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Affäre PolanskiBund bewilligte Polanskis Wohnungskauf

Die Affäre Polanski wird um eine Facette reicher: Das gleiche Bundesamt, das Roman Polanski verhaften liess, hatte ihm drei Jahre zuvor erlaubt, eine Wohnung in der Schweiz zu kaufen.

von
mlu

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, wurde Polanski am 28. April 2006 als Eigentümer einer 6,5-Zimmer-Wohnung in Gstaad im Grundbuch eingetragen. Dafür brauchte er als Ausländer das Einverständnis des Bundes gemäss der Lex Koller. Das Bundesamt für Justiz erteilte dem Hauskauf schriftliche seinen Segen, obwohl der Regisseur schon damals international zur Verhaftung ausgeschrieben war. Dreieinhalb Jahre später ordnete das gleiche Bundesamt die Verhaftung von Roman Polanski an.

In der «NZZ am Sonntag» verteidigt Bundesamtsdirektor Michael Leupold das widersprüchliche Vorgehen seines Amtes. Im Fall Polanski seien «zwei völlig getrennte Organisationseinheiten mit unterschiedlichem gesetzlichen Auftrag» aktiv gewesen, sagte Leupold. Das für die Lex Koller zuständige Amt habe «nach Gesetz weder die Möglichkeit noch den Auftrag, zu prüfen, ob eine Person international gesucht wird.»

Zu dieser Zeit war Christoph Blocher Justizminister. Gegenüber der Zeitung «Sonntag» sagt er: «Ich habe selber nicht gewusst, dass sich Polanski ab und zu in der Schweiz aufgehalten hat, und ich musste es auch nicht wissen.» Man müsse überlegen, ob es ein neues Gesetz brauche, «das bei einem Liegenschaftskauf eine Überprüfung von allfällig vorliegenden Haftbefehlen vorschreibt», so Blocher weiter.

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