Beef um Merkblatt: Bund rät zu Vegi-Buffet – Fleisch-Lobby wehrt sich
Publiziert

Beef um MerkblattBund rät zu Vegi-Buffet – Fleisch-Lobby wehrt sich

Zwei Drittel eines Buffets sollten vegetarisch sein, empfiehlt der Bund in einem Merkblatt für nachhaltige Verpflegung. Nun muss sich der Bundesrat dazu äussern.

von
sis
1 / 9
Ginge es nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), gehören fleischlastige Apéros bald der Vergangenheit an.

Ginge es nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), gehören fleischlastige Apéros bald der Vergangenheit an.

iStock
Mindestens zwei Drittel eines Buffetts sollten sich aus vegetarischen Produkten zusammensetzen. Das Vegetarische sei zudem an erster Stelle zu platzieren, steht in einem Merkblatt für nachhaltige und umweltfreundliche Verpflegung, das sich an Veranstalter von Apéros richtet.

Mindestens zwei Drittel eines Buffetts sollten sich aus vegetarischen Produkten zusammensetzen. Das Vegetarische sei zudem an erster Stelle zu platzieren, steht in einem Merkblatt für nachhaltige und umweltfreundliche Verpflegung, das sich an Veranstalter von Apéros richtet.

www.bafu.admin.ch
Der Veranstalter sollte zudem auf umweltfreundliche Labels achten und möglichst bio, regional und saisonal einkaufen.

Der Veranstalter sollte zudem auf umweltfreundliche Labels achten und möglichst bio, regional und saisonal einkaufen.

Ikonoklast_fotografie

Mindestens zwei Drittel eines Apéros sollten sich aus vegetarischen Produkten zusammensetzen. Das Vegetarische sei zudem an erster Stelle zu platzieren, empfiehlt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Merkblatt für nachhaltige und umweltfreundliche Verpflegung, das sich an Veranstalter von Apéros richtet.

Möglichst bio, regional und saisonal sollte es sein: Bio-Apfelsaft vom Hochstamm, regionale Früchte und Gemüse mit Bio-Label. Für Übriggebliebenes sollen Schalen und Säckchen aus nachhaltigem Material bereitgestellt werden, damit Teilnehmer es mitnehmen können.

«Haben wir keine anderen Probleme?»

SVP-Nationalrat Franz Ruppen hat dazu nun eine Interpellation eingereicht. Das Merkblatt sei «überflüssig» und eine «Bevormundung»: «Ich finde das Merkblatt an und für sich nicht gut und die Empfehlung, dass zwei Drittel des Apéros vegetarisch sein sollen, auch nicht», erklärt er gegenüber 20 Minuten. «Der Bund soll sich da nicht einmischen. Haben wir denn keine anderen Probleme?»

Vom Bundesrat möchte er zudem wissen, ob mit solchen Empfehlungen, die Fleischbranche und das Metzgergewerbe nicht benachteiligt würden. «Die Problematik mit dem Treibhauseffekt ist den Leuten bewusst, sodass sie auch eigenverantwortlich handeln können», sagt er.

«Fleisch muss als Sündenbock herhalten»

Der Vorschlag des Bafu sorgt auch beim Schweizer Fleisch-Fachverband für Verstimmungen: «Ich finde es absolut unverständlich und völlig inakzeptabel, wenn sich ein Bundesamt derart einseitig für einzelne Ernährungsweisen wie die vegetarische Ernährung beziehungsweise Bio positioniert», sagt Direktor Ruedi Hadorn. Damit werde von offizieller Seite der falsche Eindruck erweckt, dass all die übrigen Ernährungsweisen im Vornherein schlecht seien, so sein Argument.

Weiter beschwert er sich, dass Fleisch derzeit für alles, so auch für die Klimadiskussionen, als Sündenbock herhalten müsse: «Wir wehren uns entschieden gegen die mittlerweile verbreiteten Schwarz-Weiss-Debatten, da die Gründe dahinter viel komplexer und vielschichtiger sind.» Zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre Fleisch dazu, was auch der Natur des Menschen als Allesesser entspreche.

«Staatliches Eingreifen angebracht»

Rückendeckung bekommt das Bafu von Swissveg, der Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen in der Schweiz: «Die Ernährung ist der grösste Faktor, der die Umwelt beeinflusst. Produkte tierischen Ursprungs weisen eine erheblich schlechtere Ökobilanz auf als Früchte, Gemüse oder Getreide», sagt Sprecherin Danielle Cotten.

Auf die Kritik von Ruppen, der Bund würde die Bürger erziehen wollen, kontert Cotten: «Wie beim Konsum von Alkohol und Zigaretten stellt der Staat Regeln auf. Nicht nur zum Schutz von anderen, sondern auch vor sich selbst.» Ein staatliches Eingreifen sei angebracht, da der häufige Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch laut der Weltgesundheitsorganisation krebserregend sei und sich zudem negativ auf die zukünftigen Lebensbedingungen der Schweizer auswirke.

Fleisch sei aber nicht das einzige Problem: «Milchprodukte wie Käse oder Butter weisen einen höheren Ressourcenverbrauch auf als so manche Fleischsorten.» Wer wirklich umweltfreundlich essen wolle, für den seien pflanzliche, also vegane Produkte, unumgänglich.

Bafu schweigt

Wegen der laufenden Interpellation könne das Bafu sich laut Sprecher Loïc Schwab derzeit nicht zu den Vorwürfen äussern: «Der Bundesrat wird als Nächstes dazu Stellung nehmen.»

Deine Meinung