Gewaltvorwürfe in Asylzentren – Bund entlässt Sicherheitsleute
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Ermittlungen laufenBund entlässt Sicherheitsleute nach Gewaltvorwürfen in Asylzentren

In mehreren Asylzentren wird gegen Sicherheitsleute ermittelt. Es soll zu Gewaltakten sowie Verfälschung von Rapporten gekommen sein.

von
Angela Rosser
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Im Fall des Asylzentrums in Basel wurde ein Verfahren eröffnet.

Im Fall des Asylzentrums in Basel wurde ein Verfahren eröffnet.

SEM /Twitter
Es wurden vierzehn Sicherheitsleute suspendiert. Unter anderem im Asylzentrum in Bourdy NE.

Es wurden vierzehn Sicherheitsleute suspendiert. Unter anderem im Asylzentrum in Bourdy NE.

SEM/Marco Frauchiger
Im Asylzentrum in Altstätten SG erlitt ein 16-Jähriger während einer «Deeskalation» grobe Verletzungen.

Im Asylzentrum in Altstätten SG erlitt ein 16-Jähriger während einer «Deeskalation» grobe Verletzungen.

Google Streetview

Darum gehts

  • 14 Sicherheitsleute wurden vom Staatssekretariat für Migration suspendiert.

  • Es wird wegen unverhältnismässiger Gewaltanwendung ermittelt.

  • In mehreren Fällen wurden Rapporte verfälscht.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat 14 Sicherheitsleute suspendiert. Grund ist die Untersuchung von Gewaltvorwürfen in Asylzentren des Bundes von Alt-Bundesrichter Niklaus Oberholzer. Neben unverhältnismässiger Gewaltanwendung sollen auch Einsatzprotokolle verfälscht worden sein. Dies zeigen Recherchen der Rundschau, RTS und WOZ. Im Fokus der Ermittlungen stehen die Zentren von Boudry NE, Altstätten SG und Basel.

Security schlägt Asylsuchenden ins Gesicht

Die Nachforschungen zeigen, dass das Sicherheitspersonal in mehreren Fällen Vorgänge in den Rapporten falsch dargestellt habe. So auch bei Karim T. in Basel, der gegenüber der Rundschau sagt, ein Security habe ihn provoziert und geschlagen. Im Bericht des Mitarbeiters steht, der Asylsuchende Karim T. sei alkoholisiert gewesen und durchgedreht. Der Rundschau liegt hierzu ein Bericht eines Betreuers vor, der mit der Darstellung von Karim T. übereinstimmt. Der Securitas-Mitarbeiter habe Karim T. provoziert und so fest ins Gesicht geschlagen, dass dieser auf den Boden gefallen sei. Den Fall hat das SEM der Basler Justiz übergeben. Es wurde ein Verfahren eröffnet, berichtet SRF.

Sozialpädagoge soll sich für Meldung entschuldigen

In Altstätten SG trug sich ein weitere Fall zu, der nun bei der Staatsanwaltschaft liegt. Der damals 16-jährige Alpha D. trug nach einer «Deeskalation» grobe Verletzungen davon. Dazu gehören mehrere geprellte Rippen und gelöste Zähne. Im Rapport heisst es, man habe ihn «am Boden fixiert». Über eine Gewalteinwirkung, die die Verletzungen herbeigeführt hat, steht nichts im Bericht. Die Polizei wurde nur durch die Meldung eines Sozialpädagogen aktiv. Der Rundschau erzählt dieser, dass er sich für sein Handeln, das Melden des Vorfalls, hätte entschuldigen müssen, wie es von der Regionalleitung hiess: «Mir wurde nicht gesagt, dass ich nicht richtig gehandelt habe, aber dass es nicht in meinem Aufgabenbereich gehörte. Ich sollte mich für das Handeln entschuldigen, weil ich den Meldeweg nicht eingehalten habe.» Statt einer Entschuldigung reichte der Pädagoge die Kündigung ein.

«Manchmal übertreibe ich die Realität etwas»

Auf einer Tonaufnahme, die heimlich von einem Asylsuchenden in Boudry NE aufgenommen wurde, sei weiter zu hören, wie Sicherheitsleute einen Bericht schreiben: «Wir schreiben, sie hat den Angestellten geschlagen, auf der Schulter…». Zwei Mitarbeiter sollen sich dann absprechen, dass es besser sei «auf den Brustkorb» zu schreiben. «Auf den Brustkorb, das ist besser, das ist rote Zone», sei zu vernehmen. Am Ende sage eine Mitarbeiterin: «In gewissen Rapporten übertreibe ich manchmal die Realität etwas, das rechtfertigt die Dinge besser.» Die anderen stimmen ihr zu.

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