Jugendschutz: Bund prüft Mindestalter für Youtube-Nutzer
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JugendschutzBund prüft Mindestalter für Youtube-Nutzer

Im Internet sollen künftig härtere Alterskontrollen durchgeführt werden. Politiker und Experten sind sich uneinig, ob dies sinnvoll ist.

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lz/pam/las
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Der Bundesrat will die Altersbegrenzungen für Computerspiele, Filme und Kinobesuche in der ganzen Schweiz vereinheitlichen. Auch für Online-Plattformen wie Youtube sollen punkto Jugendschutz künftig strengere Regeln gelten.

Der Bundesrat will die Altersbegrenzungen für Computerspiele, Filme und Kinobesuche in der ganzen Schweiz vereinheitlichen. Auch für Online-Plattformen wie Youtube sollen punkto Jugendschutz künftig strengere Regeln gelten.

Im Moment dürfen die Kantone Alterslimiten für Kinofilme selbst festlegen - diese können sich darum von Kanton zu Kanton unterscheiden.

Im Moment dürfen die Kantone Alterslimiten für Kinofilme selbst festlegen - diese können sich darum von Kanton zu Kanton unterscheiden.

Keystone/Alessandro Della Valle
Beim Verkauf von Computergames und DVDs wird der Verkauf an Minderjährige durch die Händler und Hersteller bereits freiwillig eingeschränkt - allerdings halten sich nicht alle Anbieter an die Branchenregelung. Zudem gibt es keine Möglichkeit, schwarze Schafe zu bestrafen.

Beim Verkauf von Computergames und DVDs wird der Verkauf an Minderjährige durch die Händler und Hersteller bereits freiwillig eingeschränkt - allerdings halten sich nicht alle Anbieter an die Branchenregelung. Zudem gibt es keine Möglichkeit, schwarze Schafe zu bestrafen.

AP/Dave Kolpack

Der Bundesrat will die Altersbegrenzungen für Computerspiele, Filme und Kinobesuche in der ganzen Schweiz vereinheitlichen. Auch für Online-Plattformen wie Youtube sollen punkto Jugendschutz künftig strengere Regeln gelten.

Im Moment dürfen die Kantone Alterslimiten für Kinofilme selbst festlegen – diese können sich darum von Kanton zu Kanton unterscheiden. Beim Verkauf von Computergames und DVDs wird der Verkauf an Minderjährige durch die Händler und Hersteller bereits freiwillig eingeschränkt – allerdings halten sich nicht alle Anbieter an die Branchenregelung. Zudem gibt es keine Möglichkeit, schwarze Schafe zu bestrafen.

Die betroffenen Branchen begrüssen das Engagement des Bundesrats: René Gerber, Generalsekretär des schweizerischen Kinoverleih-Verbands ProCinema, weist darauf hin, dass schon seit geraumer Zeit an einer einheitlichen Lösung für Alterslimiten in Schweizer Kinos gearbeitet werde. Es sei gut, wenn in absehbarer Zeit mit einer Bundeslösung eine gesetzliche Grundlage für alle Kantone geschaffen werde. Auch Game Rights, die Konsumentenorganisation der erwachsenen Gamer in der Schweiz, ist erfreut, dass die freiwillige Branchenlösung, wie von der Organisation schon länger gefordert, im Gesetz verankert werden soll.

Pass scannen

Komplizierter wird es, wenn es darum geht, Jugendliche im Internet vor unangemessenen Inhalten zu schützen. Was den Zugang und die Nutzung von Videoplattformen betrifft, wäre laut Ludwig Gärtner, Leiter des Geschäftsfelds Familie beim Bundesamt für Sozialversicherungen, etwa ein Verfahren denkbar, bei welchem die Nutzer nichtjugendfreie Inhalte melden können. Zudem könnte auf heiklen Seiten eine Altersverifikation verlangt werden: Diese würde z. B. mit einem Scan vom Pass das Alter des Nutzers bestimmen.

Er plädiert dafür, mit der EU zusammenzuspannen, wo derzeit eine entsprechende Richtlinie zur Diskussion steht. «Die Schweiz allein kann einen Riesen wie Youtube nicht zur Kooperation bewegen.»

Verantwortung der Eltern

Für FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen führt der Vorschlag zu weit: «Es liegt in der Verantwortung der Eltern, zu schauen, was ihre Kinder auf ihrem Computer oder Smartphone konsumieren.» Anbieter wie Youtube in die Pflicht zu nehmen, hält er für «nicht durchsetzbar». Solche Online-Sperren könnten ganz leicht umgangen werden. Darum sei es zentral, dass die Eltern gegenüber ihren Kindern Spielregeln beim Medienkonsum aufstellten, statt pauschal Verbote auszusprechen.

Auch Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, ist skeptisch: «Das Problem ist, dass man versucht, etwas zu regulieren, das gar nicht wirksam zu regulieren ist – oder nur zu einem unverhältnismässig hohen Preis.» Diesen Preis sieht er in Netzsperren und Zensur, die über das Ziel hinausschiessen und am Ende die Internet-Infrastruktur gefährden. Solche Massnahmen griffen zudem, wenn überhaupt, nur zu einem gewissen Grad – so könne beispielsweise jeder ein nicht jugendfreies Youtube-Video von alternativen Quellen abrufen.

Junge im Netz schützen

Für SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab ein schwaches Argument: «Die Haltung, dass die Jungen sowieso an ihre Games und Filme kommen, bringt nichts.» Gerade weil die meisten Jungen Medienangebote direkt im Netz nutzten, müsse dort der Schutz erhöht werden.

Für Pro Juventute ist die Entscheidung des Bundesrats ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. «Auch wenn die Eigenverantwortung der Eltern zentral ist, brauchen sie trotzdem eine gesetzliche Richtschnur, um gut informiert Entscheidungen zu treffen, sagt Laurent Sédano, Medienexperte bei der Jugendorganisation.

Um die Altersbeschränkungen im Netz besser zu handhaben, stehen verschiedene Ideen im Raum. Ziel ist eine einheitliche Lösung. «Angedacht ist zum Beispiel, Melde-Knöpfe bei allen Anwendungen am selben Ort zu platzieren.» Von einer Verifikation mit eingescanntem Personalausweis oder gar Sperren hält er jedoch nicht viel. «Wenn die Schutzmassnahmen zu sehr behindern, werden die User sie einfach umgehen.»

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