Aktualisiert 25.06.2014 20:26

Attraktives Elternheim

Bumerang-Kinder ziehts wieder zu Mama und Papa

Ziehen junge Erwachsene von zu Hause aus, ist das längst kein Abschied mehr für immer. Die Zahl der 20- bis 30-Jährigen, die wieder zu den Eltern ziehen, nimmt zu.

von
D. Pomper
«Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen», sagt Familiensoziologe François Höpflinger. Vor allem Söhne kehren oft wieder nach Hause zurück. Sie schätzen es, wenn Mama das Zimmer aufräumt, kocht und die Wäsche macht.

«Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen», sagt Familiensoziologe François Höpflinger. Vor allem Söhne kehren oft wieder nach Hause zurück. Sie schätzen es, wenn Mama das Zimmer aufräumt, kocht und die Wäsche macht.

Als Lisa nach der Matura für ihr Studium nach Zürich in eine WG zog, war das ein grosser Tag: endlich weg von zu Hause, endlich unabhängig. Es war aber auch ein grosser Tag für die Eltern: endlich mehr Platz, mehr Ruhe und Lisas Zimmer konnte endlich als Fitnessraum umgenutzt werden.

Doch die Freude währte nicht lange. Kaum war Lisa mit ihrem Studium fertig, klopfte sie wieder bei ihren Eltern an. Sie wolle nun in Ruhe einen Job suchen, der ihr wirklich gefalle. Bis dahin wohne sie wieder zu Hause.

Junge Erwachsene wie Lisa, die von zu Hause ausziehen und nach Ausbildungen, Auslandaufenthalten oder zerbrochenen Beziehungen wieder zurückkommen, gibt es zuhauf. Es gibt inzwischen auch einen Namen für sie: Bumerang-Kinder.

In den USA lebt einer von fünf 20- bis 30-Jährige noch bei seinen Eltern. In der Schweiz wurde diese Zahl nicht erhoben. Aber die Privathaushaltstatistik 2012 zeigt: In der Schweiz gibt es 74'800 Elternpaare, die mit ihren über 25-jährigen Kindern in einem Haushalt leben. Dazu kommen 34'900 alleinlebende Mütter und 8200 alleinlebende Väter, deren Kinder, mit denen sie unter dem gleichen Dach leben, das 25. Lebensjahr schon überschritten haben.

«Bei den Eltern zu leben, ist nicht mehr uncool»

«Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen», sagt Familiensoziologe François Höpflinger. Wenn früher jemand das Elternhaus verlassen habe, sei das endgültig gewesen: «Man hat geheiratet oder man wollte einfach unabhängig sein.» Nach Hause zurückzukehren sei in beiden Fällen undenkbar gewesen.

«Heutzutage aber haben die jungen Erwachsenen eine wechselhaftere Biographie», sagt Höpflinger. Die Ausbildung dauere länger, man reise, übe verschiedene Berufe aus und habe mehrere Partner. Und: Das Leben bei den Eltern biete schliesslich viele Vorzüge.

«Die hohen Wohnkosten in der Schweiz schrecken viele junge Leute ab», sagt Höpflinger. Bei den Eltern zu leben sei auch nicht mehr uncool: «Dank der antiautoritären Beziehung haben viele junge Leute eine gute Beziehung zu ihren Eltern.» Gerade Söhne schätzten es zudem, wenn Mama das Zimmer aufräume und die Wäsche mache: «Sie wissen, dass die Freundin diese Pascha-Allüren nicht tolerieren würde. Für viele ist das Zusammenleben mit Mama attraktiver als mit der Freundin.»

«Eltern müssen ihre Kinder nicht aufnehmen»

Nicht alle Eltern freuen sich, wenn ihr Sprössling nach Hause zurückkehrt: «Viele Eltern haben ein weit grösseres Bedürfnis nach Unabhängigkeit als ihre Kinder.» Nicht selten würden sie deshalb ihre Dienstleistungen zurückfahren und die Jungen bei der Wohnungssuche unterstützen.

Doch was sollen Eltern machen, wenn Sie keine Lust haben, dass ihr Nachwuchs die neugewonnene Zweisamkeit stört? «Es ist absolut legitim, seinem erwachsenem Kind zu sagen, dass man es nicht wieder in der Wohnung der Eltern aufnehmen möchte», sagt Daniela Melone, Leiterin der Elternberatung von Pro Juventute. Dafür könne man Unterstützung bei der WG- oder Stellensuche anbieten. «Nur weil es das eigene Kind ist, ist man nicht verpflichtet, es wieder aufzunehmen. Es muss für alle Beteiligten stimmen.»

20 Minuten sucht Bumerang-Kinder und ihre Eltern. Sind Sie auch schon ausgezogen und dann wieder heimgekehrt? Oder sind Sie von ihren Nesthockerkindern genervt? Schreiben Sie an

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