Wasser, Strom, SBB – Bund fürchtet Infrastruktur-Kollaps bei heftiger Omikron-Welle
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Wasser, Strom, SBBBund fürchtet Infrastruktur-Kollaps bei heftiger Omikron-Welle

Trifft die Omikron-Welle die Schweiz hart, sind plötzlich Güter und Dienstleistungen in Gefahr, die für uns völlig selbstverständlich sind. Deshalb arbeiten die Betriebe Notfallpläne aus.

von
Daniel Graf
Fabian Pöschl
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Bau eines Strommasts für eine Hochspannungsleitung in Zernez. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sieht kritische Infrastruktur durch eine heftige Omikron-Welle bedroht. 

Bau eines Strommasts für eine Hochspannungsleitung in Zernez. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sieht kritische Infrastruktur durch eine heftige Omikron-Welle bedroht.

20min/Michael Scherrer
Die Betreiber von Kraftwerken sind laut dem Bundesamt selbst für die Sicherstellung des Betriebs zuständig. 

Die Betreiber von Kraftwerken sind laut dem Bundesamt selbst für die Sicherstellung des Betriebs zuständig.

20min/Matthias Spicher
Dazu zählt auch die Wasserversorgung. 

Dazu zählt auch die Wasserversorgung.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sieht in einer heftigen Omikron-Welle eine Gefahr für die kritische Infrastruktur der Schweiz.

  • Polizei, Feuerwehr, Rettungswesen, Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung oder der öffentliche Nahverkehr könnten eingeschränkt werden müssen.

  • Für die Sicherstellung sind die Betriebe selbst zuständig. Sie arbeiten deshalb Notfallszenarien aus.

Strom aus der Steckdose, Wasser aus dem Hahn, flächendeckend mobiles Internet und Handyempfang, Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst: All das ist in der Schweiz wie selbstverständlich. Gerade diese elementare Infrastruktur ist nun aber bedroht: «Wir teilen die Einschätzung des deutschen Expertenrats, dass eine heftige Omikron-Welle eine Gefahr für diese Infrastruktur darstellen könnte. Auch die Logistik und der öffentliche Nahverkehr könnten betroffen sein», sagt Sandra Walker, Kommunikationschefin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS).

Das Problem: Sollten wegen Omikron sehr viele Menschen gleichzeitig krank werden oder in Quarantäne müssen, könnten die oben genannten Dienste möglicherweise nicht mehr sichergestellt werden. Für deren Schutz sind gemäss Walker die Betreiber zuständig. Man habe diesen schon Anfang 2021 empfohlen, sich entsprechend vorzubereiten.

Wasserwerke aus dem Homeoffice überprüfen

Deshalb werden derzeit schweizweit Schutzkonzepte und Notfallpläne erarbeitet und angepasst. So etwa bei Schutz und Rettung Zürich, wo Feuerwehr, Sanität, Zivilschutz, Einsatzleitzentrale und Feuerpolizei zusammengefasst sind. «Klar, wir müssen uns mit solchen Szenarien auseinandersetzen», sagt Kommunikationsleiter Urs Eberle. «Wir können es uns nicht leisten, abzuwarten, bis es so weit ist. Deshalb arbeiten wir seit Beginn dieser Pandemie kontinuierlich Notfallszenarien und -prozesse aus, um den Betrieb jederzeit sicherzustellen, wenn es dann wirklich zu personellen Engpässen kommt.» Wie diese hinsichtlich einer heftigen Omikron-Welle aussehen, kann Eberle derzeit noch nicht sagen.

Auch die Wasserversorgung muss sichergestellt werden. «Sämtliche Werke werden von einem zentralen Kontrollraum aus gesteuert», sagt Riccarda Engi von den Zürcher Wasserwerken. Um den Betrieb jederzeit zu gewährleisten, ist die Steuerung laut Engi mittlerweile auch vom Homeoffice aus möglich. Sollte es zu Personalengpässen kommen, müssten gegebenenfalls Arbeiten priorisiert werden. «Im Zentrum steht die Versorgung mit Trinkwasser. Im Falle einer heftigen Erkrankungswelle müssten weniger dringliche Arbeiten möglicherweise später ausgeführt werden.» Bisher hätten die bestehenden Schutzkonzepte aber sehr gut funktioniert.

Post würde im Notfall den Zivilschutz aufbieten

Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann sagt: «Viele Ausfälle von Mitarbeitenden wegen Omikron würde die Post vor grosse Herausforderungen stellen. Wir überwachen deshalb die Entwicklung der Situation permanent und arbeiten eng mit dem BAG zusammen.» Je nach Bedarf würden die Schutzmassnahmen intensiviert. «Unsere Mitarbeitenden halten Distanz, tragen konsequent die Hygienemasken und nutzen das Desinfektionsmittel.» Zudem mache man Homeoffice wo möglich, reduziere physische Kontakte aufs Minimum und intensiviere die Reinigung von Räumlichkeiten.

Sollten Personalausfälle sich häufen, hat die Post weitere Szenarien vorbereitet: «So ist es denkbar, dass wir zum Beispiel Mitarbeitende aus anderen Abteilungen oder Standorten verschieben oder zusätzliche Temporärangestellte gewinnen. Als absolut letztes Worst-Case-Szenario sind wir im Rahmen einer Eventualplanung mit dem BABS in Kontakt, damit uns der Zivilschutz verstärken könnte.»

SBB und Polizei: «Fortlaufende Vorbereitung»

Bei der SBB lässt man sich nicht in die Karten blicken: «Ziel und Auftrag der SBB ist es, die Mobilität zu gewährleisten. Deshalb bereiten wir uns fortlaufend auf unterschiedliche Szenarien vor», sagt Mediensprecherin Jeannine Egi.

Ähnlich klingt es bei mehreren Polizeikorps: Man habe ein Schutzkonzept, oberstes Ziel sei es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Obwohl wir uns auf verschiedene Szenarien vorbereiten, sind diese hypothetisch, da der weitere Verlauf der Pandemie noch ungewiss ist», heisst es etwa von der Berner Kantonspolizei.

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