Aktualisiert 17.07.2011 01:14

Tiefenlager für AtommüllBund verschweigt Atomfabrik

Auf dem Gelände eines Tiefenlagers für Atomabfall soll eine Fabrik zur Verarbeitung von stark radioaktiven Brennelementen gebaut werden. Bislang war nur die Rede von einer Verpackungsanlage.

von
hag
Bei einem künftigen Tiefenlager für Atommüll sollen laut «SonntagsZeitung» auch stark radioaktive Brennelemente verarbeitet werden.

Bei einem künftigen Tiefenlager für Atommüll sollen laut «SonntagsZeitung» auch stark radioaktive Brennelemente verarbeitet werden.

Bei seiner Suche nach einem Tiefenlager für radioaktive ­Abfälle hat der Bund gegenüber der ­Öffentlichkeit bisher ein brisantes Thema verheimlicht. Das schreibt die «SonntagsZeitung».

Das Bundesamt für Energie und die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) planen am Entsorgungsplatz in der Schweiz eine sogenannte heisse Zelle. Das ist ein Hochsicherheitsgebäude, in dem stark radioaktive Brennelemente verarbeitet und in Endlagerbehälter verschweisst werden sollen. Bisher war bloss von einer Verpackungsanlage die Rede gewesen.

Vertreter der möglichen Standortgebiete sind überrascht: «Für uns ist neu, dass es eine Nuklearanlage geben wird», sagt die Schaffhauser Regierungsrätin Ursula Hafner-Wipf. Auch der grüne Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann staunt: «Ich bin seit Jahren als Vertreter auf der deutschen Seite in diesen Prozess der Lagersuche involviert. Von einer oberirdischen nuklearen Anlage wusste ich nichts.»

Bundesamt: «Zu wenig verständlich informiert»

Es sei möglich, dass bisher zu wenig verständlich informiert wurde, sagt das Bundesamt für Energie zu den Recherchen der SonntagsZeitung. «Wir werden Lehren daraus ziehen», sagt der zuständige Chefbeamte Michael Aebersold.

Unterdessen bittet der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller Bundesrätin Doris Leuthard schriftlich um einen Termin, um die Fragen zum Tiefenlager zu besprechen. Zudem verlangt der grüne Minister, dass nicht nur deutsche Bürger im Umkreis von 5 Kilometern, sondern von 30 Kilometern bei der Standortsuche mitreden dürfen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.