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Dokumente zeigenBund unterschätzte Gefahr des Coronavirus

Das Risiko einer Einschleppung sei «moderat»: So beurteilte Bersets Innendepartement im Januar 2020 die Gefährlichkeit des in China zirkulierenden Coronavirus. Das zeigen jetzt interne Dokumente.

von
Pascal Michel
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Die Behörden in der Schweiz fühlten sich im Januar 2020 an die Sars-Epidemie erinnert.

Die Behörden in der Schweiz fühlten sich im Januar 2020 an die Sars-Epidemie erinnert.

Urs Lindt/freshfocus
Bersets Innendepartement hielt in internen Dokumenten fest, es sei nicht mit anhaltenden Übertragungen in Europa zu rechnen.

Bersets Innendepartement hielt in internen Dokumenten fest, es sei nicht mit anhaltenden Übertragungen in Europa zu rechnen.

Urs Lindt/freshfocus
Die Lage verschlechterte sich damals rapide, Mitte März erfolgte in der Schweiz der Lockdown.

Die Lage verschlechterte sich damals rapide, Mitte März erfolgte in der Schweiz der Lockdown.

freshfocus

Darum gehts

  • Am 22. Januar 2020 schätzte Bersets Innendepartement das Risiko einer Corona-Einschleppung als «moderat» ein.

  • Der Bund sorgte sich eher darum, dass die Meldungen aus China Panik verbreiten könnten.

  • Das zeigen Dokumente, die ein Aktivist vom Bund verlangt hat.

  • In einer Aktennotiz heisst es auch, dass man zu wenig Masken habe.

Der Aktivist Hernâni Marques verlangte von Alain Bersets Innendepartement Dokumente darüber, wie die Schweiz die Corona-Lage im Januar 2020 eingeschätzt hatte. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz stellte ihm das Innendepartement drei Aktennotizen aus den Anfängen der Coronakrise zur Verfügung. Das Virus war Ende Dezember 2019 im chinesischen Wuhan identifiziert worden.

Risiko sei «moderat»

In einer Notiz, die auf den 22. Januar datiert ist, heisst es im Abschnitt «Risiko für die Schweiz»: «Der aktuelle Ausbruch von Lungenentzündungen mit dem neuen Coronavirus in Wuhan erinnert stark an den Anfang der SARS-Ereignisse 2002/2003.» Man verfolge die Lage deshalb aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt schätzte das Bundesamt für Gesundheit das Risiko, das vom neuartigen Virus ausging, aber laut den Dokumenten nicht als gross ein.

Das Risiko einer Einschleppung sei «moderat», heisst es weiter. «Massnahmen bei der Einreise – wie sie in einigen Ländern in Südostasien und auch in Italien ergriffen wurden – sind derzeit nicht angezeigt.» Das Wissen über das Virus sei beschränkt, betonten die Beamten in der Notiz.

Offenbar war man in Bersets Departement besorgt, dass die Nachrichten zum Virus Panik verbreiten könnten. «Das grösste Risiko geht momentan aber von (verängstigten) Personen – mit oder ohne Reisetätigkeit – aus, die das Gefühl haben, angesteckt zu sein und bei einer Ärztin oder Arzt respektive im Spital vorstellig werden.» Der Umgang mit solchen Verdachtsfällen könne rasch zur Bindung von Ressourcen und zu einer weiteren Verunsicherung in der Bevölkerung führen.

Empfehlung für Reisende

Auch eine Woche später änderte sich die Lageeinschätzung im Innendepartement nicht grundlegend. Wiederum heisst es in der Aktennotiz, Massnahmen seien nicht angezeigt, obwohl erste Verdachtsmeldungen festgestellt wurden. Untätig blieb das Departement indes nicht. Es listet auf, welche Schritte ergriffen werden sollen: Das BAG setzt eine Taskforce ein, der Bundesstab Bevölkerungsschutz wird informiert sowie sollen Empfehlungen für Reisende erarbeitet werden.

Masken-Mangel war bekannt

Interessant ist auch ein Punkt, der in der Notiz vom 10. Februar 2020 bei den «Herausforderungen» erwähnt wird. Zum Thema Masken heisst es: «Die Verfügbarkeiten von Hygiene- und Atemschutzmasken in der Schweiz sind beschränkt. Ein Konzept zum Umgang und Einsatz von Masken wird gegenwärtig erstellt.» Der Rest dieser Geschichte ist bekannt: Der Bund stellte lange die Wirksamkeit der Masken infrage, auch wegen der bekannten Knappheit. «Ja, wir hatten zu wenig Masken», sagte Alain Berset im 20-Minuten-Live-Chat später.

Auch im Februar schätzte das Innendepartement die Wahrscheinlichkeit von anhaltenden Übertragungen des Virus in Europa als gering ein. Es war sich aber jetzt bewusst, dass die Einschleppung nur eine Frage der Zeit sein würde: «Das BAG erachtet die Situation in der Schweiz als vergleichbar mit dem übrigen Europa. Es ist daher davon auszugehen, dass es auch in der Schweiz in nächster Zeit zu einem oder mehreren bestätigten Fällen kommen kann.»

Jedoch reagierte auch der Bund aufgrund der neuen Erkenntnisse. Beim Punkt «Herausforderungen» heisst es am 10. Februar 2020: «Die WHO hält mit einem aktuellen Schreiben des Generaldirektors daran fest, dass auf Restriktionen im Reise- und Warenverkehr weiterhin verzichtet werden soll. Dies ist aus Sicht des BAG aufgrund der aktuellen epidemiologischen Situation kaum mehr nachvollziehbar.» Kritisch betrachtet wurden von den Beamten dann auch die anstehenden Grossveranstaltungen wie die Uhren- und Schmuckmesse in Basel.

Erster Todesfall Ende Februar

Der erste Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19 wurde in der Schweiz am 25. Februar 2020 vermeldet, ein Tag, nachdem der erste positive Test erfolgt war. Am 16. März erklärte der Bundesrat die ausserordentliche Lage und schickte das Land in einen Lockdown. Mittlerweile haben sich laut BAG 487’357 Personen in der Schweiz mit Covid-19 infiziert. 7793 sind daran verstorben.

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606 Kommentare
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Berset

13.01.2021, 22:21

Alain istderteufel

Fädenschneider

13.01.2021, 19:40

Unterschätzt überschätzt alles ausreden“ man wusste dass das chemischevirus „entwichen“ und über den tiermarkt verbreited wurde (do sagte man innerhalb 24h. (Was ich glaube ist dass es an verschiedenen kreuzpunkte in der luft versprüht wurde so dass es sich auf der ganzen welt schön verteilen kann aber lassen wir dass mal fakt ist dass vorallem uiguren gesucht und in kzs internierungs oder wie durch medien umerziehungslager gesteckt wurden/werden um kinder usw zu impfen (so hat man städte etc abgesperrt gefiltert etc etc) das ist unter anderem der grund wieso vorallem wuhan wieder normal am leben ist (allg china). Die bundesräte oder und vereinzelte die mit lobbysten und eubefürworter sowie bilderbergsitzungen mitmachen wussten darübe rund noch viel mehr.

nitana

13.01.2021, 16:29

Ich hatte in meinem Leben schon sehr viele Grippen und Corona ist ganz bestimmt nicht vergleichbar -.- Aber wenn ihr dies ja so verharmlost, ich sitz grad in Quarantäne, hab gliederschmerzen schlimmer als Wehen bei der Geburt, kann von Wohnzimmer ins Bad und bin erledigt und brauch erst mal verschnaufpause! aber ey würd mich sehr über besuch von euch besser wisser freuen