20.11.2020 10:28

Viren-KillerBüros und Schulen setzen im Kampf gegen Corona auf UV-Strahlen

Weil Lüften nicht immer geht, sollen UV-Anlagen die Luft in Büros, Studios und Klassenzimmern desinfizieren. Die unsichtbaren UV-C-Strahlen neutralisieren Coronaviren.

von
Barbara Scherer
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Die Gesamtschule Unterstrass in Zürich setzt neuerdings auch auf UV-C-Desinfektionsgeräte.

Die Gesamtschule Unterstrass in Zürich setzt neuerdings auch auf UV-C-Desinfektionsgeräte.

PMI-Labortechnik GmbH
Die Strahlen töten das Virus in der Luft ab und wirken dabei noch geruchsneutralisierend.

Die Strahlen töten das Virus in der Luft ab und wirken dabei noch geruchsneutralisierend.

imago images/Michael Weber
Das regelmässige Lüften ersetzen die Geräte aber nicht.

Das regelmässige Lüften ersetzen die Geräte aber nicht.

imago images/Mattias Christ

Darum gehts

  • UV-C-Strahler sind zurzeit gefragt.

  • Schulen und Unternehmen setzen auf die Geräte im Kampf gegen Corona.

  • Der Detailhandel verzichtet bislang noch auf den Einsatz der Anlagen.

Im Kampf gegen das Coronavirus ist regelmässiges Lüften wichtig. Doch nicht alle Innenräume lassen sich richtig durchlüften. Deshalb setzen Unternehmen und Schulen vermehrt auf ultraviolette UV-C-Strahler. Diese machen das Virus in der Luft unschädlich, ohne den Menschen zu gefährden.

«Seit Corona kaufen vermehrt Unternehmen mit Grossraumbüros sowie Schulen UV-C-Desinfektionsgeräte bei uns», sagt Claude Haltiner, Geschäftsführer der PMI-Labortechnik GmbH. Die Firma stellt solche Geräte her und beliefert seit Jahren die Medizinbranche und die Pharmaindustrie. Dort werden die Anlagen eingesetzt, um Oberflächen, Luft und Wasser zu desinfizieren.

Damit die Schule nicht schliessen muss

Die Gesamtschule Unterstrass in Zürich setzt neuerdings auch auf UV-C-Strahlen-Geräte. «Wir wollten proaktiv handeln, um Corona-Ansteckungen zu verhindern und damit unsere Schule sicher nicht schliessen muss», sagt Schulleiter Dieter Rüttimann zu 20 Minuten. Die Anlagen sind seit Ende Oktober im Einsatz.

«Die Geräte geben den Schülern, Eltern und Lehrern auch mehr Sicherheit», erklärt Rüttimann. Ein positiver Nebeneffekt: In den Schulzimmern riecht es seither besser, und die Luft ist frischer. Das regelmässige Lüften ersetzen die Geräte aber nicht. «Wir machen lieber zu viel als zu wenig», so Rüttimann.

Das Kosmetikinstitut Beauty Solution in Worb bei Bern nutzt die UV-C-Anlagen bereits seit Ende April. «Wir sind im Lockdown darauf gekommen, weil wir nur Dachfenster haben und dadurch nicht so gut lüften können», erklärt Geschäftsführerin Sabina Renfer.

Die Geräte würden dem Team und den Kunden mehr Sicherheit geben. «Gerade bei Behandlungen, bei denen die Kunden keine Maske tragen können», so Renfer. Auf ihre Empfehlung setzen inzwischen einige ihrer Berufskollegen UV-C-Strahler im Kampf gegen Corona in Kosmetikstudios ein.

Auch der Flughafen Zürich testet die Strahler. Diese desinfizieren die Handläufe der Rolltreppen.

Strahlen sind nicht ungefährlich

Doch ungefährlich sind UV-C-Strahlen nicht: «Wer UV-C-Lampen nutzt, muss genau wissen, wie damit umzugehen ist», erklärt Claude Haltiner von PMI. Denn UV-C-Strahlen zerstören DNA und gelten deshalb als krebserregend.

Schulen und Büros setzen aber vor allem auf geschlossene, ozonfreie UV-C-Luftdesinfektionsgeräte. Dort sind die UV-Lampen verbaut, und es kommt zu keiner direkten Bestrahlung. «Dadurch ist das Produkt ungefährlich und einfach zu handhaben», so Haltiner.

Das bestätigt auch Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel: «Nur bei direkter Einstrahlung wirkt UV-C krebserregend.» Würden UV-Lampen so verbaut, dass Menschen nicht bestrahlt werden, bestehe keine Gefahr.

Lösung für Detailhandel?

In Deutschland testet der Detailhändler Edeka UV-C-Anlagen in einer Filiale, wie die «Frankfurter Allgemeine» schreibt. In der Schweiz sehen Detailhändler bisher davon ab, UV-Strahler einzusetzen. «Wir haben den Frischluftanteil in unseren Lüftungen maximiert und stellen den Schutz dadurch sicher», sagt etwa ein Coop-Sprecher. Auch Aldi und Lidl setzen auf Frischluftzufuhr: «Die mechanischen Lüftungsanlagen sind während der Öffnungszeiten konstant in Betrieb und versorgen die Filialen mit nahezu 100 Prozent Frischluft», heisst es vonseiten Aldis. Migros verzichtet ebenfalls, man verfüge über bewährte Schutzkonzepte, und es sei seit Ausbruch der Pandemie zu keinen nennenswerten Krankheitsausbrüchen gekommen

In der Schweiz vertreibt seit Beginn des Jahres ein Unternehmen einen UV-C-Roboter, um Coronaviren zu bekämpfen:

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53 Kommentare
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Nick B.

21.11.2020, 18:56

Ich sah's kommen. Darum bin ich noch rechtzeitig nach Puerto Vallarta an der Pazifikküste von Mexiko geflüchtet, wo mich prachtvolles Wetter, weisse Sandstrände, abenteuerliche Exkursionen, köstliches Essen, süffiges Bier, superfeiner Tequila, tolle Musik und phänomenale Señoritas erwarteten. Und mein Home Office mach ich in meinem Hotelzimmer von etwa 16 bis 18 Uhr, Montag bis Mittwoch.

ein flotter Spaziergang an frischer Luft, das bringts

21.11.2020, 17:53

UV C Strahler? Täglich überschwemmen uns neue Ideen..ich sehe davon ab.

Diego

21.11.2020, 11:34

Suchmaschine eingeben: "Aargauer Zeitung Grippe 2017 Westschweiz". Auszug vom Bericht: Besonders stark traf es in der Westschweiz die Spitäler des französischsprachigen Wallis, in denen seit einigen Tagen sämtliche 662 Betten belegt sind. Vor allem wegen der Grippe-Epidemie verzeichnen die Spitäler derzeit bis zu 50 neue Patienten pro Tag. Fertig. Meine Frage: Wieso gabs im 2017 in der Westschweiz keinen Lockdown da die Spitäler ja tatsächlich überlastet waren??