Leichte Vergünstigung: Bund passt Eurokurs für Medikamente nicht an

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Leichte VergünstigungBund passt Eurokurs für Medikamente nicht an

Es gibt leichte Preissenkungen bei den Medikamentenpreisen in der Schweiz. Aber die Pharmaindustrie profitiert bis Herbst 2016 weiterhin von viel zu hohen Eurokursen.

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sda/gbr
Pillen werden billiger  eine bittere Pille bleibt: Bis Herbst 2016 verweigert der Bund bei Medikamenten den Eurorabatt.

Pillen werden billiger eine bittere Pille bleibt: Bis Herbst 2016 verweigert der Bund bei Medikamenten den Eurorabatt.

Am Mittwoch gab es für Schweizer Patienten eine gute Nachricht: Ab Juni wird der Auslandspreisvergleich neu gewichtet, ein Teil der Medikamente soll etwas günstiger werden. 20 Minuten berichtete dazu ausführlich. Die gestern vom Bundesrat festgelegte Gewichtung akzeptierte der Branchenverband Interpharma nur «zähneknirschend», teilte er mit.

Es herrscht nicht nur eitel Freude über die Beschlüsse, die Gesundheitsminister Alain Berset gestern als «Mittelweg» bezeichnete. Intergenerika, die Vereinigung der führenden Generikafirmen in der Schweiz, teilt am Donnerstag mit, dass der Bundesrat mit den Regeln über das Ziel hinausschiesse.

Gar eine «massive Wettbewerbsschwächung» sei zu erwarten wegen des «Fehlens einer symmetrischen Regelung bei Wechselkursentwicklungen in unterschiedliche Richtungen». Interpharma teilt mit, es sei nicht zu verstehen, «wieso die Medikamente in diesem Punkt anders behandelt werden sollten als Güter des täglichen Lebens».

Bundesrat hält bis Herbst 2016 am hohen Eurokurs fest

Derzeit profitiert die Pharmabranche allerdings eher von den fixen Wechselkursen: Die Umrechnungskurse zwischen 1,27 und 1,29 Franken pro Euro werden bei den Medikamentenpreisen bis Herbst 2016 beibehalten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Konsumentenschützer, Preisüberwacher und Krankenkassenvertreter hatten einen Wechselkurs von 1,05 Franken pro Euro gefordert, sind damit nun allerdings gescheitert. Laut Preisüberwacher Stefan Meierhans hätte man so rund 500 Millionen Franken sparen können.

Laut Konsumentenschutz gebe es bis zur Anpassung im nächsten Jahr nun vorwiegend eine Gewinnerin: die Pharmabranche. Unter dem Gesichtspunkt, dass die Pharmaindustrie im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ihren Umsatz mehrheitlich im Ausland erziele, sei es «skandalös, dass ein einzelner Wirtschaftszweig vom Staat dermassen bevorzugt wird», so die Stiftung für Konsumentenschutz.

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