Beschwerde-Aktion: Bund soll teure Medis per Zwangslizenz vergünstigen

Aktualisiert

Beschwerde-AktionBund soll teure Medis per Zwangslizenz vergünstigen

Krebsmedikamente drohen unbezahlbar zu werden, so die Krebsliga Schweiz. Die Organisation Public Eye fordert deshalb den Bundesrat zum Eingreifen auf.

von
Isabel Strassheim

Sehen Sie die Aktion von Public Eye: Eine Frau bettelt am Zürcher Paradeplatz um Geld für ihre Krebsbehandlung

Zwei Milliarden Menschen weltweit kommen nicht an einfachste Medikamente, so die Weltgesundheitsbehörde WHO. Zum Problem wird die Medikamentenversorgung inzwischen auch in reichen Ländern wie der Schweiz, wie die Krebsliga Schweiz und die entwicklungspolitische Organisation Public Eye gemeinsam kritisieren. «Die immer höheren Preise sind eine Bedrohung für das solidarische Schweizer Gesundheitssystem», sagt Krebsliga-Sprecherin Beatrice Bösiger.

Um die Medikamentenpreise in Schach zu halten, fordert Public Eye deshalb vom Bundesrat eine faktische Teil-Enteignung der Pharmafirmen: Teure, patentierte Medikamente sollen notfalls auch andere Hersteller produzieren dürfen, was die Preise vergünstigen würde. Normalerweise haben Pharmafirmen durch den Patentschutz ein 20 Jahre dauerndes Monopol auf die von ihnen entwickelten Medikamente. Dieses soll der Bundesrat in bestimmten Fällen per Zwangslizenz aufheben, so Public Eye.

Hierzu startet Public Eye am Dienstag eine Sammelbeschwerde an Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und Gesundheitsminister Alain Berset. Dabei können Bürger per Postkarte die Forderung der Zwangslizenzierung unterstützen.

Pharmabranche hat höchste Gewinnmargen

Besonders bei der Krebsbehandlung steigen die Medikamentenpreise stark. Standardtherapien können jährlich

100'000 Franken kosten. Das neue Leukämiemedikament Kymriah von Novartis kostet rund 475'000 Franken, eine einmalige Behandlung reicht jedoch. Die hohen Preise seien nicht gerechtfertigt, so die Kritik.

Pharmafirmen haben verglichen mit anderen Branchen die höchsten Forschungskosten, wie ein Finanzanalyst erklärt. Dennoch weisen sie seit Jahrzehnten die höchsten Gewinne aus: Ein Betriebsgewinnanteil von 35 Prozent ist die Regel. «Die Börse erwartet das», so der Experte, der namentlich nicht genannt werden will. Finanzierbar ist dies aber nur über die hohen Medikamentenpreise.

Limitierung für teure Hepatitis-C-Medis

Bislang gab es in der Schweiz eine Limitierung von teuren Medikamenten nur bei Hepatitis C: Bestimmte, sehr teure Medikamente wurden nur dann in der Grundversorgung bezahlt, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten war. Seit letztem Herbst ist diese Einschränkung jedoch aufgehoben worden, und Krankenkassen müssen die Therapie allen erstatten.

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