Aktualisiert 28.03.2020 20:01

#LeaveNoOneBehind

Bund soll 5000 Flüchtlinge vor Corona schützen

Überfüllte Flüchtlingslager und Gefahr durch Corona: Politiker und Prominente üben auf Social Media Druck auf die Regierungen aus.

von
Jacqueline Straub
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«Es ist höchste Zeit, dass Europa handelt», so Nationalrat Michael Töngi. «Die Flüchtlinge dürfen auch in der jetzigen Krisenzeit nicht vergessen werden.»

«Es ist höchste Zeit, dass Europa handelt», so Nationalrat Michael Töngi. «Die Flüchtlinge dürfen auch in der jetzigen Krisenzeit nicht vergessen werden.»

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Durch die Corona-Krise sind Flüchtlinge an den Grenzen in den Hintergrund geraten: Die Online-Petition #LeaveNoOneBehind will, dass die europäischen Regierungen diese aufnimmt.

Durch die Corona-Krise sind Flüchtlinge an den Grenzen in den Hintergrund geraten: Die Online-Petition #LeaveNoOneBehind will, dass die europäischen Regierungen diese aufnimmt.

AP/Panagiotis Balaskas
Auf Social Media beteiligen sich viele, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Flüchtlinge nicht vergessen werden dürfen. Etwa hier die Grünen im Kanton Zürich.

Auf Social Media beteiligen sich viele, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Flüchtlinge nicht vergessen werden dürfen. Etwa hier die Grünen im Kanton Zürich.

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«Alleine im Camp Moria auf Lesbos leben derzeit über 20'000 Menschen, obwohl nur Platz für 3000 ist.» So steht es in der Online-Petition #LeaveNoOneBehind, die auf chance.org lanciert wurde und von dutzenden Promis und Politiker erstunterzeichnet ist.

Auch in der Schweiz macht der Hashtag #LeaveNoOneBehind auf Social Media die Runde. «Aktuell harren auf der Insel Lesbos in Griechenland 20'000 Geflüchtete ohne Zugang zu Hygiene oder Medizin aus - wenn sich dort der Corona-Virus ausbreitet, droht eine humanitäre Katastrophe», heisst es im Text.

Internationale Solidarität zeigen

Geteilt wurde #LeaveNoOneBehind auf Facebook zum Beispiel vom grünen Nationalrat Michael Töngi, der drei weitere Personen aufforderte, es ihm gleich zu tun. «Es geht darum, nicht nur nationale Solidarität zu zeigen, sondern auch internationale Solidarität sichtbar zu machen. Wir müssen nicht nur Zeichen setzen, sondern auch aktiv werden», sagt der grüne Nationalrat. Er und viele andere Personen fordern unter dem Hashtag #LeaveNoOneBehind, dass der Bundesrat jetzt schnell reagiert, denn die Situation in den Flüchtlingscamps habe sich durch die Gefahr durch das Coronavirus sogar noch verschlimmert. «Es ist höchste Zeit, dass Europa handelt», so Töngi. «Die Flüchtlinge dürfen auch in der jetzigen Krisenzeit nicht vergessen werden.»

Flüchtlinge sollen in der Schweiz in Quarantäne

Die konkrete Forderung an den Bundesrat unter dem Hashtag #LeaveNoOneBehind lautet deshalb: «Wir fordern den Bundesrat auf, sofort gemeinsam mit anderen europäischen Staaten das Flüchtlingslager auf Lesbos zu evakuieren und mindestens 5'000 Geflüchtete in der Schweiz aufzunehmen und in Quarantäne zu bringen!»

Social Distancing ist im Camp nicht möglich

Die Geflüchteten hätten in den Camps keinen Zugang zu Hygiene oder Medizin, wird befürchtet. In Zeiten von Corona, in denen Social Distancing, Quarantäne und Hände-Waschen enorm wichtig sind, ist dies im Flüchtlingslager Moria aber nicht möglich. «Bricht die Epidemie in einem solchen Lager aus, wird es fast unmöglich sein, Ansteckungsketten zu unterbrechen», heisst es in der Petition. Es wird befürchtet, dass infizierte Menschen keine humanitäre Versorgung erhalten und ihrem Schicksal überlassen werden.

Schutz vor Corona soll auch in Camps selbst möglich werden

«Diese schwere humanitäre Krise muss gelöst werden, indem die Flüchtlinge innerhalb Europa aufgeteilt werden. Die Schweiz könnte mindestens 5000 Personen aufnehmen», sagt denn auch Nationalrat Töngi. Auch die Initianten der Petition fordern von der EU-Kommission und den EU-Regierungen, dass die Flüchtlingslager evakuiert werden und die Menschen an Orten untergebracht werden, an denen sie vor dem Virus geschützt sind. Und: Es brauche auch in den Flüchtlingslagern notwendige Quarantäne- und Schutzmaßnahmen vor Corona, um die eine exponentielle Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Ebenso brauche es Zugang zu medizinischer Versorgung für Obdachlose und Geflüchtete. «Die Corona-Krise lässt das Leid von Schutzsuchenden, die Gewalt und die humanitäre Katastrophe in den Hintergrund treten. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, zusammen zu halten», heisst es in der Petition.

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