie Pascal Zuberbühler rät dem angezählten BVB-Keeper, der heute in der Champions League auf Tottenham trifft (ab 20.45 Uhr im Ticker), mehr auf sich zu schauen.

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kai
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Gute Miene zum bösen Spiel: In den deutschen Medien wird Roman Bürki seit Wochen hart kritisiert.

Gute Miene zum bösen Spiel: In den deutschen Medien wird Roman Bürki seit Wochen hart kritisiert.

epa/Friedemann Vogel
Am vergangenen Freitag kassierte Dortmund beim 1:2 in Stuttgart ein Gegentor nach einem Missverständnis zwischen Bürki und Verteidiger Marc Bartra.

Am vergangenen Freitag kassierte Dortmund beim 1:2 in Stuttgart ein Gegentor nach einem Missverständnis zwischen Bürki und Verteidiger Marc Bartra.

Pressefoto Rudel/robin Rudel
Was die aktuelle Situation für Bürki erschwert: Unter Peter Bosz fehlt dem BVB die Balance, der Hurra-Fussball schwächt die Abwehr und verunsichert dadurch die gesamte Mannschaft. Der holländische Trainer steht in diesen Tagen selbst gehörig unter Druck.

Was die aktuelle Situation für Bürki erschwert: Unter Peter Bosz fehlt dem BVB die Balance, der Hurra-Fussball schwächt die Abwehr und verunsichert dadurch die gesamte Mannschaft. Der holländische Trainer steht in diesen Tagen selbst gehörig unter Druck.

epa/Friedemann Vogel

Pascal Zuberbühler, Dortmund-Goalie Roman Bürki ist derzeit wöchentlich in den Schlagzeilen, weil ihm Fehler unterlaufen. Wie schätzen Sie seine Situation ein?

Natürlich sprechen die dummen Gegentore nicht für ihn. Aber es kommt momentan einfach alles zusammen, wie zuletzt am Freitag beim 1:2 in Stuttgart. Das erste Gegentor nach dem Missverständnis mit Bartra, das zweite mit dem Schuss durch die Beine – solche Situationen sind typisch, wenn es nicht läuft. Dazu herrscht im Verein eine gewisse Unruhe, was auch nicht förderlich ist. Solche Phasen gibt es aber bei jedem Goalie. Dass Roman ein absolutes Ausnahmetalent ist, darüber müssen wir nicht diskutieren. Mit den Füssen ist er Weltklasse, er hat Power, ist mutig, technisch gut. Er hat alles, was ein Topgoalie braucht. Er muss jetzt einfach aus diesem Loch finden.

Dass der BVB unter Trainer Peter Bosz die Balance nicht findet und in der Abwehr grosse Probleme hat, hilft dabei nicht gerade.

Das macht es umso schwieriger für Roman. Vielleicht täte es ihm gut, in zwei, drei Aktionen ein bisschen egoistischer zu sein und halt einmal einen längeren Ball zu spielen als den kurzen Pass. Wenn die Mannschaft verunsichert ist, bieten sich die Verteidiger nicht mehr an oder spielen den Ball überhastet zurück – und dann wird es schnell eng. Wenn dann so etwas passiert wie mit Bartra, ist am Ende meist der Goalie der Dumme.

Was kann Bürki sonst noch tun, um aus dem Loch zu finden?

Wichtig ist, sich nun ganz auf sich und sein Training mit dem Goalietrainer zu konzentrieren. Um eine solche Spirale zu durchbrechen, musst du mental stark sein, und das ist Roman. Dass er viel Selbstvertrauen besitzt, hat er gezeigt, als er Roman Weidenfeller verdrängte und auf Anhieb mit guten Leistungen glänzte – bei einem Weltclub wie Dortmund, wohlgemerkt.

Wenn einem Goalie mehrere Fehler in Folge unterlaufen, nimmt er dann die Angst vor dem nächsten mit ins Tor?

Angst darfst du nicht haben. Wenn du nur daran denkst, dass du im nächsten Match unbedingt liefern musst, hast du schon verloren. Du musst diese Fehler ausblenden, sonst passiert garantiert wieder etwas. Das ist doch das Schönste an diesem Sport: diesen Druck zu spüren. Das wirst du nach der Karriere dein Leben lang vermissen.

Als Goalie ist man permanent exponiert. Legt man sich schon in der Jugend ein dickes Fell zu?

Auf jeden Fall. Du brauchst schon als Junger eine gewisse mentale Stärke. Es ist brutal, zu sehen, wie viele Eltern heute ihren Söhnen sagen, sie sollen nicht ins Tor, weil sie sonst schnell zu Sündenböcken würden. In England ist es noch viel extremer, weil die Torhüter einen schlechten Ruf haben und der Druck der Öffentlichkeit deshalb 20-mal grösser ist. Nach dem Rücktritt von David Seaman ist es Mode geworden, die Nationalgoalies kaputtzumachen. In der Schweiz haben wir zum Glück mit Sommer, Bürki und Hitz ein Trio, das beste Werbung für diese Position macht.

Zurück zu Bürki: Könnte ihm ein Trainerwechsel helfen? Denn Bosz' Stuhl wackelt gewaltig.

Ein Wechsel könnte auch in die andere Richtung gehen. Wenn ein Neuer kommt, will er oft auch etwas Neues probieren. Aber Roman muss einfach für sich schauen.

Sehen Sie Bürkis Zukunft trotz aller Gerüchte – der BVB soll sich nach Konkurrenten umschauen, um den Druck auf den Berner zu erhöhen – in Dortmund?

Natürlich. Gerüchte kommen immer auf, erst recht, wenn einer die Leistung nicht bringt. Aber Dortmund hat kürzlich mit ihm bis 2021 verlängert, das ist einfach mal Fakt. Das heisst natürlich nicht, dass er sich nun zurücklehnen kann. Aber der BVB weiss ganz genau, was er an Roman hat. Nun liegt es an ihm, diese schwierige Phase hinter sich zu lassen.

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