05.05.2015 17:00

DatensicherheitBund sucht eine Alternative zu Dropbox

Die Parlamentsdienste suchen eine neue Speicher-Plattform. Bisher wurden teils vertrauliche Dokumente mittels Dropbox geteilt. Jetzt soll ein Schweizer Unternehmen einspringen.

von
vro
Mit genügend IT-Wissen lässt sich ein Dropbox-Ordner einfach knacken. Der Bund hat deshalb jetzt reagiert.

Mit genügend IT-Wissen lässt sich ein Dropbox-Ordner einfach knacken. Der Bund hat deshalb jetzt reagiert.

Ob Fotos, Dokumente oder sonstige Daten – der Dienst Dropbox ist einer der bekanntesten Datenspeicher im Netz. Nicht nur Private benutzen den Dienst, auch firmenintern kommt die Datenwolke immer wieder zum Einsatz. So auch beim Bund. Den Parlamentsdiensten wurde der Dienst jetzt allerdings zu heikel. Denn Politiker und Beamte laden teils vertrauliche oder staatspolitisch bedeutende Dokumente in die Dropbox.

Das Problem: Der Dienst gilt nicht als sicher. Mit genügend IT-Wissen lasse sich ein Dropbox-Ordner ohne Weiteres knacken, sagt GLP-Nationalrat Thomas Maier zum «Tages-Anzeiger». «Ich habe mich dagegen gewehrt, dass meine Fraktion in Bern das Programm benutzt – aus Sicherheitsgründen.» IT-Professor Bernhard Hämmerli ist der Datenwolke gegenüber noch skeptischer: Die Dateien in Dropbox-Ordnern seien eigentlich «halb öffentlich». «Je nach Vertragsbedingungen können Dritte Einsicht in die Dateien nehmen. Da muss man sehr genau lesen, was im Kleingedruckten steht.»

Ausländische Anbieter ausgeschlossen

Um die Sicherheit der Daten gewährleisten zu können, hat der Bund ein Projekt ausgeschrieben. Gesucht wird ein Online-Speicher, der über zwei Rechenzentren, die zwingend in der Schweiz stehen müssen, laufen soll. Das neue Programm soll Dropbox, Skype und allenfalls Nachrichtendienste wie Whatsapp oder Facebook Messenger ersetzen, schreibt die Zeitung. Die Daten dürfen die Schweiz keinesfalls verlassen. Zudem darf das Programm keiner «nicht schweizerischen Gesetzgebung» unterstellt sein. Nur so könne verhindert werden, dass Anbieter nach ausländischem Recht zum Herausrücken von Daten gezwungen werden können.

Mit anderen Worten: Ausländische Anbieter werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Damit sind nicht alle Firmen einverstanden. Cablecom etwa, dessen Sitz in England liegt, ist deshalb bereits vor Gericht gezogen.

Kosten noch unklar

Die Idee erntet auch bei Politikern nicht nur Lob. «Das sieht man beim Bund immer wieder: Verschiedene Abteilungen kaufen ein eigenes Programm ein, statt für die ganze Bundesverwaltung eine Lösung bauen zu lassen», sagt GLP-Politiker Maier zur Zeitung. Das würde Kosten sparen. IT-Spezialist Hämmerli hingegen findet das Vorhaben sinnvoll. «Es ist ein Kompromiss – einigermassen sicher, dafür sehr bedienungsfreundlich.»

Wie viel der Bund für das Projekt zahlen müsste, ist jedoch noch unklar. Da man die laufende Ausschreibung nicht beeinflussen will, geben die Parlamentsdienste keine Auskunft zum Projekt.

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