Aktualisiert 26.03.2017 10:58

Tiefere Preise

Bund blockiert Kauf von Medikamenten im Ausland

Arzneimittel sind in der Schweiz oft teuerer als in der EU. Trotzdem setzt der Bund nun durch, dass Medikamente im Inland gekauft werden.

von
kwo
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Medikamente sind in Deutschland oft günstiger als in der Schweiz.

Medikamente sind in Deutschland oft günstiger als in der Schweiz.

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Auch in Frankreich kosten Medikamente oft weniger.

Auch in Frankreich kosten Medikamente oft weniger.

Anna Bryukhanova
Doch der Bund verbietet Schweizern ihre Medikamente dort zu kaufen. Ausnahme sind Notfälle: ein Ärzt betrachtet ein Röntgenbild.

Doch der Bund verbietet Schweizern ihre Medikamente dort zu kaufen. Ausnahme sind Notfälle: ein Ärzt betrachtet ein Röntgenbild.

Keystone/Gaetan Bally

Lörrach, Konstanz oder Waldshut: In Deutschland sind nicht nur Lebensmittel, sondern auch Medikamente oftmals günstiger als in der Schweiz. Viele Schweizer machten daher von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Präparate im grenznahen Ausland zu kaufen.

Damit ist nun Schluss. Krankenkassen dürfen Medikamente und medizinische Hilfsmittel nicht mehr er­statten, wenn ein Patient diese im Ausland kauft – obwohl damit viel Geld gespart würde. Gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) letzten Monat mehreren Krankenkassen einen Brief geschickt.

Nur im Notfall ins Ausland

Empfänger sind unter anderem Assura, Sanitas, die CSS-Gruppe sowie die Visana-Gruppe. Das BAG hat ihnen schriftlich mitgeteilt, dass sie sich an das Krankenversicherungsgesetz halten müssen. Dieses schreibt vor, dass Kassen ein im Ausland gekauftes Medikament oder medizinisches Hilfsmittel nur vergüten dürfen, wenn es dort ­wegen eines medizinischen Notfalls besorgt wurde.

Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert den Entscheid des Bundesamts. «Das Territorialitätsprinzip ist nicht mehr haltbar», sagt Meierhans. Denn es begünstige die Hochpreisinsel Schweiz. «Der Bund muss den Krankenversicherten ihre Freiheit zurückgeben. Er kann sie nicht dazu zwingen, ihre Medikamente in der Schweiz einzukaufen. Wie bei jedem anderen Produkt müssen sie entscheiden können, wo sie es kaufen.»

Motion der CVP

Gut möglich, dass Meierhans Forderung Realität wird. Der Obwaldner CVP-Ständerat Erich Ettlin hat unlängst eine Motion eingereicht, die verlangt, dass Medikamente und medizinische Hilfsmittel, welche Versicherte auf freiwilliger Basis selber im Ausland kaufen, von der obligatorischen Grundversicherung vergütet werden, sofern ein Arztzeugnis vorliegt und der Auslandpreis unter dem Schweizer Höchstpreis liegt. Das gleiche soll für Arzt- und Spitalbesuche gelten. (kwo/20 Minuten)

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