Aktualisiert 29.04.2020 17:20

Maturaprüfung

«Bund denkt nicht an die Zukunft der Schüler»

Der Bundesrat überlässt es den Kantonen, ob eine Maturitätsprüfung durchgeführt wird. Maturanden fühlen sich übergangen. Drei von ihnen erzählen 20 Minuten von ihren Sorgen.

von
Anja Zingg
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Amira Hafideddine, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern
Amira Hafideddine, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern

«Mir fehlen die Worte. Ich finde es sehr enttäuschend, dass wir als Schüler nicht miteinbezogen werden. Wir sind schlussendlich diejenigen, die es ausbaden müssen. Aber unsere Anliegen werden ignoriert.»

zvg
Ivan Knezevic, 18, Berufsmaturand am Kaufmännischen Bildungszentrum Zug (KBZ)
Ivan Knezevic, 18, Berufsmaturand am Kaufmännischen Bildungszentrum Zug (KBZ)

«Ich bin erleichtert, dass nun bei uns Klarheit herrscht. Klar, für Kantischüler ist die Situation schwieriger. Noch haben nicht alle Kantone einen Entscheid getroffen.»

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Kristina Kelava, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern
Kristina Kelava, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern

«Es ist ein enttäuschender Entscheid. Ich finde es ungerecht, dass die Entscheidung auf die Kantone abgeschoben wird. Wir müssen eine Prüfung schreiben und müssen nun für etwas schuften, während andere diesen Zusatzaufwand nicht haben.»

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Darum gehts

  • Der Bundesrat hat entschieden, dass es den Kantonen überlassen ist, ob sie eine Maturitätsprüfung durchführen wollen oder nicht.
  • Einige Kantone haben bereits angekündigt, dass sie die Prüfungen durchführen werden. Einige haben sie schon definitiv abgesagt.
  • Die Abschlussprüfung für Berufsmaturitätsschüler fällt aus.

Kristina Kelava, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern: «Es ist ein enttäuschender Entscheid. Ich finde es ungerecht, dass die Entscheidung auf die Kantone abgeschoben wird. Wir müssen eine Prüfung schreiben und müssen nun für etwas schuften, während andere diesen Zusatzaufwand nicht haben. Der Bund selber hat gesagt, dass er eine einheitliche Lösung möchte, aber er verzichtet trotzdem darauf und überlässt es den Kantonen. Meiner Meinung nach denkt der Bund nicht an die Zukunft der jetzigen Schüler. Wer weiss, für wen sich eine Hochschule entscheidet, wenn ein Schüler eine Maturaprüfung absolvierte und der andere nur eine Erfahrungsnote mitbringt.»

Das sagt der Lehrer

Lucius Hartmann ist Präsident des Schweizerischen Vereins für Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer. Der Entscheid sei erwartet gekommen, so Hartmann. «Es ist in der Bildungspolitik so, dass die EDK eine grosse Rolle spielt. Daher war es unrealistisch, dass sich der Bund über die EDK hinwegsetzen würde.» Die Schwierigkeit sei nun, dass die Unterschiede der Kantone, die es bereits jetzt schon gebe, verstärkt werden. «Das greift die Chancengerechtigkeit an.» Hartmann betont jedoch, dass Maturandinnen und Maturanden unabhängig von ihren Noten an Hochschulen angenommen werden.

Ivan Knezevic, 18, Berufsmaturand am Kaufmännischen Bildungszentrum Zug (KBZ): «Ich bin erleichtert, dass nun bei uns Klarheit herrscht. Klar, für Kantischüler ist die Situation schwieriger. Noch haben nicht alle Kantone einen Entscheid getroffen. Es gibt aber auch bei uns noch Fragen, die offen bleiben. Zum Beispiel konnte nicht der ganze Stoff durchgenommen werden, der dieses Semester anstand. Für mich muss noch geklärt werden, wie dieses letzte Semester zählt. Aber dass keine Berufsmaturitätsprüfung stattfindet, nachdem die Lehrabschlussprüfung bereits abgesagt wurde, werte ich als Erfolg.»

Amira Hafideddine, 18, Schülerin Kantonsschule Alpenquai Luzern: «Mir fehlen die Worte. Ich finde es sehr enttäuschend, dass wir als Schüler nicht miteinbezogen werden. Wir sind schlussendlich diejenigen, die es ausbaden müssen. Aber unsere Anliegen werden ignoriert. Die Begründung des Bundesrats kann ich nicht nachvollziehen. Lehrabschlussprüfungen werden abgesagt. Die Berufsmaturitätsprüfungen wurden abgesagt. Aber die Maturaprüfung kann ein Kanton durchführen, wenn er will.»

Was macht die EDK?

Die Erziehungsdirektoren

In der Schweiz tragen die Kantone die Hauptverantwortung für Bildung und Kultur. Sie koordinieren ihre Arbeit auf nationaler Ebene. Dafür bilden die 26 kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren eine politische Behörde: die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren

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