Teenie-Prostitution: Bund schaut bei der Bekämpfung zu
Aktualisiert

Teenie-ProstitutionBund schaut bei der Bekämpfung zu

Als erster Kanton der Schweiz hat Genf die Prostitution Minderjähriger verboten. Der Bundesrat hat derweil noch immer keine entsprechenden Massnahmen getroffen.

von
Désirée Pomper

Zwei Jahre lang hat er dafür gekämpft. Nun hat der Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat sein Ziel erreicht: Als erster Kanton hat Genf die Prostitution Minderjähriger verboten. «Das Verbot setzt der Banalisation der Prostitution von Minderjährigen ein Ende – zumindest in Genf», sagt Barthassat. Seine Befürchtung: «Die Schweiz könnte zur Destination europäischer Sextouristen für Minderjährige werden.» Dafür, dass 16-Jährige in der Schweiz noch immer auf den Strich dürften, sei auch die Regierung verantwortlich: «Seit zwei Jahren verspricht der Bundesrat, die Europaratskonvention zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch zu unterzeichnen», sagt Barthassat. Diese Konven­tion sieht Bestrafung von Freiern von Minderjährigen vor. Passiert sei aber noch nichts. Auch Amnesty International kritisiert: «Während die Schweiz international bei Menschenrechtsanliegen Tempo macht, hapert es bei der Umsetzung im eigenen Land», so Sprecher Daniel Graf. Prostitution von Minderjährigen gehöre zu den «schlimmsten Formen der Kinderarbeit». Ronja Tschümperlin vom Kinderschutz Schweiz bemängelt, dass sich der Bund zu wenig beherzt für den Kinderschutz einsetzt: «Ich bezweifle, dass das Schutzalter bei Prostituierten auf 18 angehoben wird.»

Laut dem Bundesamt für Justiz wird die Stellungnahme der Kantone zur Europaratskonvention noch immer ausgewertet. Ernst Gnägi vom Bundesamt für Justiz: «Der Bundesrat wird zum gegebenen Zeitpunkt eine Gesamtbeurteilung machen.»

Kantone mehrheitlich für Europakonvention

Eine Mehrheit der Kantone ist für ein Sexverbot mit minderjährigen Prostituierten. Aber: Die Zürcher Regierung findet es widersprüchlich, «einerseits von der sexuellen Mündigkeit der Jugendlichen ab 16 Jahren auszugehen und gleichzeitig sexuelle Handlungen mit sexuell Mündigen teilweise unter Strafe zu stellen». Ronja Tschümperlin vom Kinderschutz Schweiz widerspricht: «Nur weil man ab 16 seinen Sexualpartner frei wählen kann, heisst das nicht, dass man zur Entscheidung fähig ist, seinen Körper kommerziellen Zwecken herzugeben.»

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