Für den Umweltschutz - Bund denkt über Werbeverbot für Billig-Fleisch nach
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Für den UmweltschutzBund denkt über Werbeverbot für Billig-Fleisch nach

Um das Klima zu schützen, erwägt der Bund ein Werbeverbot für Fleisch-Aktionen. Tatsächlich beeinflussen Verbote das Kaufverhalten – aber nicht nachhaltig.

von
Barbara Scherer
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Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) überlegt sich Werbungen für Aktionen bei Fleisch zu verbieten.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) überlegt sich Werbungen für Aktionen bei Fleisch zu verbieten.

Tamedia/ Urs Jaudas
Denn Fleisch hat eine schlechte Klimabilanz.

Denn Fleisch hat eine schlechte Klimabilanz.

Tamedia/ Urs Jaudas
Und Billigpreise verhindern einen nachhaltigen Konsum.

Und Billigpreise verhindern einen nachhaltigen Konsum.

Tamedia/ Urs Jaudas

Darum gehts

  • Werbungen für Fleisch-Aktionen könnten bald verboten werden.

  • Das Bundesamt für Landwirtschaft will so den nachhaltigen Konsum fördern.

  • Werbeverbote wirken jedoch nicht nachhaltig.

  • Damit Menschen der Umwelt zuliebe weniger Fleisch essen, braucht es Aufklärung.

Fleisch hat eine schlechte Klimabilanz. Trotzdem locken Detailhändler und Detailhändlerinnen gerne mit Rabattpreisen zum Grosseinkauf bei Fleischwaren. Das soll sich ändern: Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) überlegt sich Werbungen für Aktionen bei Fleisch zu verbieten.

Denn Billigpreise verhindern einen nachhaltigen Konsum, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. In Deutschland läuft bereits die gleiche Diskussion. Dort hat die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner angekündigt, Werbung mit Fleischpreisen verbieten zu wollen.

Mündige Konsumenten und Konsumentinnen könnten selber entscheiden

Hierzulande ist das Werbeverbot für Billigfleisch ein Teil der nachhaltigen Ernährungspolitik. Dabei löst der Vorschlag heftige Reaktionen aus. Dass so etwas nur schon in Erwägung gezogen werde, sei ein Skandal, wird SVP-Nationalrat und Metzger Mike Egger zitiert.

Auch der Branchenverband Proviande kritisiert die Idee des Bundesamts: Der Staat habe beim Fleischkonsum nicht einzugreifen. Mündige Konsumenten und Konsumentinnen könnten selber entscheiden, ob welche Angebote sie kaufen wollen oder nicht .

Der Grünen-Nationalrat Kilian Baumann freut sich über den Vorschlag. Dass Werbeeinschränkungen wirken, habe man beim Tabak und Alkohol gesehen. Für die Umweltorganisation WWF geht der Vorschlag zu wenig weit: Aus Umweltsicht sollte Fleischkonsum gar nicht mehr beworben werden.

So müssten auch Auto-Werbungen verboten werden

Tatsächlich wirken sich Werbeverbote auf das Kaufverhalten aus, wie der Sozial- und Wirtschaftspsychologe Christian Fichter gegenüber 20 Minuten bestätigt. Doch Verbote hätten keine langfristige Wirkung: «Damit sich das Konsumverhalten nachhaltig verändert, braucht es Aufklärung», sagt Fichter.

Die Konsumenten und Konsumentinnen müssten aus eigener Überzeugung weniger Fleisch essen. Dabei sei das Fleischessen nicht vergleichbar mit Tabakrauchen. Dass Zigaretten ungesund sind, darüber seien sich die Mehrheit der Menschen einig, weshalb Aufklärung und Werbeverbote zusammen funktionieren.

«Dass Fleisch schlecht für die Umwelt ist, akzeptieren viele Leute noch nicht», so Fichter. Darum brauche es vorerst mehr Aufklärung, bevor Verbote ausgesprochen werden. «Ansonsten müssten jetzt auch gleich Auto- und Flug-Werbungen verboten werden.»

Damit Schweizerinnen und Schweizer der Umwelt zuliebe auf Fleisch verzichten, brauche es gute Kampagnen, die aufzeigen, wie genau die Haltung von vielen Tieren, der Natur schadet. Zusätzlich müssten prominente Menschen eingebunden werden, die sich für einen Lebensstil mit weniger Fleisch einsetzen.

Rekordumsatz im Fleisch-Detailhandel

Die Fleisch-Lust der Schweizer und Schweizerinnen hat 2020 sogar für einen Rekordumsatz im Fleisch-Detailhandel gesorgt: Über fünf Milliarden Franken gaben die Schweizer und Schweizerinnen letztes Jahr für Wurst- und Fleischwaren aus. Das entspricht einem Plus von 13,7 Prozent gegenüber 2019, wie es im neuen Marktbericht Fleisch von Bundesamt für Landwirtschaft heisst. Profitiert haben alle Umsatzkanäle davon. Allerdings wurde besonders viel Fleisch über Discounter gekauft. Bio-Fleisch bleibt trotz Wachstum eine Nische.

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