Aktualisiert 18.09.2018 15:07

AntibiotikaBund soll Verkauf von kleineren Mengen testen

Rund 30 Prozent der gekauften Medikamente in der Schweiz werden nicht konsumiert. Mit kleineren verkauften Mengen sollen aber auch die Antibiotikaresistenzen bekämpft werden.

von
fur
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Mit kleineren Mengen könnte das Problem der Antibiotikaresistenzen bekämpft werden.

Mit kleineren Mengen könnte das Problem der Antibiotikaresistenzen bekämpft werden.

Keystone/Martin Ruetschi
Das Parlament stimmte einer Motion von Manuel Tornare (SP/GE) zu.

Das Parlament stimmte einer Motion von Manuel Tornare (SP/GE) zu.

Keystone/Martin Ruetschi
Restbestände von Antibiotika, die zu einem späteren Zeitpunkt ohne ärztliche Verschreibung als Selbstmedikation konsumiert oder an Drittpersonen weitergegeben würden, könnten wesentlich zu solchen Resistenzen beitragen, hält der Bundesrat fest.

Restbestände von Antibiotika, die zu einem späteren Zeitpunkt ohne ärztliche Verschreibung als Selbstmedikation konsumiert oder an Drittpersonen weitergegeben würden, könnten wesentlich zu solchen Resistenzen beitragen, hält der Bundesrat fest.

Keystone/Armin Weigel/DPA

Der Bund soll eine Testphase für den Verkauf von Antibiotika in kleineren Mengen ermöglichen – also die Abgabe von Teilmengen einer Packung. Der vom Parlament in Auftrag gegebene Test soll zeigen, ob sich dadurch das Problem der Antibiotikaresistenzen bekämpfen lässt.

Nach der grossen stimmte am Dienstag auch die kleine Kammer einer entsprechenden Motion von Manuel Tornare (SP/GE) stillschweigend zu. Auch der Bundesrat hatte sich in seiner Antwort auf den Vorstoss mit dem Auftrag einverstanden gezeigt.

Dem Motionär geht es nicht nur um die Antibiotikaresistenz, sondern auch um die Medikamentenverschwendung, die die Öffentlichkeit teuer zu stehen kommt. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) werden 30 Prozent der in der Schweiz gekauften Medikamente nicht konsumiert, ruft er in Erinnerung. Der Einzelverkauf reduziere die Menge weggeworfener Medikamente.

Zudem lasse sich auf diesem Weg das Problem der Antibiotikaresistenz bekämpfen, argumentiert Tornare weiter. Besonders dieser zweite Punkt stösst beim Bundesrat auf Interesse. Restbestände von Antibiotika, die zu einem späteren Zeitpunkt ohne ärztliche Verschreibung als Selbstmedikation konsumiert oder an Drittpersonen weitergegeben würden, könnten wesentlich zu solchen Resistenzen beitragen, hält der Bundesrat fest.

Französische Studie lässt hoffen

Eine kürzlich in Frankreich publizierte Studie zum Thema habe ergeben, dass bei über der Hälfte der Abgaben von Antibiotika die Dosierung gemäss ärztlicher Verschreibung von der Packungsgrösse abwich. Die Studie weise auf einen potenziellen Nutzen der Teilabgabe von Antibiotika bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen hin.

Zwar sei die Vereinzelung von Medikamenten in der Schweiz grundsätzlich erlaubt und in der Verantwortung der Kantone. Es könne jedoch davon ausgegangen werden, dass sie eher selten zur Anwendung komme.

Die Regierung schlug deshalb selber vor, eine entsprechende Pilotstudie durchzuführen, um Einsicht in die Verschreibungspraxis betreffend Antibiotika zu erlangen und mögliche Auswirkungen der Teilabgabe auf Qualität, Sicherheit, Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu analysieren. (fur/sda)

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