Bund befasst sich mit «Lichtverschmutzung»
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Bund befasst sich mit «Lichtverschmutzung»

Wenn die Nacht durch künstliches Licht zum Tag gemacht wird, hat dies Folgen für Mensch und Tier. Erwiesen ist etwa, dass der nächtliche Vogelzug gestört wird. Inzwischen befasst sich auch der Bund mit diesem Problem.

Die SBB sowie immer mehr Gemeinden haben bereits Massnahmen gegen «Lichtverschmutzung» getroffen.

«Unnötige Lichtimmissionen sind für das BUWAL ein Thema», sagte Gilbert Thelin, Chef der Sektion Landschaft und Infrastruktur im Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) der AP. Ein noch unveröffentlichter Bericht des BUWAL befasst sich unter anderem mit der Störung des Vogelzugs, den Auswirkungen auf Insekten, aber auch mit der Belastung von Menschen sowie den Folgen für die Astromonie. Thematisiert wird zudem der Aspekt, dass nächtliche Lichtimmissionen das individuelle Erlebnis eines klaren Sternenhimmels verunmöglichen.

Die Vogelwarte Sempach befasst sich schon seit längerem mit der so genannten «Lichtverschmutzung». Sie hat herausgefunden, dass der nächtliche Vogelzug durch künstliche Lichtquellen gestört wird, wie Bruno Bruderer, Leiter des Bereichs Vogelzugforschung, sagte. In einer Untersuchung zeigten Zugvögel beim Einfliegen in starke Lichtkegel - etwa Reklamescheinwerfer oder Skybeamer - erhebliche Schreckreaktionen und wichen bis zu 45 Grad von ihrer ursprünglichen Richtung ab. Zugvögel werden auch durch den nächtlichen Lichtdom angezogen, der bei hoher Luftfeuchtigkeit über jeder Stadt entsteht. Gerät ein Zugvogel in einen Lichtdom hinein, ist es möglich, dass er ähnlich einem Insekt im Lichtschein einer Lampe nicht mehr herausfindet und im Extremfall nach stundenlangem Kreisflug zu Grunde geht. Andere finden erst im Morgengrauen erschöpft aus der Lichtfalle heraus.

Die SBB haben erfahren, dass ein zurückhaltender Umgang mit nächtlichen Lichtquellen auch finanzielle Vorteile bringt, wie SBB-Sprecher Roger Baumann sagte. Das vor zwei Jahren angekündigte Facelifting für alle SBB-Regionalbahnhöfe mit einer nachts leuchtenden Stele hatte eine Intervention von Vogelschutzkreisen, der Vereinigung Dark-Sky Switzerland und dem BUWAL ausgelöst. Sie kritisierten, dass die von unten her angestrahlte Säule zu viel Licht in den Himmel abstrahlt. Die Technische Universität Berlin nahm deshalb Modifikationen vor, so dass die Abstrahlung im oberen Halbraum der Stele um 56,5 Prozent und der Energieverbrauch um 51 Prozent vermindert wurde. Und die SBB sparen laut Baumann Energiekosten von jährlich über 100.000 Franken ein.

Der Umgang mit unnötigen Lichtimmissionen ist laut BUWAL-Sektionschef Thelin gesetzlich nicht geregelt, gewisse Leitplanken gibt jedoch das Natur- und das Umweltschutzgesetz vor. Die Vogelwarte hat vor einigen Jahren alle Naturschutz- und Raumplanungsämter auf die «Lichtverschmutzung» aufmerksam gemacht. Relativ viele Gemeinden hätten sich inzwischen mit diesem Thema befasst, sagte der Vogelzugexperte Bruderer. So hat etwa die Gemeinde Burgdorf im vergangenen Juni primär aus Tierschutzgründen den Einsatz von Laserscheinwerfern verboten. Im Baselbiet weist ein Merkblatt des kantonalen Amts für Umweltschutz und Energie auf die negativen Folgen der «Lichtverschmutzung» hin. Der Kanton Luzern erinnerte vor wenigen Wochen daran, dass der Einsatz von Skybeamern im Kanton verboten ist. Die Stadt Zürich hat ein neues Beleuchtungskonzept entworfen und diesen Monat öffentlich vorgestellt. Der «Plan Lumiere» soll in den nächsten zehn Jahren schrittweise umgesetzt werden und «Lichtverschmutzung» verhindern. (dapd)

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