Coronavirus: «Bund handelt wieder spät» – neuer Zoff über Corona-Politik

Publiziert

Coronavirus«Bund handelt wieder spät» – neuer Zoff über Corona-Politik

Das BAG und die EKIF empfehlen die zweite Boosterimpfung erst ab Herbst. Die Mitte ist der Meinung, dass der Bund bereits wieder zu spät reagiere.

von
Marino Walser
1 / 6
Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben über den weiteren Verlauf betreffend Boosterimpfung informiert.

Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben über den weiteren Verlauf betreffend Boosterimpfung informiert.

20min/Simon Glauser
Die Empfehlung für den zweiten Booster für die breite Bevölkerung kommt erst im Herbst. 

Die Empfehlung für den zweiten Booster für die breite Bevölkerung kommt erst im Herbst. 

20min/Matthias Spicher
Bei der Mitte zeigt man sich über die Strategie besorgt. «Der Bund reagiert wieder spät. Erst jetzt, da Fallzahlen und Hospitalisationen wieder steigen, kommen neue Empfehlungen», sagt Mitte-Nationalrätin Humbel. Ausserdem scheine die Altersgrenze von 80 Jahren ziemlich willkürlich zu sein. «Meines Erachtens müssten die Ärzte, insbesondere die Grundversorger, viel stärker miteinbezogen werden.»

Bei der Mitte zeigt man sich über die Strategie besorgt. «Der Bund reagiert wieder spät. Erst jetzt, da Fallzahlen und Hospitalisationen wieder steigen, kommen neue Empfehlungen», sagt Mitte-Nationalrätin Humbel. Ausserdem scheine die Altersgrenze von 80 Jahren ziemlich willkürlich zu sein. «Meines Erachtens müssten die Ärzte, insbesondere die Grundversorger, viel stärker miteinbezogen werden.»

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben über den weiteren Verlauf betreffend Boosterimpfung informiert.

  • Zum jetzigen Zeitpunkt empfiehlt das BAG lediglich den über 80-Jährigen einen Booster. Die breite Bevölkerung soll sich dann ab Herbst impfen lassen. 

  • Die FDP und SP zeigen sich über die Fahrtrichtung des BAG erfreut. 

  • Eine Mitte-Nationalrätin ist jedoch der Meinung, dass der Bundesrat bereits jetzt schon wieder zu spät reagiert. 

Am Dienstag informierten das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) über die Ausweitung einer Auffrischungsimpfung. Das BAG und die EKIF sehen davon ab, im Sommer einen weiteren Booster für die breite Bevölkerung zu empfehlen. Lediglich Personen über 80 Jahre wird die vierte Impfung bereits im Sommer empfohlen.

Für die Normalbevölkerung reicht laut BAG aktuell der Schutz durch eine Grundimmunisierung und einen Booster. Für den Herbst soll die Impfempfehlung allerdings auf die gesamte erwachsene Bevölkerung ausgeweitet werden. Zum Vergleich: Die ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt den zweiten Booster für alle über 70 Jahre, für Bewohner und Betreute in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe.

Die Mitte zeigt sich skeptisch

Bei der Mitte zeigt man sich über die Strategie besorgt. «Der Bund reagiert wieder spät. Erst jetzt, da Fallzahlen und Hospitalisationen wieder steigen, kommen neue Empfehlungen. Offenbar hat man nicht damit gerechnet das die Fallzahlen jetzt schon wieder steigen», sagt Mitte-Nationalrätin Humbel. Ausserdem scheine die Altersgrenze von 80 Jahren ziemlich willkürlich zu sein. «Meines Erachtens müssten die Ärzte, insbesondere die Grundversorger, viel stärker miteinbezogen werden. Sie kennen ihre vulnerablen Patientinnen und Patienten, die geimpft werden müssten, obwohl sie noch nicht 80-jährig sind», sagt Humbel.

Mit der kommunizierten Vorgehensweise des Bundes liegt nun der Ball wieder bei den Kantonen. Diese sind in der Pflicht, dem Impfvolumen im Herbst nachzukommen oder aber in einem Worst-Case-Szenario entsprechende Massnahmen festzulegen. «Hier ist ein Makel auszumachen», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess.

Tauchen noch vor Herbst schwerwiegende Probleme auf, dass beispielsweise Hospitalisationen oder Todesfälle sich wieder häufen, bestehe die Gefahr, dass keiner der Kantone als Erstes Massnahmen festlegen wolle. «Die Kantone könnten sich gegenseitig aufhalten, da keiner der Buhmann sein möchte», sagt Hess.

Gute Vorgehensweise

Doch der Bund erhält auch Unterstützung: Über diese Vorgehensweise vonseiten des BAG und der EKIF zeigt sich FDP-Nationalrat Marcel Dobler erfreut. «Es ist richtig, dass der Bundesrat entschieden hat, nicht bereits im Sommer zu boostern.» Hätte man jetzt auf einen weiteren Booster gepocht, wäre der entstandene Schutz im September oder Oktober bereits wieder verpufft. «Steckt man sich jetzt mit dem Virus an, führt es nicht zu schweren Krankheiten, Hospitalisationen oder Todesfällen. Dadurch erreicht man in der Bevölkerung eine Grundimmunisierung, die erwiesenermassen besser schützt als eine Impfung», sagt Dobler. Halte sich die Bevölkerung wieder vermehrt in Innenräumen auf, sei es auch richtig, sich freiwillig boostern zu lassen.

Ebenfalls, so Dobler, sei die kommunizierte Herangehensweise auch deshalb sinnvoll, da man so den Kantonen mehr Vorbereitungszeit gebe, um die Impfzentren hochzufahren und einen reibungslosen Ablauf beim Impfen im Herbst zu garantieren. «Diese Vorbereitungszeit ist richtig und wichtig», sagt Dobler.

Auf den angepassten Impfstoff warten

Für einmal blasen auch die Sozialdemokraten ins gleiche Horn wie die FDP. SP-Nationalrätin Barbara Gysi teilt die Meinung von Marcel Dobler, dass der Bundesrat richtig gehandelt habe, wenn es um die Empfehlung des Boosters gehe. «Es ist deswegen richtig, da wir gut daran tun, auf den angepassten Impfstoff zu warten, anstatt jetzt und im Herbst erneut zu impfen», sagt Gysi.

Laut der Ostschweizerin ist das Risiko, nicht bereits im Sommer auf den Booster zu setzen, deshalb zu rechtfertigen, da bereits eine Vielzahl Menschen mehrfach geimpft ist. «Dass in einem ersten Schritt die über 80-Jährigen mit der Auffrischimpfung geschützt werden, ist absolut nachvollziehbar.»

Machen dir die steigenden Fallzahlen im Moment Sorgen?

Bleibe über Politikthemen informiert

Interessierst du dich auch über Bundesratswahlen und Abstimmungen hinaus für das Politgeschehen im Land? Liest du gerne spannende Interviews, Analysen, aber auch Lustiges zu aktuellen Themen? Abonniere hier den Politik-Push (funktioniert nur in der App)!

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Politik» an – schon läufts.

Deine Meinung

369 Kommentare