Aktualisiert 28.07.2016 14:45

Gefährliche FaulheitBürolisten müssen sich täglich 1 Stunde bewegen

Wer den Tag bei der Arbeit hauptsächlich sitzend verbringt, braucht dringend Bewegung. Und zwar mindestens eine Stunde über den Tag verteilt.

von
fal/jcg
Wer acht Stunden und mehr vor dem PC sitzt, sollte zum Ausgleich eine Stunde körperlich aktiv sein. Jeden Tag.

Wer acht Stunden und mehr vor dem PC sitzt, sollte zum Ausgleich eine Stunde körperlich aktiv sein. Jeden Tag.

Brauns

In einer in «The Lancet» publizierten Untersuchung wird Menschen, die acht Stunden sitzen, mindestens eine Stunde körperliche Aktivität pro Tag empfohlen. Dies um ein erhöhtes Gesundheitsrisiko abzuwenden.

Der Hauptautor der Studie, Ulf Ekelund von der Norwegischen Sporthochschule und der Cambridge Universität, sagt dazu dem «Guardian»: «Man muss keinen Sport treiben, man muss nicht ins Fitnessstudio. Zügiges Gehen genügt. Vielleicht am Morgen, während der Mittagspause, nach dem Essen am Abend. Man kann es sich über den Tag aufteilen. Aber man muss mindestens eine Stunde täglich körperlich aktiv sein.»

Moderate Aktivität genügt

Sportliche Höchstleistungen müssen dafür also nicht vollbracht werden: Laut der Studie reicht eine Aktivität mit moderater Intensität wie Gehen mit einer Geschwindigkeit von 5,6 km/h oder Velofahren mit 16 km/h. Das ist demnach schon ausreichend, um die Risiken des langen Sitzens auszugleichen.

Ekelund empfiehlt zudem jede Stunde eine fünfminütige Pause einzulegen, auch wenn man nur zum Drucker läuft. Er rät Arbeitgebern, einen Kulturwechsel an Büroarbeitsplätzen zu unterstützen.

Immense Kosten

Dass das dringend nötig ist, zeigt eine neue Studie, wonach bewegungsarme Leute weltweit Kosten von mehr als 60 Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Der Grossteil der Summe entfalle auf Ausgaben im Gesundheitssystem, heisst es in einer am Donnerstag in der Medizin-Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichten Studie, die sich über 142 Länder erstreckte. Hinzu komme der Schaden für die Weltwirtschaft durch Einbussen in der Produktivität.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie Daten aus 142 Ländern aus, deren Einwohner 93 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Allerdings könnten die Gesamtkosten noch höher liegen, da die Forscher lediglich die fünf wichtigsten Krankheiten in den Blick nahmen, die mit mangelnder körperlicher Aktivität in Verbindung gebracht werden: koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes sowie Brust- und Darmkrebs.

Zurückhaltende Schätzungen

Die Berechnungen beruhten auf «konservativen Schätzungen», erklärten die Wissenschaftler. Doch auch diese konservative Schätzungen erbrachten deutliche Zahlen: Allein die durch mangelnde körperliche Aktivität verursachten Kosten für das Gesundheitswesen beliefen sich 2013 demnach weltweit auf 48,4 Milliarden Euro. Hinzu kamen Einbussen in der Produktivität von 12,3 Milliarden Euro.

Die Studie ist den Angaben zufolge die erste Untersuchung ihrer Art, sie ist Teil einer Artikelserie anlässlich der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Fehlende Bewegung werde mit fünf Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung gebracht, heisst es in der Studie. (fal/jcg/afp)

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