Ungebraucht und bald im Abfall?: Bund lagert aus erster Corona-Welle noch Millionen Masken
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Ungebraucht und bald im Abfall?Bund lagert aus erster Corona-Welle noch Millionen Masken

Im Frühjahr 2020 hat die Schweiz Millionen von Atemschutzmasken beschafft. Der Grossteil dieser Masken wurde bis heute nicht gebraucht. Sie drohen, im Abfall zu landen.

von
Claudia Steiger
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Zahlreiche, im Frühjahr 2020 vom Bund beschaffte Masken wurden noch nicht gebraucht.

Zahlreiche, im Frühjahr 2020 vom Bund beschaffte Masken wurden noch nicht gebraucht.

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Ein Bericht des Bundes zeigte im Sommer erstmals, wie viel Geld die Armeeapotheke zwischen Januar und Juni für Schutzmaterial ausgegeben hat.

Ein Bericht des Bundes zeigte im Sommer erstmals, wie viel Geld die Armeeapotheke zwischen Januar und Juni für Schutzmaterial ausgegeben hat.

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188 Millionen Franken wendete die Armeeapotheke für verschiedene Maskentypen auf. (Symbolbild)

188 Millionen Franken wendete die Armeeapotheke für verschiedene Maskentypen auf. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Millionen von Masken befinden sich noch ungenutzt in Lagern der Armeeapotheke.

  • Im Frühjahr 2020 wurden zu viele und zu teure Masken eingekauft.

  • Diese drohen nun unbrauchbar zu werden.

217 Millionen Hygienemasken und 6,4 Millionen Atemschutzmasken, die der Bund im Frühjahr 2020 beschafft hat, liegen noch ungenutzt in Lagern der Armeeapotheke. Dies berichtet der «Tages-Anzeiger». Von den von März bis Mai 2020 eingekauften knapp 300 Millionen Masken wurden damit bis heute nicht einmal jede vierte Hygienemaske und weniger als jede sechste Atemschutzmaske verbraucht. Mit dem Grosseinkauf in der ersten Corona-Welle wurden demnach Dutzende Millionen Franken an Steuergeldern in den Sand gesetzt.

Für das eingelagerte Schutzmaterial bezahlte die Armee damals rund 150 Millionen Franken. Weil die Reserven knapp waren, wurde zu einem Zeitpunkt eingekauft, an dem die Preise am höchsten und die Risiken am grössten waren. Heute erhält man dieselbe Menge Masken viermal günstiger.

Haltbarkeit nur ein bis zwei Jahre

Da sich der Bedarf des Gesundheitswesens im Bereich der Masken nicht derart entwickelt habe, wie vom BAG befürchtet, seien die Bestände aus der Reserve des Bundes kaum genutzt worden, heisst es laut Bericht von der Armee. Hinzu kommt: Struktur und Ressourcen der Armeeapotheke seien nicht auf dieses Beschaffungsvolumen ausgelegt gewesen. Das dürfte mit dazu beigetragen haben, dass teils minderwertige Ware angenommen wurde. Bei vielen der noch eingelagerten Masken fehlen Qualitätsstandards und Zertifikate.

Nun drohen die riesigen Maskenbestände unbrauchbar zu werden. Je nach Modell beträgt die offizielle Haltbarkeit lediglich ein oder zwei Jahre. Es bleibt die Möglichkeit, die Masken weit unter den Einkaufspreisen zu verscherbeln oder zu verschenken. Geprüft wurde im Juni demnach auch ein Verkauf der nicht dem Schweizer Standard entsprechenden Atemschutzmasken nach Afrika. Dieser kam nicht zustande. Können die Masken nicht mehr verkauft oder verschenkt werden, dürften sie direkt in der Kehrichtverbrennungsanlage landen.

VBS-Chefin Viola Amherd will die Masken-Deals laut Bericht intern untersuchen lassen.

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Pro Juventute, Tel. 147

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